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NFL-Erkenntnisse Woche 4: Todesurteil nach vier Spielen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 5, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Nach vier Wochen in der NFL müssen scheinbar schon mehrere Mitfavoriten die Segel streichen. Die Patriots versuchen etwas Neues und die Giants erleben die volle „Jameis Winston Experience“.

Vier (Mit-)Favoriten schon am Abgrund

Nach vier Wochen in der NFL-Saison haben fünf Teams alle vier Spiele verloren. Darunter befinden sich auch drei Mannschaften, denen man zumindest mal Außenseiterchancen auf die Playoffs, wenn nicht sogar deutlich mehr zugetraut hatte – die Tennessee Titans und vor allem Miami Dolphins lassen wir mal außen vor. Da bleiben aber immer noch die Houston Texans, Los Angeles Chargers und Tampa Bay Buccaneers.

Allen dreien hätte man realistische Playoff-Chancen eingeräumt, vielleicht sogar deutlich mehr. Die Texans galten schon aufgrund ihrer Monster-Defense als Mitfavorit in der AFC, die Chargers immerhin als Contender im Westen der Conference. Und die Bucs hätten mindestens in der NFC South ein Wörtchen mitreden können. Rein statistisch war es das nun aber mit den Playoff-Hoffnungen dieser Teams.

Seit die NFL 2021 17 Spiele pro Team eingeführt hat, hat es noch kein Team geschafft, nach einem 0-4-Start die Playoffs zu erreichen. Mehr noch: In der Geschichte der NFL gelang es nur einem Team überhaupt, nach einem 0-4-Start die Playoffs zu erreichen. Das waren die San Diego Chargers der Saison 1992. Die starteten mit vier Pleiten am Stück und gewannen danach noch elf ihrer zwölf verbleibenden Spiele. Mit einer 11-5-Bilanz sicherten sie sich damals sogar noch den AFC-West-Titel. Schwer vorstellbar, dass dies in diesem Jahr jemand wiederholt.

Die Chargers spielen im Westen der AFC, wo die Chiefs mit 4-0 gestartet sind und wohl kaum so sehr regressieren können, um die Tür für die Chargers nochmal aufzustoßen – zumal auch die Raiders bei 3-1 stehen. Die Texans haben vor allem die 3-1-Jaguars vor sich, aber auch die Colts (2-2), gegen die man bereits verloren hat. Einzig die Bucs blicken auf eine halbwegs machbare Division, müssen jedoch wochenlang auf Quarterback Baker Mayfield verzichten, haben zudem einige weitere Verletzungen. Insofern sollte sich keines dieser Teams noch große Hoffnungen auf Playoffs machen.

Patriots greifen Maye unter die Arme

Die Diskussion in den stets hitzigen Bostoner Medien unter der Woche drehten sich neben Kritik am schwach in die Saison gestarteten Drake Maye vor allem an dessen Unterstützer auf und neben dem Platz. Im Mittelpunkt stand unter anderem Offensive Coordinator Josh McDaniels, der mit Quarterback-Legende Tom Brady sechs Super Bowls gewann. Seine Offense jedoch wirkte zuletzt zumindest mal angestaubt.

Beim 29:26-Comeback-Sieg über die Buffalo Bills, der die Saison der Patriots gewissermaßen gerettet hat – sie stehen nun bei 2-2, nur ein Spiel hinter den Bills -, war das nicht der Fall. In diesem Spiel zeigte McDaniels mit seinen Spielzügen einen deutlich moderneren Ansatz. Besonders auffällig: die Patriots nutzten Pre-Snap-Motion in 75,3 Prozent ihrer Plays. Das war laut Next Gen Stats der höchste Wert seit Woche 15 2023. In den ersten drei Wochen dieser Spielzeit waren es lediglich 56,1 Prozent.

