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Betrugsmaschen

Ist der Trump-Post über Friedrich Merz echt?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 6, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Der Screenshot taucht meist ohne Link, ohne Archiv und ohne zweite Quelle im Feed auf. Man sieht nur das Bild und die Behauptung, es stamme von Trump selbst.

Angeblicher Trump-Post über Friedrich Merz auf Truth Social
Angeblicher Trump-Post über Friedrich Merz auf Truth Social

Der Beitrag ist nach allem, was vorliegt, kein echter Post von Donald Trump. Es gibt keinen belastbaren Originalnachweis. Dazu kommen Abweichungen zum echten Erscheinungsbild sowie immer identische Interaktionszahlen im Umlauf.

„In Germany they say ‚MERZ, LICK EGGS‘. His country doesn’t like him. Friedrich is a bad leader. Maybe even WORSE than Angela. We tried to help Germany. NO MORE! NO MORE US soldiers in Germany. NO MORE German cars. Germany is very poor now. Very bad. POOR FRIEDRICH! Maybe we should take over like we did in Venezuela. Thank your for your attention to this matter.“

Text des Screenshots

Ein Originalbeleg fehlt vollständig

Der erste Prüfpunkt ist simpel: Wo ist das Original? Bei einem echten Post eines amtierenden US-Präsidenten gäbe es normalerweise mehr als nur ein einzelnes Bild. Man würde Zitate, Einbettungen, Archivspuren, Medienberichte oder wenigstens voneinander abweichende Screenshots sehen.

Hier passiert das Gegenteil. Verbreitet wird immer derselbe Screenshot. Immer derselbe Zeitstempel: 10:24. Immer dieselbe Zahl bei den Kommentaren: 1872. Immer dieselbe Zahl bei Reposts oder Teilungen: 83607. Immer dieselbe Like-Zahl: 1,4 Millionen.

Das ist untypisch. Echte virale Beiträge werden in verschiedenen Momenten gesichert. Dann ändern sich Uhrzeitdarstellung, Zuschnitt, Auflösung und vor allem die Interaktionszahlen. Wenn über viele Posts hinweg nur dieselbe eine Version kursiert, spricht das eher für eine einmal erzeugte Grafik als für einen echten Beitrag.

Das Layout weicht vom echten Screenshot ab

Der Vergleich mit echten Screenshots von Trumps Truth-Social-Account stützt den Verdacht. Neben dem rosa Verifikationshäkchen ist auf diesen Screenshots auch das Abzeichen für „Truth+ Premium“ zu sehen. Im kursierenden Fake fehlt dieses Detail.

Noch aufschlussreicher ist der direkte Gegencheck mit den tatsächlichen Merz-Beiträgen, die Trump zuletzt veröffentlicht hat. In den echten Screenshots sind Aufbau, Datumsdarstellung, Interaktionszeile und Kennzeichnungen konsistent. Der virale Screenshot übernimmt zwar die grobe Optik, lässt aber genau solche plattformeigenen Details aus.

Vier echte Screenshots von Trumps Account zeigen scharfe Kritik an Merz, aber nicht den viral verbreiteten Wortlaut mit „MERZ, LICK EGGS“.

Die echten Truth-Social-Screenshots von Trumps Account zeigen das „Truth+ Premium“-Symbol und andere konsistente Plattformdetails. Der virale Fake übernimmt nur die grobe Optik.
Die echten Truth-Social-Screenshots von Trumps Account zeigen das „Truth+ Premium“-Symbol und andere konsistente Plattformdetails. Der virale Fake übernimmt nur die grobe Optik.

Allein das wäre noch kein Endbeweis. Plattformoberflächen können sich ändern, und Darstellungen können je nach Gerät leicht abweichen. In der Gesamtschau ist es aber ein weiteres Indiz. Wer einen Screenshot fälscht, trifft oft die große Optik, aber nicht jede kleine Kennzeichnung.

