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Eine für alle: Es gibt Regeln, auch für Despoten!

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 23, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Eine für alleEs gibt Regeln, auch für Despoten!

23.08.2026, 07:12 Uhr Fast eine Kolumne von Sabine Oelmann
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Ihr Name war Irina. (Foto: picture alliance/dpa/ZUMA Press Wire)

Selbst im Krieg gibt es Regeln. Und doch wird in der Ukraine alles und jeder kurz und klein geschossen, dem Erdboden gleichgemacht. Da wird auch vor Zivilisten – Kindern, Alten, Kranken – nicht haltgemacht. Heute daher keine Kolumne – kein Bock auf lustig oder Zwischen-den-Zeilen-Problemchen – sondern eine Bestandsaufnahme des Horrors.

Wir erinnern uns an die Bilder aus Butscha, vor allem an eines: Die Hand einer Frau, deutlich zu erkennen an ihren roten, lackierten Fingernägeln. Die Russen besetzten den kleinen Ort rund 25 Kilometer nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew für 33 Tage. 33 Tage Gewalt, Tod, Grausamkeit. Zivilisten wurden mit auf den Rücken gebundenen Armen auf den Straßen exekutiert, Frauen und Kinder vergewaltigt, gequält. 1700 Menschen wurden dort von den Russen gleich zu Beginn des Krieges getötet, 9000 Kriegsverbrechen in der Region Butscha registriert.

Der Aufschrei der restlichen Welt war groß, man war schockiert, man ging auf die Straße, Forderungen wurden laut, den Krieg zu beenden, Maßnahmen zu ergreifen. Sie, liebe Lesenden, wissen, was passiert ist: wenig. Der Krieg läuft noch immer, mit unverminderter Härte, wir befinden uns in Jahr fünf. Niemand ist auf der Straße.

Wir lassen seit fast fünf Jahren zu, dass unsere europäischen Nachbarn ausgelöscht werden. Wir helfen auch, stimmt. Aber diese Hilfe ist ein Löcherstopfen, Wundenlecken, zu viel um zu sterben und zu wenig um zu überleben. Ich weiß nicht, ob Sie es zwischen Sommerferien und Selfies-posten bemerkt haben, aber wir werden inzwischen auch angegriffen. Missverstehen Sie mich nicht, ich habe natürlich nichts gegen wohlverdiente Sommerferien oder schöne Bilder, aber unsere Infrastruktur ist in Gefahr, unsere Ernten, unsere Gewässer, unsere Kinder.

Ich poste hier jetzt ein Bild, das Jungen zeigt, der unsere Kinder sein könnte, Ihre oder meine. Kinder mit einem kaputten Zuhause im Hintergrund, mit welcher Zukunft in Aussicht? Dass sie, sobald es geht, eingezogen werden? Um ihr Land zu verteidigen. Um sich, spätestens dann, umbringen zu lassen, von einer anderen armen Sau, die für „das Vaterland“ kämpft.

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Kinder in Kiew. Welche Zukunft erwartet sie? (Foto: IMAGO/Lehtikuva)

Von Mariupol, einer Stadt am Meer, gibt es Satellitenaufnahmen, die zeigen, dass über 10.000 Menschen umgebracht und – größtenteils in Massengräbern -verscharrt wurden. Die Dunkelziffer der Toten liegt mit großer Sicherheit höher, denn viele Leichen konnten nicht mehr identifiziert werden. 90 Prozent der Stadt wurden zerstört.

Weiter nach Oleniwka, einer Siedlung in der Ostukraine (Oblast Donezk). Sie wurde weltbekannt durch das Massaker von Oleniwka: In der Nacht vom 28. zum 29. Juli 2022, bei dem in einem von Russland kontrollierten Gefangenenlager Dutzende ukrainische Kriegsgefangene (darunter Verteidiger des Asow-Stahlwerks) gewaltsam getötet wurden. Viele verbrannten bei lebendigem Leibe.

Am 8. Juli 2024 zerstörte eine russische Rakete das größte Kinderkrankenhaus in Kiew, zwei Tote und unzählige Verletzte waren zu beklagen. Ein Kinderkrankenhaus wird bombardiert – was für ein Mensch tut so etwas? Wer gibt diesen „Auftrag“? Wer drückt auf den „Knopf“? Wie verkommen muss man sein? Hat „der Mensch“ sich nicht weiterentwickelt? Wann werden diese niedersten Instinkte, und wie und wodurch, freigesetzt? Kann das jedem von uns passieren unter Druck? Foltern wir, wenn es von uns verlangt wird? Schieben wir anderen Nägel in die Fingerkuppen, stechen wir Augen aus, kastrieren wir Männer, wie es auf einem Telegramm-Kanal am 22. Juli 2022 zu sehen war, als ein ukrainischer Kriegsgefangener live vor einer Kamera kastriert wurde?

