FAQ
Seit Freitag ist Stephen Miller neuer Stabschef von Präsident Trump. Der 41-Jährige gilt als rechter Hardliner und Kopf hinter der strikten Einwanderungspolitik. Welches Signal sendet Trump mit der Personalie an Republikaner und Demokraten?
Wer ist Stephen Miller?
Stephen Miller wuchs in einem jüdischen Elternhaus auf, seine Großeltern waren als Flüchtlinge in die USA gekommen. Nach Abschluss der High School studierte er Politikwissenschaften an der Duke University in North Carolina.
Schon während seiner Schulzeit begann Miller, konservative Ansichten zu entwickeln, die er in seiner Schul- und Studienzeit etwa durch Beiträge für Radiosender oder auch in Zeitungen öffentlich vertrat.
So protestierte er als Schüler öffentlich gegen die Verwendung spanischsprachiger Durchsagen an der Schule, wie die Rechercheplattform EBSCO berichtet. Als Student erlangte er mediale Aufmerksamkeit, als er mehrere Spieler einer Lacrosse-Mannschaft verteidigte, denen vorgeworfen wurde, eine schwarze Frau sexuell missbraucht zu haben. Die Anklage gegen die Spieler wurde später als unbegründet zurückgewiesen.
Nach seinem Abschluss an der Universität arbeitete Miller unter anderem für die republikanische Abgeordnete Michele Bachmann und den Senator Jeff Sessions, der während der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump in dessen Regierung zum Justizminister ernannt wurde.
2016 wechselte Miller ins Wahlkampfteam von Trump. Er schrieb die Reden des damaligen Präsidentschaftskandidaten, beriet Trump mit Blick auf die Einwanderungspolitik und Wirtschaft.
Nach dem Ende von Trumps erster Amtszeit gründete Miller 2021 die Organisation America First Legal. Die Organisation stellt sich gegen linksgerichtete Projekte und Einrichtungen, darunter Projekte zur Förderung von Gleichstellung und Diversität. Viele der von America Legal angeführten Ziele gleichen denen von Trumps MAGA-Bewegung („Make America Great Again“).
Nach seiner Wiederwahl ernannte Trump Miller 2025 zum stellvertretenden Stabschef im Weißen Haus. Infolge der herben Niederlagen für die Republikaner bei den Midterms kam es schließlich zum Wechsel – die bisherige Stabschefin Susie Wiles verlor ihren Posten, Miller rückte auf.
Der Posten des Stabschefs gilt als einer der wichtigsten im Weißen Haus. Er kontrolliert den Zugang zum Präsidenten, koordiniert Ministerien und entscheidet mit, welche politischen Vorhaben auf Trumps Schreibtisch landen.
Für welche politischen Ansichten steht Miller?
Der 41-Jährige gilt vor allem als rechter Hardliner und außergewöhnlich loyal zu Präsident Trump. Der Präsident selbst würdigte Miller als einen seiner „vertrauenswürdigsten Berater“ und als „großartigen Kämpfer“.
Miller soll vor allem Trumps strikte Migrationspolitik mitgeprägt haben. Er soll hinter vielen Maßnahmen stehen oder diese beeinflusst haben, darunter die Trennung von Migrantenfamilien an der US-Grenze oder die Einstellung fast aller US-Flüchtlingsprogramme.
Auch hinter den harten Razzien der Einwanderungsbehörde ICE wird Millers Einfluss vermutet. Er strebte zudem an, das per Verfassung verbriefte Geburtsrecht in den USA einzuschränken, doch das höchste US-Gericht schob der Regierung einen Riegel vor.
Extrem sind auch Millers außenpolitische Ansichten. Im Januar legte er in einem CNN-Interview dar, dass Grönland den USA zustehe – und dass er nicht an eine regelbasierte Weltordnung glaube. „Wir leben in einer Welt, in der man zwar viel über internationale Höflichkeiten reden kann, aber die reale Welt wird von Stärke, Gewalt und Macht bestimmt“, so Miller damals. „Das sind die eisernen Gesetze der Welt seit Anbeginn der Zeit.“
Welches Signal sendet Trump mit dem personellen Wechsel?