Dazu kommt der Gesamteindruck des geteilten Bildes. Es wirkt wie ein sauber gebauter Social-Screenshot, der Echtheit simulieren soll. Profilbild, Handle, Häkchen, Uhrzeit und hohe Reichweitenzahlen genügen oft, damit viele Nutzer nicht mehr nach einem Original fragen.

Der Satz klingt absichtlich plausibel

Der Text ist so gebaut, dass er gerade noch glaubhaft wirkt. Er ist überzogen, aber nicht völlig losgelöst von dem, was viele Trump rhetorisch zutrauen. Genau das zeigt sich auch in zahlreichen Kommentaren.

Hinzu kommt die Formulierung „MERZ, LICK EGGS“. Sie wirkt nicht wie ein spontaner englischer Satz, sondern wie der Einbau eines deutschen Protest- oder Memespruchs in einen Trump-artigen Text. Die Anspielung auf „Merz leck Eier“ ist dabei kaum zu übersehen. Das wirkt nicht authentisch, sondern konstruiert.

Der Fake erfindet also keinen völlig neuen Trump-Stil. Er nimmt bekannte Elemente: Großbuchstaben, Abwertung, nationale Drohung, persönliche Spitze. Dann mischt er ein lokales Meme hinein. So entsteht ein Text, den viele zwar seltsam finden, aber eben nicht sofort für unmöglich halten.

Reale Konflikte helfen dem Fake

Der Screenshot verbreitet sich auch deshalb so gut, weil er an reale Spannungen anknüpft. Trump hat sich in echten Beiträgen bereits scharf über Friedrich Merz und Deutschland geäußert. Genau das senkt die Schwelle, einen weiteren drastischen Post zumindest kurz für denkbar zu halten.

Damit arbeitet der Fake sehr gezielt. Er braucht keine perfekte Fälschung. Er braucht nur einen Tonfall, der nah genug am Erwartbaren liegt. Den Rest ergänzt das Publikum selbst.

Die Lage ist deshalb recht klar: kein Original, nur ein immer identischer Screenshot, feste Interaktionszahlen, ein auffälliger Unterschied zum echten Account-Layout und ein Text, der eher wie ein gebautes Meme im Trump-Stil wirkt. Viral wird so etwas schnell. Echt wird es dadurch nicht.

FAQ zum Thema: Donald Trump und Friedrich Merz

Hat Donald Trump das wirklich über Friedrich Merz gepostet?

Nein. Für diesen konkreten Wortlaut gibt es keinen belastbaren Nachweis. Im Umlauf ist nur ein immer gleicher Screenshot ohne verifizierbares Original.

Woher stammt die Formulierung „MERZ, LICK EGGS“?

Sehr wahrscheinlich ist das eine Anspielung auf das deutsche Protest- und Meme-Motiv „Merz leck Eier“. Im viralen Bild wurde diese Formulierung in einen Trump-artigen Text eingebaut.

Wie prüft man solche Trump-Screenshots im Internet?

Zuerst sucht man nach dem Originalpost oder nach belastbaren Archivspuren. Danach vergleicht man mehrere Screenshots, Interaktionsstände und Layoutdetails. Wenn überall nur dieselbe eine Bilddatei kursiert, ist das ein starkes Warnsignal.

MEDIA

Deutsche Welle

6. Mai 2026

Du hast diesen Fall jetzt geprüft gesehen.
Aber täglich fallen Tausende auf solche Maschen herein – oft Menschen, die du kennst.
Wir prüfen jeden Tag neue Fälle. Damit weniger Leute darauf reinfallen.

Was passiert, wenn solche Inhalte nicht erkannt werden?

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Seit über 15 Jahren. Unabhängig. Ehrenamtlich.

Claudia lächelt freundlich in einem hellen Raum.

Claudia Spiess

Claudia Spiess ist Redakteurin und Designerin bei Mimikama,
Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Sie verbindet
journalistische Sorgfalt mit visueller Kommunikation und trägt
zur verständlichen Aufbereitung von Faktenchecks bei.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)

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Dr. Heinrich Krämer
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