Im August 2019 starb der Sexualstraftäter Epstein in seiner Gefängniszelle. Nun ist ein Schreiben aufgetaucht, das von ihm stammen soll. Es könnte die offizielle Todesursache des Suizids stützen.
Im Fall des gestorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein hat ein US-Gericht einen Brief veröffentlicht, der von Epstein selbst stammen soll. Der mutmaßliche Abschiedsbrief könnte die offizielle Todesursache untermauern. Der damals 66-Jährige soll sich in seiner Gefängniszelle umgebracht haben.
Zuerst hatte die New York Times über das Schreiben berichtet und bei dem Gericht um dessen Freigabe ersucht. Der Richter gab dem Antrag nun zwar statt, bürgte aber weder für die Echtheit des Briefes noch bewertete er dessen Herkunft.
Es kann nicht unabhängig geprüft werden, ob das Schreiben tatsächlich von Epstein stammt. Das Schreiben erwähnt weder seinen Namen noch ist es unterschrieben. Bislang war das Dokument nicht Teil der Untersuchungen des US-Justizministeriums.
Das Schreiben ist nicht unterzeichnet. Seine Echtheit kann nicht unabhängig verifiziert werden.
Früherer Zellengenosse soll Schreiben gefunden haben
Gefunden haben soll den Brief ein ehemaliger Zellengenosse Epsteins – nach einem ersten Suizidversuch Epsteins im Juli 2019. Der Mitinsasse habe das Schreiben seinen Anwälten gegeben, um Vorwürfe zu entkräften, er habe Epstein angegriffen. In dem nicht unterzeichneten Schreiben heißt es:
Sie haben mich monatelang untersucht – NICHTS gefunden!!! Also führten 15 Jahre alte Anklagen dazu. Es ist ein Vergnügen, den Zeitpunkt des Abschieds selbst wählen zu können. Was soll ich denn tun – in Tränen ausbrechen!! KEIN SPASS – LOHNT SICH NICHT!!
Epstein hatte über Jahre einen Missbrauchsring betrieben, dem zahlreiche junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Vor fast 20 Jahren kamen erste Vorwürfe vor Gericht und Epstein bekannte sich teils schuldig. Jahre später wurde der Fall neu aufgerollt und der Multimillionär wieder festgenommen. Noch bevor ein mögliches weiteres Urteil gefällt werden konnte, starb der Finanzier im August 2019.
Wer war Jeffrey Epstein?
Jeffrey Epstein war ein US-amerikanischer Finanzmanager und Multimillionär, der vor allem durch den Aufbau eines massiven Missbrauchsnetzwerks bekannt wurde. Er wurde 1953 in Brooklyn, New York, geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Epsteins Eltern gehörten der Mittelschicht an. Sein Vater arbeitete für die Stadt New York, seine Mutter war Hausfrau.
Nach einem Studium ohne Abschluss arbeitete Epstein in den 1970er-Jahren als Lehrer an einer Elite-Privatschule in Manhattan. Über Kontakte wechselte er später in den Finanzsektor. Dort machte er rasch Karriere, zunächst bei einer Investmentbank. Wie genau er sein Vermögen aufbaute, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Bekannt ist, dass er als Vermögensverwalter für wohlhabende Kunden tätig war. Er pflegte einflussreiche Netzwerke zu Spitzenpolitikern, Unternehmern, Wissenschaftlern und Prominenten.
Zu seinem Besitz gehörten mehrere Luxusimmobilien, darunter auch eine Privatinsel auf den Virgin-Islands, bekannt als „Little Saint James“. Nach Aussagen von Opfern soll die Insel ein zentraler Ort für die sexuellen Übergriffe gewesen sein. Eine wichtige Rolle dabei spielte Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell, die ihm half, junge Frauen und Minderjährige für ihn anzuwerben, zu kontrollieren und zu missbrauchen.
Bereits in den 1990er-Jahren gab es erste strafrechtliche Beschwerden gegen Epstein wegen sexueller Übergriffe. 2008 wurde er als Sexualstraftäter verurteilt. Er hatte sich vor einem US-Gericht unter anderem schuldig bekannt, eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet zu haben. Er erhielt eine 18-monatige Haftstrafe, von der er etwa 13 Monate verbüßte. Durch einen umstrittenen Deal konnte er die meiste Zeit davon außerhalb des Gefängnisses verbringen.
2019 wurde Epstein wegen schwerer Vorwürfe erneut verhaftet. Kurz danach wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.
