Die VW-Geschäftsführung hat eine Reihe von Tarifverträgen gekündigt. Nun drohen dem Konzern harte Wochen. Die Arbeitnehmerseite hat bereits massiven Widerstand angekündigt.
Die Kündigung von Tarifverträgen – das klingt in der VW-Krise nach der nächsten Eskalationsstufe. Die IG Metall spricht von einem „üblen Foul“ und dem „schamlosen Versuch, in den Geldbeutel der Beschäftigten zu greifen“. Aber ganz überraschend kommt der Schritt nicht: Volkswagen muss massiv sparen. Das kann über den Abbau von Arbeitsplätzen und die Schließung von Werken gehen. Und über Tarifverträge.
Diese Tarifverträge müssen nun neu ausgehandelt werden. VW sagt nicht, wie viele Verträge betroffen sind. Die Gewerkschaft spricht dagegen von zehn einzelnen Vereinbarungen – vom wichtigen Manteltarifvertrag bis zum Ausbildungstarifvertrag.
Es geht um jahrzehntealte Errungenschaften
In den kommenden Monaten dürfte es also um die Arbeitszeit der VW-Beschäftigten gehen, um freie Tage und Sonderzahlungen. Aber auch um sogenannte Eingruppierungen. Das heißt, welche Tätigkeit wie bezahlt wird. Einfach gesagt: Am Ende geht es immer ums Geld. VW will streichen, die IG Metall will die Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte erhalten.
Ende 2024 lieferten sich Gewerkschaft und VW-Führung schon einmal eine regelrechte Tarifschlacht – mit stundenlangen Gesprächen und Nachtsitzungen in einem Hotel in Hannover. Am Ende stand das sogenannte „Weihnachtswunder“: Die Arbeitnehmerseite trug den sozialverträglichen Abbau von bis zu 50.000 Arbeitsplätzen und weiteren Einschnitten mit. Im Gegenzug sprach Volkswagen eine Jobgarantie bis Ende 2030 aus.
„Gravierend verschärftes“ Umfeld
Diese Jobgarantie steht weiterhin, das betont Volkswagen ausdrücklich. Doch vieles andere in der VW-Welt kommt auf den Prüfstand. Das Unternehmen begründet die Kündigung der Tarifverträge zum 31. Dezember mit einer schlechten Wettbewerbslage, zum Beispiel durch die wachsende Konkurrenz aus China. Das wirtschaftliche Umfeld habe sich „gravierend verschärft“, sagte Personalvorstand Arne Meiswinkel.
Die gefährdeten deutschen Werke in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm sind nicht direkt Gegenstand der Tarifverhandlungen.
Betriebsrat spricht von „Erpressung“
VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo sieht den Kurs des Unternehmens als Erpressung: Volkswagen drohe mit dem Aus von Standorten, um an anderer Stelle Einsparungen durchzudrücken. Betriebsrat und IG Metall haben für die kommenden Wochen massive Proteste angekündigt.
Zum Jahreswechsel endet bei VW die Friedenspflicht. Dann sind auch Streiks möglich. Einziger Ausweg: Beide Seiten bewegen sich in den Tarifverhandlungen aufeinander zu. Dass die Lage bei Volkswagen ernst ist, wissen auch IG Metall und Betriebsrat.
