Unverzichtbare Basisöle fehlenMotoröl-Knappheit könnte Autobauer und ÖPNV lahmlegen

Der Iran-Krieg hat viele Lieferketten gestört. Nicht nur Kraftstoffe werden teuer und teilweise knapp. Wenig Beachtung findet bislang, dass sogenannte Basisöle in Deutschland fehlen. Doch die Folgen könnten dramatisch werden.
Nicht nur Kraftstoffe wie Diesel und vor allem Kerosin werden infolge des Iran-Kriegs in vielen Teilen der Welt knapp. Deutsche Autohersteller spüren auch bereits einen Mangel an Motorölen, die sie für die Auslieferung von Neuwagen benötigen. Nach Angaben der Agentur Argus Media, die Märkte für Rohstoffe und andere Güter beobachtet, können einige Autobauer ihren Bedarf an hochwertigen Basisölen der Gruppe III nicht mehr decken. Aus diesen Basisölen werden durch Beimischung verschiedener Zusätze Motoröle hergestellt, die die Hersteller für die Erstbefüllung von Motoren benötigen.
Die Unternehmen suchten derzeit dringend nach neuen Bezugsquellen. Andernfalls könnte es zu Einschränkungen der Produktion von Verbrennerfahrzeugen kommen. „Sollten die Automobilhersteller – wie zu erwarten ist – keine Lösung finden und sich die Situation in absehbarer Zeit nicht entspannen, werden die Produktionsmengen reduziert werden müssen“, sagt die Expertin für Basisöle bei Argus Media, Gabrielle Twinning. Dramatisch könnten auch die Folgen eines drohenden Mangels für Basisöle der Gruppe II werden. Darauf basierende Motoröle sind für die gesamte Transportbranche – für die Busse des ÖPNV ebenso wie für Lkw und damit nahezu alle Lieferketten – lebenswichtig.
Hintergrund der Probleme ist die inzwischen seit mehr als zwei Monaten andauernde Blockade der Straße von Hormus infolge des Iran-Kriegs. Duch die Meerenge wird in normalen Zeiten nicht nur rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssiggases transportiert, sondern auch erheblicher Mengen verarbeiteter Öl- und anderer chemischer Produkte. Dazu gehören unter anderem Kerosin, Helium für die Halbleiterproduktion, Mineraldünger und Basisöle.
Während die Autohersteller für die Motoren ihrer Neuwagen sogenanntes synthetisches Motoröl auf der Grundlage von Basisölen der Gruppe III. Im Transportwesen werden bei Bussen und Lkw hauptsächlich einfachere Öle, die aus Gruppe-II-Basisölen hergestellt werden, verwendet. Auch Großhandelspreise für diese Gruppe sind bereits stark gestiegen.
In normalen Zeiten werden diese Basisöle für den europäischen Markt teils in Europa hergestellt, teils aus Asien importiert. Derzeit sind nicht nur die Lieferungen aus asiatischen Raffinieren zurückgegangen, da dort wiederum Lieferungen des benötigten Rohöls aus der Golfregion zurückgegangen sind. Da in Asien teilweise höhere Preise erzielt werden, priorisieren auch europäische Hersteller derzeit asiatische Kunden.
Im schlimmsten Fall, warnt Argus-Media-Expertin Twinning, könnte ein Mangel „an hochwertigen Basisölen innerhalb weniger Monate zu schwerwiegenden Störungen in der gesamten Logistikbranche führen, da sie für Motoröle für Nutzfahrzeuge unverzichtbar sind“. Davon wären sowohl die Busse der öffentlichen Verkehrsmittel als auch der Lkw-Verkehr betroffen.