Alarm nach Desaster
Beschämte Türken: „Entschuldigen uns bei unserem Volk“
Die türkische Fußball-Nationalmannschaft beschämt sich selbst, sagen die Profis. Nach dem desaströsen 1:4 gegen kriselnde Italiener fordern Fans und Medien den Rauswurf des Trainers, die Spieler sind am Boden zerstört.
Es herrscht schon wieder – oder besser: weiterhin – Alarmstimmung im türkischen Fußball: Nach dem WM-Desaster mit dem vorzeitigen Ausscheiden in der Vorrunde missraten auch die ersten Länderspiele nach dem enttäuschenden Großturnier. Dem respektablen 0:1 gegen Frankreich lassen die Türken ein desaströses 1:4 gegen dauerkriselnde Italiener folgen. Der Verbandspräsident flieht schon zur Halbzeit aus dem Stadion, die Fans toben und die Spieler schämen sich hinterher. Kein guter Abend für den türkischen Fußball.
„Wir entschuldigen uns bei unserem Land! Das war uns nicht würdig! Wir schämen uns für diese Leistung“, verkündete ein schwer geschlagener Kapitän Merih Demiral nach der heftigen Packung. „Wir haben jetzt noch zwei Spiele vor uns, und die wollen wir so gut wie möglich zu Ende bringen! Wir entschuldigen uns bei unserem Volk! Die Verantwortung liegt bei uns, den Spielern!“
Schon zur Halbzeit hatten sich die Italiener vor den entsetzten Fans in Bursa mit drei Toren ein Stück aus ihrer Krise geschossen. Die türkischen Anhänger forderten lautstark den Rauswurf von Nationaltrainer Vincenzo Montella, Verbandspräsident İbrahim Hacıosmanoğlu hatte da schon die Tribüne verlassen.
Am Morgen nach dem Desaster gegen Italien, das seinerseits in einer der größten Krise seiner langen und erfolgreichen Verbandsgeschichte steckt, schoss die heimische Presse scharf – vor allem gegen Montella. „Wir waren so schlecht, dass sogar die Italiener überrascht waren“, spottete die reichweitenstarke Zeitung „Hürriyet“ und lieferte eine unverhohlene Forderung mit: „Wir müssen nun eine neue Ära mit einem anderen Trainer beginnen, der die Qualität unseres Kaders im Spiel widerspiegelt.“
Montella räumte ein, dass „wir es verdient haben, in der ersten Halbzeit ausgebuht und ausgepfiffen zu werden. Das macht mich traurig.“ Nach 29 Minuten lag sein Team schon 0:3 zurück, der Anschlusstreffer kurz nach der Pause brachte nicht mehr die Wende: Pio Esposito erstickte in der 50. Minute zarte türkische Hoffnungen direkt wieder gnadenlos.
Italien kassiert bei Mancini-Comeback herbe Pleite gegen Belgien
„Wir sind es nicht gewohnt, alle drei Tage ein Spiel zu bestreiten“, analysierte Montella. „Nach dem 3:1-Stand sind wir besser ins Spiel gekommen, und eines unserer Tore wurde aberkannt! Ich versuche, auch bei der Analyse von Spielen ruhig zu bleiben. Aber generell sind wir es nicht gewohnt, alle drei Tage Spiele auf diesem Niveau zu bestreiten.“
„Hätte nicht so enden dürfen“
„Wir haben dieses Ergebnis nicht erwartet – es tut uns sehr leid. So hätten wir nicht spielen dürfen. Wir sind gute Spieler“, sagte Zeki Çelik vor allem mit Blick auf die erschreckend schwache erste halbe Stunde. „Später haben wir besser gespielt, aber das hat nicht gereicht. Egal, wie gut Italien ist, es hätte auf unserem eigenen Platz nicht 4:1 enden dürfen. Wir wollen unserem Land mit Siegen in den nächsten beiden Spielen Freude bereiten.“ Am Freitag trifft die Türkei auf Belgien.
Die Italiener, die zum dritten Mal in Serie die Qualifikation für die WM verpasst hatten und zuletzt sang- und klanglos gegen Belgien verloren (0:2), holten sich durch den unerwartet klaren, letztlich locker heraus gespielten Sieg wieder ein bisschen Moral auf dem langen Weg zurück in die Nähe der Weltspitze. Erst vor wenigen Tagen war das Team des neuen Nationaltrainers Roberto Mancini selbst vom eigenen Publikum heftig ausgepfiffen worden.
Diesmal jubilierten sie im Land des viermaligen Weltmeisters – auf Kosten der Türken: „Mancinis Revolution funktioniert: Italien gibt sich einen Ruck und zerfetzt die Türkei. Seit langer Zeit haben die Azzurri nicht mehr so gut gespielt“, lobte die „Gazzetta dello Sport“. Die „La Repubblica“ sprach von der „Auferstehung der Azzurri“ und bescheinigte der Mannschaft eine technisch herausragende Leistung, wie man sie „seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehen“ habe.
Verwendete Quellen: ntv.de, ter