Zum einen wird mit dem Wechsel deutlich, dass Trump auch nach den Midterms und den Verlusten für seine Republikaner an seinem politischen Kurs und an seiner MAGA-Leitlinie festhalten will.
Bei den Zwischenwahlen hatten sich die Demokraten sowohl im US-Senat als auch im Repräsentantenhaus die Mehrheit sichern können. Selbst in republikanischen Hochburgen wie Kansas oder Texas fuhren die Demokraten Triumphe ein.
Innerparteilich hatte der Ausgang der Midterms in den Reihen der Republikaner auch eine Debatte über eine inhaltliche Neuausrichtung entfacht. Dem versucht Trump einen Riegel vorzuschieben und mit seiner Entscheidung für Miller Macht, Kontrolle und Stärke zu signalisieren.
Millers Wechsel vom stellvertretenden zum führenden Stabschef wird von Politikexperten auch als Kampfansage an die Demokraten gewertet. Der Publizist Chris Whipple sprach gar von einer „Kriegserklärung“, die klar mache, dass Trump eine Zusammenarbeit mit der künftigen demokratischen Mehrheit im Kongress ablehne.
Wie reagieren die Demokraten auf den neuen Stabschef?
Mit massiver und deutlicher Kritik. Der demokratische Minderheitsführer im US-Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, beschrieb Miller als „gefährlichen Ausländerfeind und rücksichtslosen Extremisten, der amerikanisches Blut an den Händen hat“. Der demokratische Senator Chuck Schumer bezeichnete den neuen Stabschef als „Architekten der barbarischsten, unmenschlichsten Maßnahmen dieser Regierung“. Die Demokraten würden sich ihm „auf jedem Schritt des Weges entgegenstellen“.
Auch der Abgeordnete Adam Smith prangerte den Personalwechsel an. „Das zeigt, dass Trump nicht verstanden hat, was am Wahltag passiert ist: eine Ablehnung auf ganzer Linie von Trump, seiner MAGA-Bewegung und ihrer Politik“, so Smith.
Doch auch vonseiten der Republikaner gibt es kritische Stimmen. Der republikanische Abgeordnete Don Bacon sagte bei ABC, Millers Migrationskurs sei für die Wahlniederlage der Republikaner mitverantwortlich. Und dahinter steckte Stephen Miller. „Also: keine weise Personalentscheidung“, bilanzierte Bacon.
Wird über weitere Wechsel in Trumps Umfeld spekuliert?
Ob noch weitere Posten neu besetzt werden, ließ Trump bislang offen. In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem Sender CBS News sagte er lediglich, er werde in seiner Regierung „vielleicht ein paar Änderungen“ vornehmen, wolle aber noch nicht sagen, wer gehen müsse.
Trotzdem wird in US-Medien spekuliert, wer eventuell noch um seinen Posten bangen muss oder gar selbst einen Wechsel erwägen könnte. Genannt werden etwa Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio. Während letzterer die Spekulationen aber wiederholt als unbegründet zurückgewiesen hatte, veröffentlichte Vance keine 24 Stunden nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse der Midterms überraschend einen kritischen Beitrag auf der Plattform X. Darin bezeichnete er den Krieg gegen Iran als Hauptursache für den Wahlausgang – ein klarer Seitenhieb gegen Trumps politischen Kurs.
Die Auswirkungen des Iran-Krieges wie die gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel hatten sich bereits vor den Midterms in den immer weiter sinkenden Umfragewerten für Trump und seine Republikaner widergespiegelt. Ein Grund, warum in Medien nun auch über die politische Zukunft von Verteidigungsminister Pete Hegseth gemunkelt wird. Trump stellte sich allerdings auch nach den Midterms öffentlich hinter seinen Verteidigungsminister.
Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD Washington, und Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP
