Papst Leo XIV. hat Europa zum Festhalten an Völkerrecht, Dialog und Multilateralismus aufgerufen. Zum Abschluss seiner Frankreich-Reise äußerte er auch Kritik, die in Richtung US-Präsident Trump gerichtet sein dürfte.
Der in Metz beheimatete europäische Gründungsvater Robert Schumann stand im Mittelpunkt der Rede von Papst Leo XIV.. Schumann, ein als Deutscher geborener französischer Politiker, dessen Muttersprache Luxemburgisch war, hatte 1950 mit dem Vorschlag für eine Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl den Grundstein für die europäische Vereinigung gelegt.
Es gehe darum, so der Papst in Metz und auf Französisch, zu den Wurzeln der europäischen Werte zurückzufinden. Das gelte auch für den Umgang mit Migranten und Flüchtlingen: „Einen Menschen aufzunehmen bedeutet, ihn wie ein Familienmitglied zu integrieren und ihm die Möglichkeit zu bieten, seine Talente, Fähigkeiten und seine Persönlichkeit zu entfalten, aber auch, sich in den Geist des Hauses einzufügen“, sagte er.
Indirekte Kritik an Trump
Papst Leo unterstrich die Bedeutung des Völkerrechts und des Multilateralismus. Die europäischen Werte müssten ein Gegengewicht zu aktuellen Tendenzen der Weltpolitik sein. Es folgten Worte des Papstes, die sicher als indirekte Kritik am Politikstil des amerikanischen Präsidenten Donald Trump gewertet werden können:
Heutzutage sind die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehungen zwischen den Staaten immer barbarischer. Das gegebene Wort wird missachtet; stattdessen rühmt man sich der Lüge und der Täuschung.
Europa als Kriegsschauplatz
Europa könne dieser Abwärtsspirale der politischen Kultur ein Ende setzen, so der Papst. Er beschrieb Europa als Hort der Menschenrechte, aber auch als Kriegsschauplatz. Ohne die Ukraine direkt zu erwähnen, sprach Leo vom wiederaufgeflammten Krieg in Europa und einem „sinnlosen Gemetzel“, das jeden Tag unzählige Opfer fordere. Es sei notwendig, Mut in den Verhandlungen zu zeigen und bereit zu sein, „bestimmte Positionen für das übergeordnete Wohl des Friedens aufzugeben“. Was genau er damit meinte, blieb unklar.
Schließlich richtete sich der Papst an die Jugend: „Liebt das Leben in jedem Augenblick und habt keine Angst vor der Zukunft! Habt keine Angst davor, eine Familie zu gründen, Kinder zur Welt zu bringen.“
Wenig politische Prominenz vertreten
Die Zahl der Staats- und Regierungschefs aus der EU, die der Europarede beiwohnten, war äußerst überschaubar. Zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gesellte sich lediglich Großherzog Guillaume von Luxemburg und sein Regierungschef Luc Frieden. Deutschland wurde von der saarländischen Ministerpräsidentin und Kulturbeauftragten für die deutsch-französischen Beziehungen, Anke Rehlinger, vertreten. Auch Fürst Albert der Zweite von Monaco war dabei. Das war’s – ein protokollarisches Fiasko für Gastgeber Macron, der alle Staats- und Regierungschef der Europäischen Union nach Metz eingeladen.
Wie schon in Paris und Lourdes fuhr Papst Leo XIV. nach seiner Europarede auch in Metz mit dem Papamobil durch die Menge und sorgte in der lothringischen Metropole für Begeisterung.
Auch in Metz fuhr Papst Leo XIV. nach seiner Rede durch die Menschenmenge.
Zum Abschluss einer viertägigen Reise nach Frankreich zelebrierte der Papst noch eine Messe in der Kathedrale von Metz. Bemerkenswert dabei war, dass auch Macron in der Kirche saß. Den Gottesdiensten in Paris war der französische Präsident noch mit Hinweis auf die Trennung von Staat und Kirche in Frankreich ferngeblieben.

