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Startseite»Politik»Verliert Labour seine Hochburgen – an rechts und links?
Politik

Verliert Labour seine Hochburgen – an rechts und links?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 7, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 07.05.2026 • 08:05 Uhr

Schottland und Wales wählen heute neue Regionalparlamente, und auch in vielen englischen Gemeinden wird gewählt. Der britische Premier Starmer dürfte besorgt sein – denn für seine Labour-Partei sehen die Umfragen trüb aus.

Christoph Prössl

Der Ort Treorchy liegt malerisch eingebettet in die hügelige Landschaft von Süd-Wales. Dunkle Steinhäuser säumen die Straßen. Hier gibt es keine Prunkbauten, eher Reihenhäuser. Der Süden von Wales ist ehemalige Bergbauregion, doch Steinkohle wird hier schon lange nicht mehr gefördert.

In der Hermon-Kirche proben die Mitglieder des örtlichen Chors. Es ist ein Männerchor, für diese Region so typisch. Diese Vereinigungen haben eine stolze Geschichte: Hier spiegelt sich die Tradition der Gegend – viele der Sänger haben selbst unter Tage gearbeitet.

Eigentlich ist der Süden von Wales eine traditionelle Hochburg der sozialdemokratischen Labour-Partei. Die Politik steht bei den Proben des Chors nie im Mittelpunkt, aber wenn man nachfragt, hört man eine Enttäuschung heraus.

Hält die Wahl eines Labour-Kandidaten – anders als früher – nicht mehr für selbstverständlich: Chor-Mitglied Roger.

Von Labour zur Unabhängigkeits-Partei?

Roger, der schon seit 52 Jahren hier singt, kritisiert: Nach ihrem Sieg bei der britischen Parlamentswahl 2024 habe die Regierung in London als erstes die Heizkostenzuschüsse gestrichen. Das habe die Rentner und ehemaligen Arbeiter getroffen. „Da hat Labour Boden verloren“, sagt Roger. Ein anderer Sänger fügt schmunzelnd an: „Jahrelang konnte Labour einen Esel aufstellen, der wurde trotzdem gewählt.“

Diese Zeit scheint nun definitiv vorbei zu sein. In den Umfragen für die Wahl zum Regionalparlament von Wales führen die beiden Parteien Reform UK und Plaid Cymru. Plaid Cymru tritt nur in Wales an, ist sozialdemokratisch geprägt und fordert die Unabhängigkeit dieses Landesteils.

In einer Koalition mit Labour könnte Plaid Cymru nach den Wahlen den First Minister stellen, grob vergleichbar mit einem Ministerpräsidenten in Deutschland. Dieses Amt war seit dessen Einführung in Wales 1999 durchgehend von einem Labour-Politiker besetzt.

Reform UK macht Wahlkampf mit Migration

Francesca O’Brien macht Haustürwahlkampf in Swansea, der zweitgrößten walisischen Stadt. Die 38-Jährige kandidiert für Reform UK, möchte in den Senedd einziehen, das Parlament von Wales in Cardiff. Zusammen mit Helfern geht sie von Haus zu Haus, klopft an die Türen, wirft Flyer ein.

Wo ihnen geöffnet wird, entstehen Gespräche. Georgina hat immer Labour gewählt, doch diesmal ist sie unsicher. Die Busfahrerin macht sich Sorgen um die Sicherheit in der Nachbarschaft. Sie lebt allein. Und dann sind da noch die Lebenshaltungskosten. Oft müsse sie sich die Frage stellen: Gehe ich einkaufen oder mache ich die Heizung an?

Francesca O’Briens Partei setzt im Regionalwahlkampf vor allem auf das Thema Migration.

Nach mehreren Gesprächen in diesem Viertel fasst O’Brien zusammen, dass hier in der Gegend drei Migranten „schreckliche Straftaten“ begangen hätten. So könne es nicht weitergehen. „Deswegen ist diese Wahl für viele auch ein Referendum zum Thema Migration.“

Reform-UK-Parteichef Nigel Farage macht mit diesem Thema seit Monaten Wahlkampf. Er und seine Partei versprechen, die Überfahrten über den Ärmelkanal zu stoppen und Personen ohne Bleiberecht zurückzuführen. Dies ist eigentlich kein Thema für das Regionalparlament in Wales. Trotzdem sieht es danach aus, dass die Unzufriedenheit über die Regierung des britischen Premiers Keir Starmer dazu führen könnte, dass Labour massiv Stimmen einbüßen wird.

Zugewinne für SNP und Reform in Schottland?

Das könnte auch in Schottland passieren. Den Umfragen zufolge legt hier allerdings die Schottische Nationalpartei (SNP) zu, die eher Mitte-links zu verorten ist aber auch für Unabhängigkeit steht.

Es ist auffällig, dass ein Ergebnis dieser Wahlen sein könnte, dass ausgerechnet die Parteien gut abschneiden werden, die aus dem Vereinigten Königreich austreten wollen. Die Regierung in London ist vielen Briten außerhalb Englands offenbar suspekt und scheint für sie weit weg zu sein.

Auch Reform UK dürfte in Schottland gut abschneiden. Aber wahrscheinlich, so die Umfragen, nicht als stärkste Kraft.

Aufwind auch für die Grünen in England

Bei den Gemeinderatswahlen in England ist das anders. Hier dürfte Labour vor allem von den Kandidatinnen und Kandidaten von Reform UK und den Grünen aus den Ämtern gedrängt werden. Die Grünen sind seit Monaten im Aufwind, unter anderem wegen ihres neuen Parteichefs Zack Polanski. Der Grüne ist charismatisch und schlägt durchaus populistische Töne an.

Viele traditionelle Labour-Wähler, die eher links stehen, wählen mittlerweile grün, weil die Sozialdemokraten unter Starmer ihnen zu weit „rechts“ stehen. Dabei spielen Themen wie Energiepolitik, Vermögenssteuer und die Israelpolitik eine entscheidende Rolle und damit Fragen von überregionaler Bedeutung. Das heißt nicht, dass regionale Themen – wie Transport, Wohnungsbau, Bildung oder Gesundheitsdienst – irrelevant sind, aber diese Wahl ist durchaus ein bedeutender Stimmungstest für Premier Starmer.

Innerhalb seiner Partei gibt es bereits Bestrebungen, ihn an der Spitze abzulösen und einen neuen Premier zu bestimmen. Starmer jedoch gilt als Kämpfer, der nicht so leicht aufgibt – trotz der verheerenden Zustimmungswerte. Dabei bekommt er sogar von einem ehemaligen Tory-Premier Rückendeckung, der sich um die politische Kultur im Land Sorgen macht: So warnte John Major vor einem Wechsel an der Spitze – Politik sei schließlich keine Game-Show.

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