Auch Mexiko knickt ein
Ausgerechnet Argentinien wirft sich an Infantinos Seite
07.08.2026 | 10:52 Uhr
Nach den gescheiterten Investorenplänen zum Einstieg in die Fußball-Weltmeisterschaft kämpft Gianni Infantino um seinen Posten. Nach heftiger Kritik wächst nun wieder die Welle der Unterstützer. Auch Argentinien meldet sich nun positiv zu Wort.
Aus Afrika gibt es uneingeschränkte Rückendeckung, Südamerika stellt sich gegen einen vorzeitigen Putsch – doch die Europäer bleiben unversöhnlich auf Konfrontationskurs. Die Frage um die Zukunft des angezählten FIFA-Präsidenten Gianni Infantino stellt die internationalen Verbände vor ihre bislang größte Zerreißprobe. Nach dem gescheiterten Investorendeal zieht sich durch die Fußballwelt ein ganz tiefer Riss, es drohen sogar weitere Eskalationen. Die verschiedenen Positionen erscheinen unvereinbar, vor allem die UEFA gibt keinen Deut nach.
Der Boykott der Weltmeisterschaften der Männer und Frauen bleibe bestehen, bekräftigte die UEFA. Sie habe das Vertrauen in Infantino verloren. Doch der Sturz des Alleinherrschers wird alles andere als einfach, im Eilverfahren dürfte es nicht klappen. Erwartungsgemäß stellten sich die afrikanischen Länder hinter den FIFA-Boss – und auch die gewohnt eher dem Infantino-Lager zugehörigen Südamerikaner lehnen einen Schnellschuss vor den im Frühjahr angesetzten Neuwahlen entschieden ab.
Besorgnis über wiederholte Alleingänge
CONMEBOL, der Dachverband des südamerikanischen Fußballs, werde „keine Maßnahmen oder Verfahren unterstützen, die diese institutionellen Mechanismen missachten oder davon abweichen“, hieß es in der Erklärung. Trotz aller „Besorgnis über die wiederholten Alleingänge“ sehe der südamerikanische Verband keinen Anlass für einen außerordentlichen Kongress zur Abwahl des FIFA-Präsidenten. Argentiniens Verbandspräsident Claudio Tapia sandte gar einen Brief an Infantino, in dem betont wird, „dass der richtige Weg darin besteht, weiter unter seiner Führung zu arbeiten“. Das dürfte Verschwörungstheoretikern neue Nahrung geben. Schon während der WM wurde regelmäßig über eine zu große Nähe von Infantino zu Argentinien spekuliert.
Bei Neuwahlen hätten die Südamerikaner mit zehn Stimmen aber nur geringes Gewicht, deutlich mächtiger sind die Afrikaner mit ihren 54 Stimmen. Deren Gunst hatte sich Infantino mit immer höheren finanziellen Ausschüttungen in den vergangenen Jahren nachhaltig gesichert. Der Kontinentalverband CAF „bekräftigte“ deshalb am Donnerstagabend wenig überraschend „einstimmig seine Unterstützung für FIFA-Präsident Gianni Infantino und dankte ihm für seine über Jahre hinweg geleistete, unermüdliche Unterstützung des afrikanischen Fußballs“.
Die UEFA als Anführer der Gegner
Die 55 UEFA-Verbände stehen dem diametral gegenüber. Sie hätten ihre Bedingungen für eine Rückkehr zu FIFA-Wettbewerben klar formuliert. Demnach müsse der Plan zum Verkauf von Anteilen an den wichtigsten FIFA-Turnieren zurückgezogen und zudem sichergestellt werden, „dass derartige Versuche, den Fußball auf diese Weise zu entstellen, niemals wieder unternommen werden“, so die UEFA: „Diese Bedingungen sind nicht erfüllt.“ Die kleinlaute Entschuldigung Infantinos und der symbolische interne Schulterschluss der FIFA-Führungskräfte vom Mittwoch änderten daran nichts.
Genau diese Barrikade-Haltung könnte für den keinerlei Rücktrittsgedanken hegenden Präsidenten des Weltverbandes gefährlich werden. Denn der 56-Jährige dürfte wissen, dass es ohne die Europäer nicht gehen wird. Auch wenn diese unter den 211 Mitgliedsverbänden alleine keine Mehrheit stellen, befinden sie sich mit unter anderem sechs Viertelfinal-Teilnehmern bei der WM in einer Machtposition. Zumal ihnen in ihrer Anti-Infantino-Mobilisierung auch von anderen Kontinenten Unterstützung winkt.
Noch nichts aus Ozeanien bekannt
Der Verband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik dürfte mit seinen 35 Stimmen eher auf ihrer Seite stehen, zumal CONCACAF-Präsident Victor Montagliani laut Medien als ein möglicher Gegenkandidat für die Neuwahl aufgebaut werden könnte. Aber ein mächtiges Mitglied schert aus. WM-Co-Gastgeber Mexiko stellte sich plötzlich hinter Infantino. Eine überraschende Wende, da die FMF in der vergangenen Woche als Mitglied der CONCACAF Infantinos WM-Vorhaben entschieden abgelehnt hatte.
Im 46 Stimmen umfassenden asiatischen Verband gibt es derweil ebenfalls eine Spaltung. Während Infantino Unterstützungsschreiben von Nationen wie Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten publizierte, ging beispielsweise Jordanien auf Konfrontationskurs. Die elf ozeanischen Mitgliedsländer halten sich noch bedeckt.
Er könne sich für die Neuwahlen am 18. März 2027 in Rabat „nicht vorstellen“, sagte der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel dem Nachrichtenportal t-online, „dass Gianni Infantino ohne Gegenkandidaten bleibt“. Kandidaturen dürfen bis zum 18. November eingereicht werden.
Verwendete Quellen: ntv.de, tno/sid