Ein-Hund-harrt-neben-einem-getoeteten-Zivilisten-in-Butscha-aus
Ein Hund harrt neben einem getöteten Zivilisten in Butscha aus. (Foto: IMAGO/CTK Photo)

Man sagt so dahin, das seien tierische Instinkte, aber Tiere töten aus Überlebensinstinkt, nicht „zum Spaß“. Tiere foltern nicht, sie töten, um zu fressen, Circle of Life, Sie wissen schon. Oder um ihr Revier zu beschützen. Ja, auch um Widersacher auszuschalten. Aber sie agieren nicht mit Messern, Spritzen oder Elektroschockern. Tun wir also nicht so, als würden Menschen simpel zum Tier werden – so brutal wie der Mensch ist kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten.

Das Foltern von Kriegsgefangenen ist illegal, es ist ein Kriegsverbrechen. Im Jahr 2023 machte ein Video die Runde, das zeigt, wie ein – noch lebender – ukrainischer Soldat geköpft wird.

Vor 2022, also bevor der russische Angriffskrieg auf die Ukraine so richtig startete, wurde bereits Jagd auf einzelne gemacht. Die Seite u24.gov.ua verweist, unter vielen anderen, auf den Filmregisseur Oleh Sentsov und die Aktivisten Oleksandr Kolchenko und Volodymyr Balukh. Die Seite verweist ebenfalls darauf, dass Russland sich nicht mit Zielen und Zivilisten in der Ukraine zufriedengibt, sie nennt auch den Abschuss des Fluges MH17 von Malaysia Airlines mit 298 Passagieren und Besatzungsmitgliedern am 17. Juli 2014 einen Akt des russischen Terrors.

Fest steht: Das Flugzeug vom Typ Boeing 777-200ER wurde mit einer russischen Luftabwehrrakete des Typs Buk M1 über dem Osten der Ukraine abgeschossen. Im Mai 2025 erklärte der Luftfahrtrat der Vereinten Nationen und im Juli 2025 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Russland als für den Abschuss von Flug MH17 verantwortlich. Russland leugnet jede Schuld an dem Vorfall.

Der 21. August ist der internationale Tag der Erinnerung und Ehrung für Opfer von Terrorismus – vorgestern also. Die Liste der Opfer ist unendlich lang. Unsere Aufgabe ist es, diese Liste nicht noch länger werden zu lassen. Wir könnten damit anfangen, in Deutschland in den nächsten Wochen demokratische Parteien zu wählen, und keine Menschenfänger, die mit kurzfristigen „Versprechungen“ und Parolen locken, die jedem Demokraten das Blut in den Adern gefrieren lassen sollten: Verfassungsschutz abschaffen, oder auch die Schulpflicht, wie die AfD es fantasiert, wären der Anfang vom Ende.

Es gibt Dinge, die halten eine Gesellschaft zusammen, mit Würde und Weitblick – Schnellschüsse bringen nie etwas. Die AfD wählt man nicht aus Protest („um es denen zu zeigen“). Man wählt sie, weil man gewisse Hohlräume im Kopf zu haben scheint und diese nun mit dem Krakeelen einer Alice Weidel, eines Björn Höcke und des neuen AfD-Slim-Fit-Mannes der Stunde – wie war doch gleich sein Name, der Cover-Boy vom Spiegel neulich – meint füllen zu können. Der Mann mag gefährlich sein – noch gefährlicher aber ist es, wenn Teile der Bevölkerung sich von solchen Typen einfangen lassen und das perfide Spiel nicht durchschauen.

Als Mitarbeiterin von ntv vermag ich mir nicht vorzustellen, dass auch nur ein Einziger, eine Einzige, unseres ntv-Universums so krass außen wählt, dass die noch immer mehrheitlich bestehende Ordnung in Schutt und Asche gelegt werden könnte. Bitte helfen Sie mit, die Gehirne Ihrer Nachbarn, Freunde und Familien einzuschalten, bevor alle ihr Kreuzchen machen.

Quelle: ntv.de

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