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Startseite»Politik»Bundeswehr-Brigade in Litauen: Im Kampf mit und gegen Drohen
Politik

Bundeswehr-Brigade in Litauen: Im Kampf mit und gegen Drohen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 14, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 14.06.2026 • 17:06 Uhr

Die NATO stärkt ihre Abschreckung gegenüber Russland. Dazu gehört, dass die Bundeswehr eine Panzerbrigade in Litauen aufbaut. Bei der Übung „Freedom Shield“ trainieren 2.900 Soldaten aus acht Ländern den Ernstfall.

Alexander Budweg

Benjamin Großkopff

Es wirkt zunächst nur wie ein Loch in der Erde. Verdeckt von ein paar Tannenzweigen öffnet sich eine Luke aus Holz, eine steile Treppe führt runter zu einem Gang. Es ist stockdunkel, eng und riecht nach feuchter Erde. Gehen ist nur gebückt möglich. Nach wenigen Metern folgt eine Abzweigung nach links, dahinter öffnet sich ein kleiner Raum, ausgekleidet mit Spanplatten und Baumstämmen. Es ist ein sogenanntes Drohnenversteck.

Auf einem Klappstuhl sitzt ein junger Soldat mit einer VR-Brille und steuert eine Aufklärungsdrohne. Neben ihm steht ein weiterer Soldat und verfolgt den Flug auf einem Bildschirm. Mit im Raum ist auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, der sich an diesem Samstag über den Ablauf der ersten Großübung der Litauen-Brigade informieren will.

Generalinspekteur Carsten Breuer (l.) und General Christoph Huber (r.) besichtigen ein sogenanntes Drohnenversteck in Litauen.

2.900 Soldaten aus acht Nationen

Die Übung trägt den Namen „Freedom Shield“ – also „Schild der Freiheit“. 2.900 Soldaten aus acht Nationen sind daran beteiligt, die allermeisten aus Deutschland. Das Kommando hat die neue Litauen-Brigade der Bundeswehr und damit General Christoph Huber. „Unser Auftrag ist ganz klar, wir sind hier zur Verteidigung des NATO-Bündnisgebiets“, sagt er.

Ort des Geschehens ist der Truppenübungsplatz Pabrade, etwa 40 Autominuten westlich von der litauischen Hauptstadt Vilnius. Nur gut zehn Kilometer entfernt ist die Grenze zu Belarus, einem Verbündeten Russlands. „Die Bedrohungslage ist so, wie ich sie in meinen etwas mehr als 40 Jahren Bundeswehr noch nicht erlebt habe“, sagt Breuer.

Russische Raketen könnten Berlin erreichen

Der Generalinspekteur spricht von „verschiedenen Linien“, die auf russischer Seite zusammenkämen und die man mit Sorge beobachte. Neben dem Personalaufwuchs der russischen Armee sei das auch „das Ausrichten von militärischen Strukturen gen Westen“.

Gemeint sind damit etwa die „Iskander“-Raketen, stationiert in der russischen Exklave Kaliningrad, die an Litauen grenzt. Sie könnten Warschau, Berlin oder Kopenhagen erreichen. Zudem hat Moskau Kampfverbände in Belarus unweit der litauischen Grenze stationiert. „Zusammengefasst: Es ist ernst, und wir nehmen es ernst, deswegen führen wir auch diese Übung hier heute durch“, sagt Breuer.

Das dies nicht weit hergeholt ist, zeigt sich an diesem Samstagmorgen. Während Breuer sich mit dem Führungsstab der Litauen-Brigade zur Lagebesprechung in einem Zelt trifft, ertönt auf den Handys ein schriller Signalton – Luftalarm. Zunächst der Stufe Gelb, später kurzzeitig auch Rot. Zwar wird der Alarm durch das litauische Lagezentrum schnell wieder aufgehoben, doch im Baltikum sind sie sehr wachsam.

Handelsübliche Drohnen werden umprogrammiert

Vor Kurzem schossen französische Kampfflugzeuge eine russische Drohne über Lettland ab. Ende Mai musste wegen Luftalarm nicht nur der Flughafen Vilnius kurzzeitig gesperrt werden. Das ganze öffentliche Leben in der litauischen Hauptstadt stand kurzzeitig still. Menschen wurden aufgefordert, Schutzräume aufzusuchen. Die Staatsspitze wurde in Sicherheit gebracht.

Deshalb und wegen der Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine üben sie bei „Freedom Shield“ auch den Kampf mit und gegen Drohnen. Etwa 350 der sirrenden kleinen Flugobjekte sind dabei im Einsatz. Die meisten Drohnen sind ganz normal im Handel bestellt und von Soldaten dann „gehärtet“ worden, wie sie das hier nennen – sozusagen umprogrammiert.

Deutsche Soldaten sind sehr willkommen

Der Schutz von Vilnius ist der Schutz von Berlin. Diesen Satz sagte Bundeskanzler Friedrich Merz beim Aufstellungsappel der Litauen-Brigade vor gut einem Jahr. Er ist auf einer Tafel am alten Rathaus der litauischen Hauptstadt verewigt. Der bange Blick nach Russland ist in Vilnius Alltag. Deshalb seien die deutschen Soldaten der neuen Litauen-Brigade, die hierher ziehen, sehr willkommen, sagt Magarita Seselgyte, Politikwissenschaftlerin an der Uni in Vilnius.

„Ich weiß, dass es für Deutschland sehr schwierig ist, die Entscheidung zu treffen, mehr in die Verteidigung zu investieren und Truppen in Länder wie Litauen zu entsenden“, sagt sie. Das erfordert auch einen gewissen Mentalitätswandel. „Ich denke, das wird in Litauen sehr begrüßt. Die Litauer unterstützen diese Brigade sehr“, so Seselgyte.

5.000 Freiwillige bis 2027

Eine ganze Brigade, dauerhaft im Ausland stationiert – das ist einmalig bei der Bundeswehr. Vorbildlich nennt das Zygimantas Pavilionis von den oppositionellen Christdemokraten. Er war mal Botschafter in den USA – auf die man sich zurzeit mit Blick auf Russland nur schwer verlassen kann. „Wir wollen, dass Berlin und Washington zusammenstehen und dem Feind die Stirn bieten“, sagt er. Daher sei es wunderbar, dass Deutschland nun seine militärische und sicherheitspolitische Führungsrolle in Litauen wiederaufbaut. „Aber natürlich wünschen wir uns, dass sie noch mehr Führungsverantwortung übernehmen“, so Pavilionis.

Gut 5.000 Angehörige, die sich freiwillig melden, soll die Litauen-Brigade Ende 2027 haben. Der Aufbau laufe planmäßig, sagt Generalinspekteur Breuer. Mit dem bisherigen Ablauf der Übung „Freedom Shield“ sei er zufrieden, denn sie zeige, dass sich die Bundeswehr mit ihren NATO-Partnern auf neue Gegebenheiten einstelle, wie etwa dem Drohnenkampf.

Eine Provokation gegenüber Moskau sieht er darin trotz der geographischen Nähe zu Russland nicht. „Diese Übung ist rein defensiv ausgerichtet und sie zeigt, dass wir uns verteidigen können, dass wir einem Gegner zeigen, es lohnt sich nicht“, sagt Breuer. Das bedeute Abschreckung. Damit die funktioniere, müsse sie auch gezeigt werden.

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