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Politik

Apple-Aktie: Wird der KI-Rückstand zum Vorteil?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 9, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Analyse

Stand: 09.09.2026 • 07:13 Uhr

Apple gilt bei Künstlicher Intelligenz als Nachzügler – Symbol dafür ist Siri. Warum ausgerechnet geringere KI-Ausgaben zum Vorteil werden könnten und was den iPhone-Konzern jetzt unter Druck setzt.

Angela Göpfert

Kaum ein Konzern hat an der Börse eine solche Erfolgsgeschichte geschrieben wie Apple. Als Tim Cook 2011 die Führung von Mit-Gründer Steve Jobs übernahm, war der iPhone-Konzern bereits rund 350 Milliarden Dollar wert – heute sind es mehr als 4,5 Billionen. Wer damals 100 Dollar in Apple investierte, hätte daraus bis heute mehr als 2.700 Dollar gemacht. Und das, obwohl Apple beim größten Technologietrend der vergangenen Jahre lange hinterherhinkte: Künstlicher Intelligenz.

Doch genau dieser Rückstand wird an der Börse inzwischen auch mit anderen Augen gesehen. Weil Apple deutlich weniger in KI-Infrastruktur investiert als andere große Technologiekonzerne, bindet der Konzern weniger Kapital und hält den freien Cashflow, also die verfügbare Liquidität, hoch.

Apple investiert deutlich weniger in KI-Infrastruktur

Das zeigt sich auch in der Bilanz: Apples Sachanlagen – dazu gehören zum Beispiel Bürogebäude oder Rechenzentren – beliefen sich zuletzt auf rund 50 Milliarden Dollar. Nach einer Auswertung der Financial Times auf Basis von S&P Capital IQ reicht das im S&P 500 lediglich für Rang 40. In den vergangenen vier Jahren stiegen Apples Sachanlagen zudem nur um 28 Prozent. Zum Vergleich: Bei Microsoft nahmen sie im selben Zeitraum um 285 Prozent zu, bei Meta um rund 200 Prozent und bei Alphabet um 180 Prozent.

„Diese Kapitaldisziplin sichert einerseits hohe Margen und ermöglicht gleichzeitig milliardenschwere Aktienrückkäufe“, betont Stephan Kemper, Chefanlagestratege bei BNP Paribas Wealth Management, im Gespräch mit der ARD Finanzredaktion. Inzwischen könne das sogar ein Vorteil sein, denn die großen KI-Investoren müssten ihren Aktionären erst noch beweisen, dass sich diese enormen Ausgaben auch auszahlen.

Warum Apples KI-Zurückhaltung Anleger reizt

Das macht Apple für jene Anlegerinnen und Anleger attraktiv, die sich gegen die Risiken des KI-Investitionsbooms absichern wollen. Das US-Wirtschaftsmagazin Barron’s hält Apple daher sogar für „die defensivste Aktie an der Börse“. Auch Eckhard Schulte, Vermögensverwalter bei MainSky Asset Management, sieht in der Apple-Aktie einen „Hedge“- also eine Absicherung – gegen eine mögliche Blase bei Künstlicher Intelligenz. Gewinnt Apple also das KI-Spiel, indem es gar nicht erst mitspielt?

Laut übereinstimmenden Schätzungen von S&P Global und Wisdom Tree werden Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft in diesem Jahr zusammen rund 700 Milliarden Dollar ausgeben – das meiste davon für Rechenzentren, Chips und andere KI-Infrastruktur.

Im kommenden Jahr dürften die Investitionsausgaben für diese vier Konzerne bereits die Marke von einer Billion Dollar überschreiten. Rechnet man noch Oracle und SpaceX hinzu, dürften es gar 1,3 Billionen Dollar werden.

KI-Investitionen der Tech-Giganten 2027 (Quelle: S&P Global)
Unternehmen erwartete Investitionsausgaben 2027 erwarteter freier Cashflow 2027
Alphabet

357 Mrd.

– 82,7 Mrd.

Amazon

319,1 Mrd.

– 60,1 Mrd.

Meta

164 Mrd.

– 3,5 Mrd.

Microsoft

189 Mrd.

+ 33,6 Mrd.

Oracle

95 Mrd.

– 41,6 Mrd.

SpaceX

197,2 Mrd.

– 114,4 Mrd.

Apple verfolgt bei KI einen anderen Ansatz

Experten und Investoren fragten zuletzt allerdings zunehmend kritisch, ob und wann sich die KI-Investitionen der Tech-Konzerne auszahlen werden. Zugleich sind die geringeren KI-Ausgaben bei Apple nur dann ein Vorteil, wenn der Konzern trotzdem neue Produkte liefert, für die Kunden bereit sind zu zahlen.

