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Sardinien statt Ausschuss: Spahn kämpft nicht mehr

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 28, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Sardinien statt AusschussSpahn kämpft nicht mehr

28.09.2026, 16:34 Uhr Ein Kommentar von Volker Petersen
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Spahns Abstieg geht weiter – nun zieht er sich auch von seinem Posten im Haushaltsausschuss zurück. (Foto: picture alliance/dpa)

Ex-Fraktionschef Spahn tritt noch einmal zurück, diesmal von seinem Posten im Haushaltsausschuss. Er will sich auf seine Familie konzentrieren. Der Grund ist eine weitere Instinktlosigkeit.

Zum dritten Mal tritt Jens Spahn nun schon zurück. Erst ging er als Fraktionsvorsitzender von CDU und CSU, dann als Vorsitzender des CDU-Bezirks Münsterland – und nun als neues Mitglied des Haushaltsausschusses. In seiner Fraktion war er damit angeeckt, zu den ersten beiden Sitzungen gar nicht erst erschienen zu sein. Laut „Spiegel“ hatte er angegeben, sich um sein krankes Kind kümmern zu müssen. Doch dann tauchten Bilder von ihm auf Sardinien auf, mit seinem Baby.

Sofern sein Kinderarzt nicht auf der Insel praktiziert, ist das instinktlos. So etwas könnte sich niemand erlauben, in keinem Unternehmen. Spahn ließ sich zwar offiziell für seine Abwesenheit entschuldigen – aber dann offenkundig einen Kurzurlaub mit der Familie einzulegen, das können sich normale Arbeitnehmer nicht erlauben. Wie schon bei der Aufregung um die Leihmutterschaft sendet das ein Signal: Für mich gelten andere Regeln als für euch.

Zumal der Haushaltsausschuss nicht irgendein Ausschuss ist. Ähnlich wie der Auswärtige Ausschuss genießt er hohes Prestige. Wenn ein Abgeordneter dort hineinkommt, dann ist er wer. So gesehen war Spahns Mitgliedschaft dort auch ein Zeichen: Ganz am Ende war er politisch noch nicht. Der Haushaltsausschuss hätte eine Bühne sein können, sich weiter zu präsentieren. Wer weiß, vielleicht wäre er irgendwann dort Vorsitzender geworden, oder haushaltspolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Sich nach oben kämpfen, das kann Spahn. In CSU-Chef Markus Söder hatte er einen Verbündeten – der hatte ihm öffentlich ein Comeback in Führungspositionen vorhergesagt.

Schwache Erklärung

Spahns Erklärung für seinen Rücktritt lassen sich auf zwei Arten lesen. Die eine: Da sieht jemand keine eigenen Fehler, schiebt die Verantwortung auf die Umstände. „Alles rund um meine Person ist aktuell so politisiert, dass ein normales Arbeiten kaum möglich sein wird“, schrieb er in einer Whatsapp-Nachricht an die Haushälter seiner Fraktion. Eine schwache Erklärung – „normales Arbeiten“ wäre es gewesen, zu den ersten beiden Sitzungsterminen zu erscheinen.

Er merke „an und in mir selber“, dass sein Rücktritt noch „viel zu frisch ist, um wieder sinnvoll durchzustarten, als wäre nichts gewesen“. Falls das der Plan war, lässt das tief blicken. Durchstarten als sei nichts gewesen? Hätte Spahn nicht ohnehin seine Glaubwürdigkeit neu prüfen müssen, sich mit der Diskrepanz von persönlichem Handeln und mitgetragener Parteilinie auseinandersetzen? Falls er dachte, einfach so weiterzumachen und das Feld von hinten aufrollen zu können, dann sendet das noch einmal die Botschaft: Für mich gelten eure Regeln nicht.

Das ist die eine Lesart. Die auf den Karrieremensch Spahn blickt, der kühl seinen Aufstieg plant. Wie taktisch er denkt, zeigten Sprüche wie „Bekannt bin ich jetzt, beliebt muss ich noch werden“. Das ist nicht verwerflich. Das System braucht Menschen mit Ehrgeiz, die aufsteigen wollen. Das führt zu gesunder Konkurrenz. Kann es zumindest.

Neue Prioritäten?

Doch auch ein Karriere-Mensch ist ein Mensch und für die meisten Menschen ist die Geburt des ersten Kindes ein einschneidendes Erlebnis. Auch so lässt sich das Handeln von Spahn erklären: Er hat neue Prioritäten. Er verstieß gegen die Parteilinie, um Vater zu werden – und nahm seinen Rücktritt in Kauf. Und auch jetzt hat er wieder diese Priorität gesetzt. Lieber Zeit mit der Familie als im Ausschuss Akten durcharbeiten.

Nach der Geburt seines Sohnes legt Spahn die Prioritäten möglicherweise einfach woanders, auf die Familie. Und mit diesen Prioritäten bringt er offenbar nicht mehr die Disziplin für den grauen Bundestagsalltag auf. Umso richtiger ist der Rücktritt vom Ausschussposten. Den Haushalt mitzugestalten ist kein Job, den man nebenbei machen kann.

Ob er damit auch sein altes Karriereziel Bundeskanzler aufgegeben hat? Er ist jedenfalls so weit davon entfernt wie schon lange nicht mehr. Ein Comeback ist vorläufig nicht mehr in Sicht. Spahn klingt auch nicht so, als wäre das noch sein oberstes Ziel. Er kämpft nicht mehr. Solche Ziele liegen ohnehin nicht mehr in seiner Macht. Der Weg zurück an die Spitze wäre nun auch sehr, sehr weit.

Quelle: ntv.de

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