Was das ist? Teams setzen vor dem Beginn des offensiven Spielzugs – Snap – einen Spieler in Bewegung, was etwa dafür sorgt, Zone oder Man Coverage der Defense zu identifizieren. Sprich: Geht ein zugeordneter Verteidiger mit dem Motion-Man mit, ist es ziemlich sicher Man Coverage, rührt sich keiner, darf man von Zone ausgehen. Ebenso kann man damit recht gut mögliche Blitzer identifizieren oder einfach für Verwirrung sorgen, wenn man etwa einen Spieler schnell von Seite zu Seite laufen lässt.

Unterm Strich ist es ein gutes Mittel, um dem Quarterback zu helfen. Das gilt auch für Play Action, also der angetäuschten Ballabgabe zu Running Back. Das sorgt beim Gegner dafür, das sich zum Beispiel der Safety nach vorne bewegt, um gegen einen Laufspielzug zu helfen. Wenn dann doch ein Pass kommt, ist die Mitte des Feldes meistens offen für einen langen Spielzug. New England nutzte PA in diesem Spiel in 35,7 Prozent seiner Dropbacks, was deutlich mehr als sonst ist.

Bills geben späte Führung gegen Patriots aus der Hand

Darüber hinaus waren seine Receiver dieses Mal auch Faktoren im Spiel. Seit A.J. Browns Verletzung im Eröffnungsspiel in Seattle stockte das Passspiel. Dieses Mal warf Maye für 269 Yards und fand sieben verschiedene Receiver für mindestens einen Catch. Besonders stark: Wide Receiver Romeo Doubs mit zwei Touchdowns und Efton Chism III mit dem dramatischen TD-Catch am Ende. Gerade Doubs glänzte bis hierhin hauptsächlich mit fallengelassenen Pässen. Er verschuldete auch dieses Mal eine Interception, war aber ansonsten stark.

Maye macht sein bislang bestes Spiel der Saison. Es war nicht perfekt, unterstrich jedoch, dass er die schlimme Anfangsphase der Saison hinter sich gelassen hat. Und das ist ein gutes Zeichen für die Patriots.

Willkommen zur Jameis Winston Experience!

So schade die schwere Verletzung von Jaxson Dart auch ist, beschert sie den Giants und uns Zuschauern immerhin die volle „Jameis Winston Experience“. Es ist wie eine wöchentliche Achterbahnfahrt, bei der alles möglich und auch sehr wahrscheinlich ist. Die Giants haben davon sicher schon gehört, aber das volle Spektrum dieses Wahnsinns erlebten sie erst am Sonntag gegen die Cardinals (36:24).

Winston ist ein Quarterback, der so ziemlich alle Würfe machen kann. Er hat einen starken und präzisen Arm, kann die verrücktesten Dinge machen. Aber es ist fast garantiert, dass er auch die dümmsten Entscheidungen treffen wird, die sich ihm bieten. Er wirft jede Menge YOLO-Pässe, von denen sicher einige ankommen, andere aber beim Gegner landen. In Woche 4 ging es gut für Big Blue, aber nicht ohne lange Zeit zu zittern.

Winston begann das Spiel mit 17 Punkten, darunter zwei Touchdown-Pässen. Doch noch vor der Pause warf er auch seine erste Interception, die Arizona nochmal Punkte bescherte. Zum Start der zweiten Hälfte folgte gleich die nächste Interception, aber eben auch ein weiterer Touchdown-Pass. Zum Schluss baute er schließlich die Führung seines Teams per Field-Goal-Drive aus, ehe die Defense die Partie nach Hause brachte.

Unterm Strich waren das drei Touchdown-Pässe und zwei Interceptions. In der gesamten Saison steht er damit bei 3/3. Zur Erinnerung: er ist der einzige Spieler, der das Kunststück vollbrachte, in derselben Saison für mindestens 30 Touchdowns und 30 Interceptions zu sorgen (2019). Seine Leistung gegen Arizona unterstrich, dass ihm dies tendenziell erneut zuzutrauen ist.

Verwendete Quelle: ntv.de

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