KURZMELDUNG · NIEDERLANDE
Die Brille sieht wie ein gewöhnliches Ray-Ban-Modell aus. Kamera, Mikrofone und eine kleine Aufnahmeleuchte stecken im Gestell. Seit 2. Oktober 2026 verkauft Hans Anders die Meta-Brillen in den Niederlanden und Belgien nicht mehr – wenige Tage später wächst der Druck auf Meta weiter.
Der Consumentenbond hat die Kamerabrille nach mehreren Datenschutz-Updates von Meta getestet. Nach Angaben der niederländischen Verbraucherorganisation waren mit der Softwareversion 127 weiterhin Aufnahmen möglich, obwohl spezielle Aufkleber die Leuchte verdeckten. Meta erklärt dagegen, die Kamera werde deaktiviert, sobald das System eine verdeckte oder manipulierte Anzeige erkennt.
Auch eine funktionierende Leuchte löst das Problem nach Ansicht des Consumentenbond nicht vollständig. Bei Sonnenlicht oder aus größerer Entfernung sei sie teilweise schwer zu erkennen. Die Kamera könne Personen aus derselben Distanz dennoch deutlich aufnehmen.
Am 29. September forderte der Consumentenbond Meta formell auf, Design und Einstellungen innerhalb von zwei Wochen zu ändern. Andernfalls will die Organisation klagen. Am 5. Oktober berichtete DutchNews, dass auch die Opferhilfeorganisation Offlimits einen vorläufigen Verkaufsstopp verlangt. Ob es tatsächlich zur Klage kommt und weitere Händler folgen, ist offen.
Hans Anders gehört zum Optikkonzern Nexeye mit 776 Filialen in fünf Ländern. Der Verkaufsstopp betrifft nur die Niederlande und Belgien. In Deutschland, Österreich und Schweden hatte die Kette die Brillen laut Reuters bisher nicht angeboten. Ein allgemeines EU-Verbot für Meta-Kamerabrillen gibt es nicht. Die niederländische Datenschutzbehörde Autoriteit Persoonsgegevens weist aber darauf hin, dass Aufnahmen identifizierbarer Personen besonders bei Weitergabe oder Veröffentlichung nicht einfach ohne Zustimmung verwendet werden dürfen.
Mimikama warnte bereits im Jänner vor heimlichen Aufnahmen mit Smart-Brillen. Der Fall zeigt nun, warum die kleine Leuchte nicht nur ein technisches Detail ist: Anders als bei einem sichtbar ausgerichteten Smartphone bleibt für Umstehende leicht unklar, ob gerade gefilmt wird. Das betrifft auch Menschen, die selbst keine solche Brille besitzen, aber später ungefragt auf TikTok, Instagram oder anderen Plattformen auftauchen können.
Quellen
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