Seit gestern steht das Russland-Geschäft der Metro AG unter russischer Zwangsverwaltung. Jetzt hat der deutsche Lebensmittelriese erklärt, der bisherige Russland-Chef sei nicht mehr Teil des Konzerns.
Nachdem Teile seines Geschäfts unter Moskaus Zwangsverwaltung gestellt wurden, hat der Lebensmittelgroßhändler Metro AG reagiert: Der bisherige Chef von Metro Russland, Johannes Tholey, sei nicht mehr länger Mitarbeiter des Metro-Konzerns, wie die Düsseldorfer Firma dem ARD-Studio Moskau mitteilte.
Kreml-Chef Wladimir Putin hatte das russische Metro-Vermögen gestern dem russischen Unternehmen UK Torg RUS übertragen. Das Unternehmen gibt es erst seit wenigen Wochen, es ist in Moskau registriert. Laut russischen Medien gehört es Johannes Tholey – dem bisherigen Geschäftsführer der Metro-Tochter.
Faktisch könnte die vorübergehende Übertragung am Ende in eine staatliche Enteignung ohne Entschädigung münden. Der Metro-Hauptkonzern habe keinen Zugriff mehr auf das operative Geschäft, hatte eine Unternehmenssprecherin bereits gestern gegenüber dem ARD-Studio Moskau erklärt. Das Unternehmen gehöre formal dem russischen Geschäftsführer der dortigen Metro-Tochter.
Kreml: Verbindungen zu „unfreundlichen Ländern“
Am vergangenen Montag hatte der Kreml auch das Russland-Geschäft des US-Konzerns Aptar unter russische Verwaltung gestellt. Zuvor waren bereits die Russland-Geschäfte des Schweizer Konzerns Nestlé und der französischen Unternehmen Auchan und FM Logistic sowie das frühere Russland-Geschäft von Leroy Merlin unter russische Verwaltung gestellt worden.
Kreml-Sprecher Dimitri Peskow erklärte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax, dass Verbindungen zu „unfreundlichen Ländern“ Grund für die Vermögensübertragungen seien. So bezeichnet Russland westliche Staaten, die die Ukraine unterstützen. Die Übertragungen können laut Peskow auch rückgängig gemacht werden – allerdings müsse sich dafür die Situation ändern. Dafür sehe er derzeit aber keine Anzeichen.
Metro blieb trotz Angriffskrieg in Russland
Metro war nach eigenen Angaben 2001 in den russischen Markt eingetreten. In Russland sei man mit 91 Großhandelsgeschäften vertreten. Rund 9.000 Mitarbeiter arbeiten demnach für Metro in Russland.
Nach Beginn des von Putin befohlenen Angriffskriegs im Februar 2022 entschied man sich, in Russland zu bleiben. Zu den Gründen hieß es damals: „Wir tragen Verantwortung für unsere 10.000 Mitarbeiter vor Ort sowie für unsere Kunden, die von Metro Russland ihre Lebensmittel beziehen. Metro Russland ist zudem ein großes Geschäft mit Bedeutung für das Gesamtportfolio des Konzerns.“ Die Entscheidung sei auch im Interesse der Werterhaltung des Unternehmens für seine Aktionärinnen und Aktionäre gewesen.
Mit Informationen von Philipp Raillon, z.Zt. für ARD-Studio Moskau
