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Startseite»Betrugsmaschen»„Genderfreie Schule“: Das Video ist mit KI gemacht
Betrugsmaschen

„Genderfreie Schule“: Das Video ist mit KI gemacht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 1, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Eine Lehrerin steht vor der Kamera. Sie sagt, an ihrer Schule gebe es keine Jungen und Mädchen mehr. Ein Mädchen erzählt, es könne jetzt auch ein „rosa Stift“ sein. Andere Kinder seien eine „mündliche 1“, also eine gute Note – oder gleich „schulbefreit“. Das Video sieht aus wie ein Bericht aus den Nachrichten. Es wird gerade auf TikTok, Instagram und Facebook geteilt.

Doch die Schule ist nicht das Spannende an diesem Video. Der Mann oder die Frau, die das Video gemacht hat, hat selbst dazugeschrieben: Das ist KI.

Standbild aus dem KI-Video: Eine angebliche Lehrerin mit Mikrofon vor einer Schultafel, darüber die Einblendung „Genderfreie Schule“. Daneben die Zahlen des Beitrags: 2522 Likes, 1656 Kommentare, 5723 Mal geteilt.
Eine der Versionen auf TikTok. Allein sie wurde mehr als 5.700 Mal geteilt. Screenshot: TikTok

Woher stammt das Video?

KI steht für künstliche Intelligenz. Das sind Computerprogramme, die Bilder, Stimmen und ganze Videos erfinden können. Man muss nur kurz beschreiben, was man sehen will. Die deutsche Faktencheck-Redaktion CORRECTIV hat nach dem ersten Video gesucht. Das älteste stammt vom Mai 2026 und steht auf TikTok. Das Profil, das es hochgeladen hat, trägt die Wörter „AI“ und „Satire“ im Namen. „AI“ ist das englische Wort für KI.

Wie aus einem KI-Video ein scheinbar echter Bericht wird

Der Weg des Videos über verschiedene Netzwerke.

1

Mai 2026

Das Video kommt auf TikTok. Daneben steht: KI.

2

Kopiert

Andere laden das Video neu hoch, auch auf Instagram und Facebook.

3

Hinweis weg

Bei einem Teil der Kopien steht nicht mehr dabei, dass es KI ist.

4

Scheinbar echt

Wer nur die Kopie sieht, hält es leicht für einen echten Bericht.

Woran man das Video erkennen kann

Wer genau hinschaut, merkt es auch ohne Hinweis. Die Lippen bewegen sich nicht passend zu den Worten. Die Stimmen klingen wie von einer Maschine. Die Köpfe wackeln ohne Grund hin und her. Am Handy, schnell nebenbei angeschaut, fällt das aber kaum auf.

Wir haben das Video deshalb auch selbst geprüft, mit einem Programm, das KI erkennen soll. Solche Programme suchen nach Spuren, die KI in Bild und Ton hinterlässt. Das Ergebnis: Das Video ist laut Programm zu 99,9 Prozent wahrscheinlich mit KI gemacht. Bei den Stimmen sind es 97,1 Prozent. Auch solche Programme können sich irren. Hier passt das Ergebnis aber zu den Fehlern im Bild und zum Hinweis des Erstellers.

Ergebnis eines KI-Prüfprogramms: 99,9 Prozent wahrscheinlich KI-Video, 97,1 Prozent wahrscheinlich KI-Stimmen. Darüber eine Zeitleiste mit markierten Stellen im Video.
Unsere Prüfung: Die roten Balken markieren Stellen, an denen das Programm KI erkennt. Screenshot: Mimikama

Gibt es so eine Schule irgendwo?

In Deutschland bestimmt jedes Bundesland selbst über seine Schulen. Es gibt 16 Bundesländer und damit 16 Ministerien für Bildung. CORRECTIV hat alle gefragt, ob sie so eine Schule kennen. 13 haben geantwortet. Keines kennt eine solche Schule. Drei Ministerien haben bis zur Veröffentlichung nicht geantwortet. Das Ministerium in Niedersachsen erklärte außerdem: Eine Schule darf so etwas gar nicht allein entscheiden. Dafür gibt es Gesetze.

Woher kommt die Idee?

Ganz erfunden ist das Thema nicht. Es gibt Kinder, die sich nicht als Junge oder nicht als Mädchen fühlen, obwohl es so in ihren Papieren steht. Und es gibt Kinder, deren Körper nicht eindeutig männlich oder weiblich ist. Für den Umgang mit diesen Kindern haben manche Bundesländer Regeln für Schulen geschrieben. Über diese Regeln wird politisch gestritten. Für diesen Faktencheck zählt nur eine Frage: Steht darin, was das Video zeigt?

Was es gibt – und was das Video dazu erfindet

Ein echtes Thema, bis ins Lächerliche übertrieben.

Gibt es wirklich

Regeln für Schulen, zum Beispiel in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen

Sie sollen Kinder schützen, die sich nicht als Junge oder Mädchen fühlen

Sie sollen verhindern, dass diese Kinder schlechter behandelt werden

Erfindet das Video

Ein Kind kann ein Gegenstand sein, etwa ein Stift

Ein Kind kann eine Schulnote sein

Ein Kind muss nicht mehr zur Schule, wenn es das so sieht

Gerade die Mischung macht das Video gefährlich. Viele haben schon gehört, dass es an Schulen neue Regeln zu diesem Thema gibt. Die Einzelheiten kennen sie nicht. Dann wirkt auch der „rosa Stift“ nicht mehr so weit hergeholt. Das Video braucht dafür keine echte Schule und keinen echten Menschen.

Warum der KI-Hinweis allein nicht reicht

Der Hinweis „KI“ steht meistens neben dem Video. Er steht im Text darunter oder wird von TikTok oder Instagram eingeblendet. Im Bild selbst steckt er nicht. Wer nur das Video kopiert und woanders neu hochlädt, nimmt den Hinweis nicht mit. Ob das hier absichtlich passiert ist, wissen wir nicht. Jede Kopie ohne Hinweis erreicht aber Menschen, die das erste Video nie gesehen haben.

Zum Mitnehmen

Drei Fragen bei Videos über Schulen, Ämter oder neue Regeln

Gibt es den Ort wirklich?Wie heißt die Schule oder das Amt? Wo ist es? Findet man es im Internet?

Wo war das Video zuerst?Beim ersten Video steht oft dabei, dass es KI oder ein Scherz ist.

Wer bestätigt das?Echte Regeln findet man auch bei Behörden, nicht nur in einem Video.

FAKTENCHECK

CORRECTIV.Faktencheck

30. September 2026

BEHÖRDE

Bildungsportal Niedersachsen

2026

BEHÖRDE

Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz

Ohne Datumsangabe

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Dr. Heinrich Krämer
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