Kapitalfluss fördernArgentinien vergibt Pässe für Investitionen
Argentinien durchlebt nach Amtsantritt von Präsident Milei eine starke Transformation. Einiges verbessert sich spürbar, in anderen Bereichen läuft es alles andere als gut. Um Investitionen zu generieren, bietet das Land nun Pässe als Gegenleistung an.
In Argentinien soll es künftig möglich sein, durch „relevante Investitionen“ die Staatsbürgerschaft zu erlangen. Ein entsprechendes Programm kündigte der argentinische Wirtschaftsminister Luis Caputo im Rahmen der „Argentina Week“ in Paris an, wie die Regierung des südamerikanischen Landes mitteilte.
Ab diesem Quartal könnten Anträge gestellt werden, hieß es. Vorgesehen seien zwei Mechanismen: die Leistung einer direkten und nicht erstattungsfähigen Einzahlung in Höhe von 350.000 US-Dollar (rund 311.000 Euro) an das argentinische Finanzministerium oder die Zeichnung eines eigens geschaffenen staatlichen Wertpapiers im Wert von 800.000 US-Dollar (rund 710.000 Euro).
Auch nahe Angehörige des Hauptantragstellers können ein Ansuchen stellen. Ehepartner sowie Kinder zwischen 18 und 25 Jahren, die unverheiratet und kinderlos sind, können die Staatsbürgerschaft demnach durch eine Einzahlung von 100.000 US-Dollar an das Finanzministerium beantragen. Bei Minderjährigen wird eine Einzahlung von 25.000 US-Dollar gefordert.
Die Anträge sollen den Angaben nach einem strengen Prüfungsverfahren unterzogen werden, das darauf abziele, „die nationale Sicherheit, die Integrität des Finanzsystems und das internationale Ansehen“ der argentinischen Staatsbürger zu wahren. Mit der Reform wolle man das Investitionsklima stärken und den Kapitalzufluss fördern. Das scheint notwendig, weil sich das Land bisher nicht nachhaltig positiv entwickelt.
Nach der langen Krise zuvor gelang es der Regierung des ultraliberalen Javier Milei zwar die Inflation massiv zu senken – von etwa 25 auf 3 Prozent. 2025 wuchs die Wirtschaft des Landes zudem um 4,4 Prozent – allerdings von einem geringen Niveau ausgehend. Zudem hatte die OECD sogar 5,2 Prozent prognostiziert. Darüber hinaus sei das Wachstum im Land sehr ungleich verteilt: Während die Landwirtschaft, der Bergbau und Finanzdienstleistungen sich positiv entwickeln, gibt es im Einzelhandel, produzierenden Gewerbe und auf dem Bau massive Probleme. Zudem bleibe der Konsum schwach, weil die Reallöhne sinken.
Die florierenden Branchen gleichen Arbeitsplatzverluste in schwächelnden Bereichen nicht aus. Seit Amtsantritt des Präsidenten sollen laut offiziellen Zahlen rund 240.000 sozialversicherungspflichtige Jobs verloren gegangen sein. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung arbeiten laut Konrad-Adenauer-Stiftung in informellen Jobs, zahlen also weder Steuern noch Sozialabgaben. Für 2026 geht die OECD von einem Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent aus.
