Statt fünf waren es plötzlich 50 Grad: In der Nacht haben Hacker in mehreren Supermärkten die Kühlanlagen umgestellt. Große Mengen an Lebensmitteln mussten entsorgt werden. Ähnliche Cyberangriffe gab es auch in anderen Ländern.
Nach den jüngsten Hackerangriffen auf Kühlanlagen in europäischen Supermärkten sind nun auch Fälle aus Nordrhein-Westfalen und Bayern gemeldet worden. Betroffen sind zwei CAP-Supermärkte in Wuppertal und Wetter-Volmarstein (Ennepe-Ruhr-Kreis), ein Rewe-Supermarkt aus Raesfeld im Münsterland und eine Edeka-Filiale in Reisbach, Niederbayern.
In allen Supermärkten wurden die Kühlanlagen in der Nacht von Kühlen auf Heizen umgestellt. In der Folge mussten große Mengen an Lebensmitteln entsorgt werden.
Kühlregale und Lagerbereiche betroffen
Eine Bereichsleiterin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Betreiber der CAP-Märkte, bestätigte der Nachrichtenagentur dpa den Angriff in Wetter-Volmarstein. Es seien Kühlregale ebenso wie Lagerbereiche außerhalb betroffen. Der eigentliche Angriff sei auf die Firma erfolgt, die die Kühlanlagen aus der Ferne warte. Eine Schadenssumme sei noch nicht zu beziffern.
Der CAP-Supermarkt in Wuppertal schrieb bei Facebook: „Leider hat ein externer Zugriff am Wochenende dazu geführt, dass unsere Tiefkühl- und Kühlanlagen heute Vormittag zu warm waren.“
Kriminalpolizei ermittelt in Bayern
Der Betreiber der Edeka-Filiale in Niederbayern sagte dem Bayerischen Rundfunk, die Kühlanlagen des Supermarkts seien in der Nacht auf „50 Grad heizen“ umgestellt worden. Foodsharing habe „alles abgeholt, was noch irgendwie zu retten“ gewesen sei. Der Großteil der Ware habe aber entsorgt werden müssen.
Die Kriminalpolizei im bayerischen Landshut ermittelt laut dem Polizeipräsidium Niederbayern nach dem Vorfall in Reisbach wegen des Verdachts des Ausspähens von Daten und der Datenveränderung. Diese wird sich dabei nach Angaben eines Sprechers auch mit den Behörden in den anderen Ländern absprechen.
Hunderte Fälle in verschiedenen Ländern
Cyberkriminelle hatten in den vergangenen Tagen unter anderem auch in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden Kühlanlagen in Supermärkten gehackt und die Temperaturen umgestellt.
Vor drei Wochen waren in Hunderten Filialen der Supermarktketten Intermarché und Coopérative U die Kühlanlagen lahmgelegt worden. Sämtliche gekühlten und gefrorenen Waren mussten vernichtet werden. Zu den Attacken bekannte sich bisher niemand.
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach mit Blick auf die Vorfälle von einem „bewussten Versuch, unsere Lebensmittelkette zu unterbrechen und das Vertrauen der Verbraucher in sie zu untergraben“. Das wiederholte Auftreten dieser Cyberangriffe sei „zutiefst besorgniserregend“. Die Angriffe würden „sehr ernst“ genommen, erklärte Hansen weiter. Gleichwohl sei die Lebensmittelsicherheit in Europa derzeit nicht gefährdet.