Dabei entwickelt Apple zwar auch eigene KI, setzt aber zugleich auf Partner wie Google und verfolgt damit einen pragmatischeren Ansatz: „Apples Ziel ist es ja, KI alltagstauglich auf den Endgeräten der sehr zahlungskräftigen Apple-Kundschaft zur Verfügung zu stellen“, betont Schulte von MainSky Asset Management.

Wie Siri intelligenter wurde

Doch genau daran haperte es zuletzt merklich – Apples Sprachassistentin Siri geriet zum Symbol für den KI-Rückstand des Konzerns: einfache Befehle ja, echte Dialogfähigkeit kaum. Im Juni kündigte Apple mit „Siri AI“ einen großen Neustart an und zeigte eine Betaversion – die neue Siri kann erstmals komplexere Aufgaben über mehrere Apps hinweg erledigen.

Erste Praxistests fallen vorsichtig positiv: Das US-Technologiemagazin Wired schrieb Anfang des Monats, Siri AI sei zwar leistungsfähiger, aber noch kein technologischer Durchbruch. Für Teile der neuen Siri greift Apple auf Googles KI-Modell Gemini zurück. „Daher ist es nur logisch, dass sich die erste Ausbaustufe von Siri AI ein wenig wie ‚Gemini, circa 2025‘ anfühlt“, urteilt das Tech-Portal The Verge.

Warum Apple gar nicht die beste KI braucht

Unterm Strich ist Siri offenbar intelligenter geworden, bleibt aber hinter Konkurrenten wie Google Gemini, ChatGPT und Claude weiter zurück. Apple holt also nur auf, statt den Markt anzuführen. Das muss der Konzern aber vielleicht auch gar nicht.

„Entscheidend wird sein, ob Apple KI so in seine Geräte integriert bekommt, dass Nutzer einen echten Mehrwert erleben und noch stärker im Apple-Ökosystem bleiben“, sagt Anlagestratege Kemper. Wenn das gelingt, könne KI langfristig für das Wachstum für Apple sogar wichtiger werden als neue Hardware allein.

Faltbares iPhone soll neues Wachstum bringen

Bei Apples Produktshow „Surprise and shine“ heute dürfte neue Hardware allerdings besonders im Mittelpunkt stehen. Medienberichten zufolge soll der Konzern sein erstes faltbares iPhone präsentieren. „Das iPhone ist das wichtigste Produkt für Apple mit über 50 Prozent Umsatz“, unterstreicht Vermögensverwalter Schulte. Hier brauche es Innovationen.

Foldables gelten als Möglichkeit, höhere Verkaufspreise und Margen zu erzielen. Apple würde damit in einen bislang von Samsung dominierten Markt einsteigen. Daneben arbeitet der Konzern aber auch an weiteren Produktneuerungen – von KI-fähigen AirPods mit Kameras bis hin zu neuen Smart-Home-Produkten.

Apple plant Tischroboter für das Smart Home

Zu den ambitionierteren Projekten gehört eine Art Tischroboter für den Einsatz im Haushalt. Bloomberg zufolge soll das Display auf einem beweglichen Roboterarm sitzen.

Gedacht ist das Gerät demnach als eine Mischung aus Smart-Home-Zentrale, Kommunikationsgerät und persönlichem KI-Assistenten – Marktgerüchten zufolge könnte es 2027 auf den Markt kommen.

So teuer ist die Apple-Aktie

Viel hängt nun auch am neuen Konzernchef John Ternus – immerhin war er zuvor bei Apple für die Hardware verantwortlich. An der Börse muss er allerdings eine ambitionierte Bewertung rechtfertigen: Apple wird mit mehr als dem 30-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet.

Zum Vergleich: Der Schnitt im marktbreiten Aktienindex S&P 500 liegt nur bei etwa dem 20-Fachen. Gleichzeitig wächst Apples Gewinn laut dem Wall Street Journal langsamer als der Gewinn des Gesamtmarkts. „Die Apple-Aktie ist sehr teuer“, konstatiert Schulte von MainSky Asset Management. Insofern müsse Apple jetzt weiter liefern, um diese hohe Bewertung zu rechtfertigen.

Hohe Bewertung als größtes Kursrisiko?

Anlagestratege Kemper von BNP Paribas sieht in der hohen Bewertung kurzfristig sogar das größte Risiko für den Titel: „Sollte der Markt beginnen zu zweifeln, dass die Stärke des Apple-Ökosystems und die hohen Aktienrückkäufe diese Bewertung rechtfertigen, könnte das den Kurs stark belasten.“

Für Apple geht es deshalb um mehr als neue Geräte. Der Konzern muss zeigen, dass aus neuer Hardware und Künstlicher Intelligenz auch neues Wachstum wird. Denn nach der außergewöhnlichen Börsenrally der vergangenen Jahre liegt die Messlatte höher denn je.

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Dr. Heinrich Krämer
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