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Politik

Vergewaltigungsvorwürfe an US-Elite-Uni Cornell werden neu untersucht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 30, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.09.2026 • 09:08 Uhr

Vor etwa zwei Jahren wurde eine Gruppenvergewaltigung an der US-Elite-Uni Cornell angezeigt – ohne große Konsequenzen. Nun meldet sich die junge Frau erneut zu Wort – und der Fall wird neu aufgerollt.

Ute Schyns, WDR

Der Vorfall liegt mittlerweile zwei Jahre zurück. Die ehemalige Cornell-Studentin schildert die Nacht in ihrer Anklageschrift so: Die damals 20-Jährige, die in den US-Medien als Jane Doe bezeichnet wird, habe zunächst in einer Bar in ihrem eigenen Verbindungshaus viel Alkohol getrunken und sei dann in das Haus einer anderen Verbindung gegangen. Dort hätten ein Freund und ein weiteres Verbindungsmitglied sie gedrängt, noch mehr Alkohol zu trinken und ein Ketaminpulver zu schnupfen.

Danach sei sie nicht mehr entscheidungsfähig gewesen, sagt ihr Anwalt Thomas Giuffra. „Einer der Jungs fing an, mit ihr zu tanzen. Das war erst mal eine ganz normale Verbindungsparty. Und dann hat einer das Ganze in eine andere Richtung gelenkt. Hoch in ein Zimmer und dort ist es passiert“, so Giuffra. Mehrere Mitglieder der Verbindung hätten davon gewusst. „Mehrere haben mitgemacht. Sie haben sie mit Ketamin regelrecht abgefüllt.“

Vorwurf: Einladung zur Vergewaltigung per Gruppenchat

In diesem Zustand sei die Studentin von mehreren Männern stundenlang missbraucht und vergewaltigt worden. Einer soll laut Klageschrift eine Snapchat-Nachricht in einen Gruppenchat der Verbindung gepostet und andere Männer eingeladen haben, bei der Vergewaltigung mitzumachen.

Dass sie eine Einladung an 57 Männer geschickt haben, eine Frau zu vergewaltigen und niemand etwas gemacht, um das zu verhindern, sei schrecklich, sagt Giuffra. So etwas habe er noch nie gesehen. Die junge Frau hat damals den Vorfall der Campus-Polizei von Cornell gemeldet. In den USA ist es üblich, dass Universitäten eigene Polizeibehörden haben. Cornell leitete daraufhin eine interne Untersuchung ein.

Die ehemalige Studentin wirft der Hochschule jetzt vor, die Männer damals nicht ausreichend bestraft zu haben. Nur zwei der Beschuldigten wären von der Uni geflogen, andere mit milderen Strafen davongekommen. „Zwei wurden suspendiert beziehungsweise ausgeschlossen, die anderen erhielten eine Suspendierung. Sie mussten Aufsätze schreiben und das war für mich schockierend“, so Giuffra.

Cornell wehrt Kritik an milder Bestrafung ab

Die Universität widerspricht der Darstellung. Es habe eine Reihe von Sanktionen gegen die Männer gegeben, die man aus Datenschutzgründen nicht konkret benennen könne. Keiner habe sich allein durch das Schreiben von Aufsätzen seiner Strafe entziehen können. Zusätzlich sei auch die spezielle Studentenverbindung an der Uni ausgeschlossen worden.

Der Anwalt eines der Beschuldigten hat gegenüber CNN erklärt, sein Mandant sei unschuldig, er habe die Klägerin noch nicht einmal berührt. Der zuständige Bezirksstaatsanwalt hatte vor zwei Jahren keine Klage erhoben. Die Studentin habe den Hergang damals deutlich anders geschildert, erklärt Bezirksstaatsanwalt Matthew van Houten. „Sie räumt ein, wissentlich und freiwillig Drogen und Alkohol konsumiert zu haben. Sie behauptet nicht, dass sie gezwungen wurde, irgendwelche Handlungen vorzunehmen.“

Breite Welle der Empörung in den USA

Fotos von den Gruppenchats haben damals offenbar nicht vorgelegen. Die Bezirksstaatsanwaltschaft räumt ein, dass sich die Behörde damals ausschließlich auf die Berichte der Campus-Polizei gestützt habe. Eine eigene, unabhängige Untersuchung blieb aus. Opferanwalt Giuffra kritisiert, dass der Fall hätte von jemandem geführt werden müssen, der auf Vergewaltigungsfälle spezialisiert ist.

Der Fall hat in den USA eine breite Welle der Empörung ausgelöst. Im Mittelpunkt steht auch die Frage, wie Universitäten mit Hinweisen auf sexuelle Übergriffe umgehen. Die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez macht auch Cornell schwere Vorwürfe. „Die Tatsache, dass die junge Frau ihre Ausbildung aufgeben musste, während diese Männer von einer Institution geschützt wurden und zur Belohnung einen Abschluss erhielten – nie wieder.“ Nachdem durch die Zivilklage neue Beweise bekannt geworden sind, will die Staatsanwaltschaft jetzt den Fall neu aufrollen.

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Dr. Heinrich Krämer
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