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Startseite»Betrugsmaschen»Netanyahus Wohnung getroffen? Das Video ist alt
Betrugsmaschen

Netanyahus Wohnung getroffen? Das Video ist alt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 1, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Ein Video bei Nacht. Dunkle Hügel, ein greller Blitz, dann ein Feuerball. Seit dem 20. September 2026 wird es auf der Plattform X geteilt, zusammen mit einem dramatischen Text über Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu. Wer die Explosion sieht, glaubt schnell, was darunter steht. Genau darin liegt das Problem.

Italienischsprachiger Beitrag auf X vom 20. September 2026, der einen englischsprachigen Beitrag mit dem nächtlichen Explosionsvideo teilt. Beide behaupten einen iranischen Raketentreffer auf Netanyahus Wohnung. Kontonamen sind unkenntlich gemacht.
Ein italienischsprachiges Konto teilt den Beitrag eines englischsprachigen Kontos weiter. Kontonamen haben wir unkenntlich gemacht. Screenshot: X

Wo war dieses Video schon einmal zu sehen?

Facta, ein Faktencheck-Team aus Italien, hat sich das Video am 30. September genauer angesehen. Es fand dieselbe Explosion in älteren Beiträgen auf X und Facebook. Die frühesten stammen vom 23. Juni 2024. Damals hieß es, das Video zeige einen israelischen Angriff im Süden des Libanon. Ziel sei die Hisbollah gewesen, eine bewaffnete Gruppe im Libanon.

Wo genau die Aufnahme entstanden ist, konnte Facta nicht sicher klären. Für diesen Fall ist das auch nicht nötig. Es reicht zu wissen, wann das Video zum ersten Mal auftauchte.

Zwei Beiträge vom 23. Juni 2024 mit derselben nächtlichen Explosion: links auf X mit dem Text, Israel habe Hisbollah-Stellungen im Libanon angegriffen, unbestätigt; rechts auf der Facebook-Seite von TV Azteca Honduras mit dem Hinweis auf israelische Angriffe an der Grenze zum Libanon. Der Kontoname auf X ist unkenntlich gemacht.
Links ein Beitrag auf X, der den Angriff selbst als „unbestätigt“ bezeichnet. Rechts die Facebook-Seite eines Fernsehsenders aus Honduras. Den Kontonamen auf X haben wir unkenntlich gemacht. Screenshot: X, Facebook

Gab es den Angriff vielleicht trotzdem?

Das Video passt also nicht. Aber vielleicht stimmt die Nachricht ja trotzdem? Ein Treffer auf die Wohnung eines Regierungschefs wäre eine Weltnachricht. Israels Regierung und Medien auf der ganzen Welt würden darüber berichten. Facta fand bis zum 30. September keine einzige offizielle Bestätigung. Auch wir haben keine Meldung darüber gefunden.

Ganz aus dem Nichts kommt die Geschichte trotzdem nicht. Rund um Netanyahu ist manches wirklich passiert, anderes wurde erfunden. Ein Gerücht aus dem März hat Mimikama bereits geprüft.

Netanyahu: Was passiert ist – und was erfunden wurde

ist passiert
falsch

Juni 2024

Das Explosionsvideo taucht im Netz auf. Damals heißt es: ein Angriff im Libanon.

19. Oktober 2024

Eine Drohne aus dem Libanon trifft Netanyahus Haus in Caesarea. Verletzt wird niemand.

28. Februar 2026

Krieg zwischen Iran, Israel und den USA beginnt.

März 2026

Gerücht: Netanyahu sei getötet worden. Am 12. März spricht er live vor Journalisten.

20. September 2026

Das Video von 2024 wird als neuer Raketentreffer auf Netanyahus Wohnung geteilt.

Echte Ereignisse machen erfundene glaubwürdiger.

Quellen: Facta (30.9.2026), Mimikama (13.3.2026), NBC (Oktober 2024). Stand: 1. Oktober 2026.

Warum fällt man auf alte Videos so leicht herein?

Videos, die mit KI gemacht wurden, haben oft Fehler. Ränder verschwimmen, Bewegungen wirken falsch, Gebäude verbiegen sich. Ein altes, echtes Video hat solche Fehler nicht. Eine echte Explosion sieht eben aus wie eine echte Explosion. Die Lüge steckt nicht im Bild, sondern im Text darunter.

Dazu kommt der Schreck. Wer liest, dass ein Regierungschef angegriffen wurde, denkt sofort an einen größeren Krieg. Man teilt schnell weiter. Ob Bild und Text zusammenpassen, fragt in diesem Moment kaum jemand.

Wie alt ist ein Video? So findet man es heraus

Dafür braucht man kein Fachwissen. Ein Handy oder ein Computer reicht.

Zum Mitnehmen

In vier Schritten zum Alter eines Videos

1

Bild festhalten

Video an einer gut erkennbaren Stelle anhalten und ein Bildschirmfoto machen.

2

Bild hochladen

Das Foto bei Google Lens, der Bing-Bildersuche oder TinEye hochladen. Diese Seiten suchen nach demselben Bild im Netz.

3

Ältesten Treffer suchen

Nicht der bekannteste Treffer zählt, sondern der früheste.

4

Datum vergleichen

Ist das Video älter als das, was es zeigen soll? Dann ist es kein Beweis dafür.

MEDIUM

NBC Los Angeles

Oktober 2024

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Dr. Heinrich Krämer
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