Die hohen Kraftstoffpreise bringen immer mehr Kunden zum Umschwenken auf Hybrid oder E-Auto. Auch der seit Jahresbeginn mögliche Zuschuss für einkommensschwächere Haushalte wirkt.
Auf dem Weg zum Autohaus ist Werner Tormann voller Vorfreude. Der Rentner aus saarländischen Eiweiler freut sich auf sein elektrisches Auto, das er heute bekommen soll. Im Juni hatte er es beim Händler bestellt, bei dem er auch sein altes Fahrzeug in Zahlung gibt.
Tormann hat nicht lange gerungen, denn die Vorteile überzeugten ihn: „Es ist bei dem heutigen Spritpreis eine Mordsersparnis. Und beim E-Auto kriegst du ja auch eine Prämie.“ Und dann sei da auch noch der Fahrkomfort – für ihn sei der wesentlich besser als beim Verbrenner. Auch mit der Reichweite von rund 400 Kilometer komme er super klar, erzählt der Renter, als er beim Händler das erste Mal in seinen neuen E-Vitara einsteigt und sich die technischen Details erklären lässt.
Auch gebrauchte E-Autos werden nachgefragt
In den Autohäusern fragen immer mehr Kunden nach Elektro-Fahrzeugen. Die E-Auto-Prämie von bis zu 6.000 Euro habe daran einen wichtigen Anteil, erklärt Verkaufsleiter Tobias Wehrmann vom Händler Dechent in Saarbrücken, als er dem Rentner zum neuen Fahrzeug auch noch einen Blumenstrauß überreicht.
Bis September wurden in Deutschland insgesamt rund 100.000 Fahrzeuge beim Neukauf mit der Prämie gefördert. Und die nach wie vor hohen Benzin- und Dieselpreise bringen immer mehr Kunden zum Umdenken. Verkaufsleiter Wehrmann beobachtet, dass auch bei den Gebrauchtwagen die Nachfrage nach E-Autos steigen, obwohl es keine Förderprämie gibt. Wichtig sei nun aber, dass sich die Händler selbst noch mehr mit E-Autos befassten.
Die Autobranche ist überrascht
Nur einige Fahrminuten entfernt lernen Auszubildende beim saarländischen Kraftfahrzeugverband, worauf es bei Reparaturen an Elektroantrieb ankommt. Verbandsgeschäftsführer Niklas Burmester hatte zunächst nicht mit einer starken Auswirkung der Neuauflage der E-Förderprämie durch die Bundesregierung gerechnet. Nun seien die Elektrofahrzeuge aber beim Kunden angekommen. „Den Effekt habe ich nicht erwartet, auch wenn nicht ganz klar ist, wie stark der Einfluss auf die Kaufentscheidung ist“, sagt Burmester.
Gerade im strukturschwachen Saarland kommt die E-Prämie sehr gut an. Zwar gibt es bisher erst eine Auswertung des zuständigen Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, BAFA. Aber die zeigt, dass pro Million Einwohner im Saarland 340 Förderanträge bewilligt wurden; deutlich mehr als in den anderen Bundesländern. In Bayern waren es zum Beispiel 290 oder in Thüringen 190, berechnet auf die Einwohnerzahl.
Wer profitiert besonders?
Werner Tormann ist inzwischen auf dem Weg nach Hause. Er will in den nächsten Tagen am PC in aller Ruhe online die Förderprämie beantragen. Der Rentner rechnet aber nicht mit der vollen Summe von 6.000 Euro, denn die gibt es für Familien mit nicht mehr als 45.000€ Verdienst und zwei minderjährigen Kindern. Ziel der Bundesregierung war es aber, einkommensschwächeren Haushalten E-Autos schmackhaft zu machen, also auch Rentnern mit niedriger Alterssicherung.
Die Kritik an der Förderprämie, dass vor allem Hersteller aus Asien davon profitierten, bestätigt sich aber bislang nicht, und das ist auch keine Überraschung für Niklas Burmester vom saarländischen Kfz-Verband: „Platz eins, unangefochten, ist der VW-Konzern“, sagt er. Die Kaufprämie habe natürlich den Markteintritt von chinesischen Herstellern befördert. Die Chinesen seien aber ohnehin da – nicht nur wegen der Kaufprämie, erklärt der Verbandsprecher.
E-Autofahrer Tormann ist überzeugt, dass es sich gelohnt hat, auch wenn er nicht die volle Förderprämie für sein neues Fahrzeug bekommt. Wie der Rentner aus Eiweiler werden bei den hohen Spritpreisen wohl in den kommenden Monaten noch mehr Kunden bei vollelektrischen Fahrzeugen zugreifen.
