Erbschaftssteuer dafür streichenFamilienunternehmer schlagen Luxussteuer vor
In wenigen Wochen befasst sich das Bundesverfassungsgericht mit der Erbschaftssteuer. Falls die Abgabe erhöht werden sollte, prognostizieren die Familienunternehmer einen Exodus der nächsten Erbengeneration. Für den klammen Staat hat Stiftungsvorstand Kirchdörfer eine andere Idee.
Mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen vor dem Bundesverfassungsgericht warnen die Familienunternehmen vor einer Erhöhung der Erbschaftsteuer. „Jeder junge Mensch wird sich dreimal überlegen, ob er ein Familienunternehmen bei einer derart hohen Erbschaftsteuerbelastung tatsächlich erben und fortführen kann und möchte“, sagte der Vorstand der Stiftung Familienunternehmen und Politik, Rainer Kirchdörfer, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Laut einer Erhebung der Stiftung hat sich die Verkaufsneigung der Nachfolgergeneration verdoppelt. 30 Prozent halten demnach einen Unternehmensverkauf im Zuge des Generationswechsels für möglich. 2020 lag dieser Anteil noch bei 14,4 Prozent.
Karlsruhe verhandelt am 12. und 13. Oktober mündlich in Sachen „Erbschaftsteuer – Gesetzgebungskompetenzen“. Kirchdörfer ist als sogenannter sachverständiger Dritter beteiligt, Urteile werden noch in diesem Jahr erwartet. Um die Erbschaftsteuer wird seit Jahren gerungen. Es geht unter anderem darum, ob Erben großer Vermögen stärker besteuert werden.
Negative psychologische Wirkung
Kirchdörfer prognostizierte negative Konsequenzen einer solchen Erhöhung. „Die entscheidende Frage ist, welche zusätzliche Belastung auf die Substanz von Familienunternehmen zukommt und welche psychologische Steuerungswirkung die deutliche Erbschaftsteuerverschärfung auf die nächste Generation hat“, sagte der Jurist. Die Alternative zur Unternehmensübernahme sei, „dass die Familie den Betrieb verkauft, den Veräußerungsgewinn versteuert und dann mit einem gut gefüllten Portemonnaie ein sorgenfreies und risikoloses Leben mit alternativen Anlagen, vielleicht sogar noch in einem Land ohne Erbschaftsteuer, verbringt.“ Das allerdings, ergänzte Kirchdörfer, „wäre volkswirtschaftlich verheerend, denn dadurch bräche unsere einmalige Familienunternehmenslandschaft weg“.
Kirchdörfer riet dazu, die Abgabe zu streichen und das Geld durch eine Sonderbelastung für Reiche hereinzuholen. „Ich persönlich würde die Erbschaftsteuer, wie beispielsweise Schweden oder Österreich, ganz abschaffen und dann Gerechtigkeitsüberlegungen an anderer Stelle stellen“, sagte er dem RND. Ein anderes Steuerinstrument wäre etwa eine stärkere Besteuerung sehr hohen Konsums. „Wer sich einen Sportwagen für 150.000 Euro leistet, dem macht eine Luxussteuer von 10 Prozent on top auf die 19-prozentige Umsatzsteuer auch nichts mehr aus.“
