Attacke mit sechs TotenSchütze in Krakau war von „rechtsextremen Ideologien fasziniert“
Nach der tödlichen Attacke auf dem Krakauer Hauptmarktplatz durchsucht die Polizei das Wohnhaus des festgenommenen Schützen. Polens Innenminister spricht von Hinweisen auf eine rechtsextreme Gesinnung.
Bei dem schlimmsten Schusswaffenvorfall in Polen seit mehreren Jahrzehnten sind in der historischen Altstadt von Krakau sechs Menschen getötet worden. Rund ein Dutzend Menschen sei verletzt worden, teilte die Polizei in der zweitgrößten Stadt Polens mit. Der mutmaßliche Schütze sei von Polizisten „neutralisiert“ und in ein Krankenhaus gebracht worden.
Der Mann war nach Angaben von Polens Innenminister Marcin Kierwinski von „rechtsextremen Ideologien fasziniert“. Darauf deute „alles“ hin, sagte Kierwinski am Abend bei einem Besuch in Krakau. Die Durchsuchung seines Wohnhauses dauere an. In seinem Wagen seien weitere Waffen gefunden worden. Eine Polizeisprecherin sagte, bei dem polnischen Staatsbürger handele es sich um einen Einzeltäter.
Gegen 15 Uhr sei ein Mann „mit einem Auto auf den Hauptmarktplatz von Krakau gerast“ und habe „begonnen, wahllos auf Passanten zu schießen“, schilderte ein Polizeisprecher die Tat. Im Onlinedienst X teilte die Polizei mit, bei den Toten handele es sich um vier Frauen und zwei Männer. Unter den Verletzten waren laut einer Erklärung der Polizei auch Polizisten. Im Sender TVN24 sagte eine Polizeisprecherin, im Wagen des 24-jährigen Mannes seien weitere Waffen und große Mengen Munition gefunden worden.
Eine Reporterin sah zahlreiche Kranken- und Polizeiwagen in der bei Touristen aus aller Welt beliebten Innenstadt, Hubschrauber flogen über den Tatort. Der bei in- und ausländischen Touristen beliebte Krakauer Hauptmarkt wurde weiträumig abgesperrt.
„Es ist eine Tragödie für Krakau, wir haben so etwas noch nie erlebt“, sagte eine Augenzeugin. Die im Süden des Landes gelegene Stadt war einst Hauptstadt Polens. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Stadtverwaltung 16,2 Millionen Besucher.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk begab sich nach Angaben eines Sprechers am Abend auf den Weg nach Krakau. Tusk hatte zuvor im Onlinedienst X von einem „tragischen“ Vorfall geschrieben. Er richtete einen „eindringlichen Appell an Politikerinnen und Politiker aller Lager“, diese Tragödie nicht „zu einem Instrument politischer Spielchen“ zu machen. Auch Innenminister Marcin Kierwinski reiste nach Krakau.
Merz zeigte sich bei X „tief betroffen“
Tusks Gegenspieler, der konservativ-nationalistische Präsident Karol Nawrocki, erklärte bei X, er sei „extrem beunruhigt“ und stehe „in Kontakt mit den zuständigen Behörden“. Er warte auf eine „vollständige Erklärung der Umstände dieser dramatischen Ereignisse“. Die Sicherheit der Polen habe „oberste Priorität“.
Justizminister Waldemar Zurek schrieb auf X, „Staatsanwälte, Polizei und alle zuständigen Dienste“ seien „am Tatort im Einsatz“. Die Behörden würden „sicherstellen, dass der Täter dieses Verbrechens voll zur Rechenschaft gezogen und streng bestraft wird“. Angaben zu möglichen Motiven des Schützen machte die Polizei zunächst nicht.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der französische Präsident Emmanuel Macron und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni gehörten zu den Staats- und Regierungschefs, die kondolierten. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich bei X „tief betroffen“. Er fügte hinzu: „Deutschland steht als Freund und Partner in diesen schweren Zeiten an der Seite Polens.“ Auch Außenminister Johann Wadephul schrieb dort, Deutschland stehe „in Solidarität mit Polen“.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach bei X von einer „Tragödie“. „In diesem Moment der Trauer ist Polen nicht allein“, versicherte sie. Die „Auswirkungen“ dieses Ereignisses werden „weit über die Grenzen Polens hinaus zu spüren sein“.
Schusswaffenangriffe sind in Polen selten. Das Land war in erhöhter Alarmbereitschaft, nachdem es im Oktober eine Serie von Messerangriffen gegeben hatte, die Tusk damals als Teil eines „Kults der Gewalt“ verurteilt hatte, der sich in Onlinenetzwerken verbreitet hatte.
Das EU- und Nato-Mitglied Polen hat eine gemeinsame Grenze mit der Ukraine, die sich seit mehreren Jahren gegen den russischen Überfall auf ihr Land wehrt. Womöglich auch vor diesem Hintergrund steigt die Zahl der Waffen im Land kontinuierlich. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Polizei mehr als 50.000 neue Waffenscheine erteilt.
