Wegen einer Störung im System der Flugsicherung sind in Großbritannien weit über 1.000 Flüge ausgefallen, auch heute kommt es noch zu zahlreichen Ausfällen und Verspätungen. Mehrere Airlines äußerten scharfe Kritik an der Flugsicherung.
Eine technische Störung bei der britischen Flugsicherung National Air Traffic Services (NATS) hat zu Behinderungen und weit mehr als 1.000 Flugausfällen an mehreren großen Flughäfen in Großbritannien geführt – und sorgt für massive Kritik mehrerer Airlines. Ein Anbieter kritischer nationaler Infrastruktur dürfe das Luftfahrtsystem nicht wiederholt zum Stillstand bringen, erklärte etwa ein Sprecher der Billigfluggesellschaft Wizz-Air. „NATS ist in seiner jetzigen Form einfach nicht zweckmäßig.“
Ryanair-Betriebschef Neal McMahon forderte laut der britischen Nachrichtenagentur PA gar den Rücktritt von NATS-Chef Martin Rolfe. Nach dem Zusammenbruch 2023 sei den Airlines versprochen worden, dass die Systeme repariert seien und die Widerstandsfähigkeit verbessert werde. „Und doch sind wir wieder hier“, sagte McMahon. Die irische Billigfluggesellschaft teilte mit, mehr als 50 Flüge gestrichen zu haben. Demnach waren 65.000 Passagiere betroffen.
NATS äußerte sich zunächst nicht zu der Kritik. Die britische Zivilluftfahrtbehörde (CAA) kündigte an, einen vollständigen Bericht des Dienstleisters anzufordern, um über mögliche weitere Schritte zur Sicherung der Zuverlässigkeit des Systems zu entscheiden. Rolfe wurde zudem von Verkehrsministerin Heidi Alexander einbestellt.
Genauer Grund für die Störung noch unklar
Die Störung im System zur Verarbeitung von Flugdaten hat heute bereits den zweiten Tag in Folge erhebliche Auswirkungen auf den Luftverkehr in Großbritannien. Wie das Flugdatenportal Flightradar24 mitteilte, waren allein bis 6.00 Uhr knapp 250 Flüge gestrichen worden, der größte Teil davon am Londoner Flughafen Heathrow. Am Dienstag waren dem Portal zufolge schon etwa 1.300 Flüge aufgrund der Störung ausgefallen.
Der britische Nachrichtensender Sky News berichtete von Passagieren, die teils auf dem Fliesenboden im Terminal übernachten mussten. Der genaue Grund für die Probleme war zunächst unklar. Eine Cyberattacke werde als Ursache jedoch ausgeschlossen, sagte NATS-Chef Rolfe der BBC. Das Problem sei inzwischen behoben, habe jedoch einen erheblichen Rückstau verursacht, der nun abgearbeitet werde.
Probleme auch in Deutschland
NATS ist in Großbritannien für 15 Flughäfen zuständig. Betroffen von der Störung waren am Dienstag neben Heathrow auch London Gatwick, London Stansted sowie die Airports in Manchester, Birmingham oder Dublin.
Auch an deutschen Airports und bei deutschen Fluggesellschaften machten sich die Probleme bemerkbar. Zum Beispiel wurden Flüge von Frankfurt oder Düsseldorf nach London gestrichen, wie auf den Webseiten der jeweiligen Flughäfen zu sehen war. Ähnlich sah es an Flughäfen in anderen Ländern aus, zum Beispiel in Zürich.
Die Airlines der Lufthansa-Gruppe mussten einzelne Flüge umleiten oder annullieren, wie das Unternehmen auf Reuters-Anfrage mitteilte. Betroffene Fluggäste würden automatisch umgebucht.
Nicht das erste Mal
In der Vergangenheit hatte es in Großbritannien wiederholt Probleme mit der Flugsicherung gegeben. Im Jahr 2023 hatte eine Fehlfunktion bei der automatischen Verarbeitung von Flugplänen ein Chaos im britischen Luftraum ausgelöst. Den Airlines entstanden durch den damaligen Vorfall Kosten von mehr als 100 Millionen Pfund für Entschädigungen und Rückerstattungen.
Die Luftfahrtbehörde forderte NATS daraufhin im Jahr 2024 auf, die Notfallpläne zu überarbeiten. Im Juli 2025 führte zudem ein Radarausfall dazu, dass der Flugbetrieb an mehreren Flughäfen für mehr als vier Stunden unterbrochen werden musste.
