Selbst nachsehen · Teil 2 von 5
Teil 1 hat gezeigt, wer eine Facebook-Seite verwaltet. Jetzt geht es um die Anzeigen, die im Feed auftauchen. Für Werbung in der EU müssen große Plattformen öffentlich zeigen, wer sie geschaltet hat, wer dafür bezahlt hat und wen sie erreichen sollte. Bei Meta heißt dieses Archiv Werbebibliothek.
Was steht in der Werbebibliothek?
Laut Meta sind dort alle Anzeigen zu finden, die gerade auf Facebook, Instagram und den anderen Meta-Diensten laufen. Werbung zu Politik, Wahlen und gesellschaftlichen Themen bleibt sieben Jahre gespeichert, samt Ausgaben und Reichweite. Für Anzeigen, die Menschen in der EU gesehen haben, gibt es noch mehr Angaben. Sie bleiben ein Jahr nach der letzten Ausspielung archiviert.
Dahinter steht der Digital Services Act der EU. Sein Artikel 39 verlangt von sehr großen Plattformen ein öffentliches Werbearchiv. Darin müssen unter anderem stehen: in wessen Namen die Anzeige läuft, wer bezahlt hat, wie lange sie lief, an wen sie sich richtete und wie viele Menschen sie erreichte.
So finden Sie eine Anzeige
Zwei Wege führen in die Werbebibliothek.
Über die Seite
In der Seitentransparenz der werbenden Seite auf den Hinweis zur Werbung tippen.
Direkt suchen
facebook.com/ads/library öffnen, Land und „Alle Werbeanzeigen“ wählen, Namen oder Stichwort eingeben.
Details öffnen
Bei der Anzeige die Details aufrufen. Die EU-Angaben stehen meist in einem eigenen Abschnitt.
Was kann man daraus ablesen?
Mehr, als man denkt. In unserer Recherche zu Werbung für eine Entkleidungs-App zeigte die Werbebibliothek: Die Anzeige richtete sich an Männer von 18 bis über 65 Jahren in 14 EU-Staaten. Sie konnte über fünf Umfelder ausgespielt werden, darunter Facebook, Instagram und Threads. Ein Eintrag war nur zwei Stunden aktiv, und Meta wies mehrere Versionen derselben Anzeige aus.
Beim Feld für Werbetreibenden und Zahlenden stand allerdings nur: „hhh“. Die Werbebibliothek zeigt, was angegeben wurde – nicht, ob es stimmt.
Und wenn dort Unsinn steht?
Das ist kein Einzelfall. Eine 2026 veröffentlichte Studie im Auftrag der österreichischen Medienbehörde KommAustria hat Werbung auf Meta-Plattformen untersucht. Die Forschenden fanden im Feld für den Zahlenden Einträge wie „369“, „1“ oder „wsdggggg“. Ein angeblicher Zahlender namens „1“ stand bei Jobbetrug sogar hinter 11.712 Anzeigen. Das Feld lässt sich also offenbar frei befüllen.
Was die Werbebibliothek zeigt – und was nicht
Ein starkes Werkzeug mit klaren Grenzen.
Zeigt
Motiv und Text der Anzeige
Laufzeit und Plattformen
Zielländer, Alter und Geschlecht (bei EU-Anzeigen)
Werbetreibenden und Zahlenden – so wie angegeben
Zeigt nicht
Ob die Angaben zum Zahlenden stimmen
Welche Person oder Firma wirklich dahintersteckt
Warum eine Anzeige endete – „inaktiv“ heißt nicht, dass Meta eingegriffen hat
Anzeigen außerhalb der EU, die nichts mit Politik zu tun haben und nicht mehr laufen
Gibt es das auch bei Google?
Ja. Anzeigen auf der Google-Suche und auf YouTube stehen im Ads Transparency Center unter adstransparency.google.com. Dort lässt sich nach einem Werbetreibenden suchen. Wer bei Google verifiziert ist, erscheint dort mit Angaben zu seiner Organisation.
Das ist wichtiger, als es klingt. Die Watchlist Internet hat beobachtet, dass Kriminelle ihre Seiten als Werbung in Suchmaschinen schalten – etwa angebliche Kanzleien, die Betrugsopfern Hilfe versprechen. Wie diese Masche abläuft, steht in „Recovery Scam: Wenn Betrüger das Geld zurückholen wollen“.
Die Serie „Selbst nachsehen“
Teil 2Wer bezahlt diese Werbung? (Sie lesen gerade)
Teil 3Woher stammt dieses Bild? (erscheint am 01.10.)
Teil 4Wem gehört diese Website? (erscheint am 02.10.)
Teil 5Melden, beschweren, nachhaken: Ihre Rechte gegenüber Plattformen (erscheint am 03.10.)
Morgen erscheint Teil 3: Woher stammt dieses Bild?.
