Ob Huthi-Miliz, jemenitische Regierungstruppen oder Saudi-Arabien – die Parteien im Jemen-Krieg sprechen oft von Schlägen und Erfolgen, bei denen unklar ist, was stimmt. Klar ist aber: Ein Ende des Kriegs ist nicht in Sicht.
Wenn Yahya Saree auftritt, dann sieht das aus wie ein Paradebeispiel für Propaganda. In einer mit vielen Orden geschmückten Tarnuniform vermeldet der Militärsprecher der Huthi regelmäßig die Erfolge seiner Miliz.
Sein Vortrag ist mit viel Nachdruck intoniert und doch monoton: Vom „saudischen Aggressor“ spricht er, durch dessen Angriffe Frauen und Kinder getötet worden seien, sowie von eigenen „Präzisionsschlägen“ auf saudisches Territorium.
Huthi verkünden Angriffe auf Riads Flughafen
Gestern verkündete er, dass die Huthi in Saudi-Arabien Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Aramco getroffen hätten, ebenso wie den internationalen Flughafen in Riad.
Saudi-Arabien bestätigte am Morgen Angriffe auf das eigene Territorium, nicht aber Schläge gegen den Flughafen in der Hauptstadt. Aktuellen Flugdaten zufolge verläuft der Verkehr dort weiterhin größtenteils nach Plan.
Huthi-Sprecher Yahya Saree hatte internationale Fluggesellschaften dazu aufgerufen, den saudischen Luftraum zu meiden: „Er ist zum Operationsraum für unsere Streitkräfte geworden – mit der Ausnahme des heiligen Luftraums über Mekka und Medina.“
Riad spricht von Huthi-Angriffen auf Mekka
In den vergangenen Wochen hat Saudi-Arabien mehrfach gemeldet, die Huthi hätten Mekka angegriffen. Der Versuch, Mekka mit einer Drohne anzugreifen, sei ein „schwarzer Fleck im Sündenregister“ der Huthi, heißt es in einer im saudischen Fernsehen verlesenen Nachricht.
Die mit Iran verbündeten Huthi, die sonst stolz jeden ihrer Schläge in Saudi-Arabien verkünden, dementierten vehement, die heilige Stadt angegriffen zu haben.
Die angeblichen Angriffe auf Mekka und Medina veranlassten Saudi-Arabien, seine Verbündeten zu aktivieren.
Was machen Türkei und Pakistan?
Nach einer Dringlichkeitssitzung in Riad erklärten Pakistan und die Türkei gestern, schnell Truppen und Militärgerät nach Saudi-Arabien zu entsenden. Die drei Staaten hatten sich Anfang August zu einem Bündnis mit dem Namen Mekka-Verteidigungspakt zusammengeschlossen.
Was auf die politische Willensbekundung in der Erklärung genau folgt, ist unklar. Details wurden nicht genannt. Pakistanische Truppen sind bereits jetzt in Saudi-Arabien stationiert.
Ob die Türkei mehr als Luftabwehrraketen und Militärberater schickt, gilt Experten zufolge als ungewiss. Der türkische Außenminister erklärte nach dem Treffen in Riad zudem, es sei beabsichtigt, die Probleme im Jemen durch Dialog und friedliche Mittel zu lösen.
Huthi-Gegner versuchen Rückeroberung
Im Jemen sieht aktuell allerdings wenig nach friedlicher Konfliktlösung aus. Mit der international anerkannten jemenitischen Regierung verbündete Milizen teilten in den Sozialen Medien Bilder von ihren Kämpfen gegen die Huthi-Miliz.
„Wir sind am Bab al-Mandab“, rufen sie dort – nach eigenen Angaben haben sie wichtige Orte in unmittelbare Nähe der Meerenge am südlichen Ausgang des Roten Meers zurückerobert.
Die vor wenigen Tagen gestartete Offensive habe ein großes Ziel, betonte ein Berater der von Saudi-Arabien unterstützten jemenitischen Regierung im Fernsehsender Al-Hadath: „Sie zielt darauf ab, den Putsch der Huthi rückgängig zu machen, alle Gebiete zurückzuerobern und die iranische Präsenz zu beenden.“
Mit einem schnellen Erfolg rechnen Experten jedoch nicht. Denn an einer anderen Kriegsfront rund um die Stadt Taizz haben die Huthi in den letzten Tagen offenbar Geländegewinne gemacht.

