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Startseite»Politik»EVG-Analyse: Italo-Züge könnten für 16 Städte Nachteile im Fernverkehr bedeuten
Politik

EVG-Analyse: Italo-Züge könnten für 16 Städte Nachteile im Fernverkehr bedeuten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 14, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 14.06.2026 • 15:12 Uhr

Die Bahngesellschaft Italo will in Deutschland einsteigen – auf zwei lukrativen Strecken. Anderswo könnte das weniger Züge zur Folge haben, warnt die EVG. Betroffen wären laut der Gewerkschaft Augsburg, Münster und 14 weitere Städte.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG warnt vor Verschlechterungen im deutschen Fernverkehr durch den geplanten Einstieg des italienischen Bahnunternehmens Italo. Dies könnte im Fernverkehr zu deutlichen Einschränkungen führen. Mindestens 16 Städten drohe die Einstellung oder Ausdünnung von ICE- und IC-Halten, heißt es laut „Bild am Sonntag“ in einer Analyse der Bahngewerkschaft.

Ein EVG-Sprecher betonte, dass dies eine erste Analyse sei und nur Bahnhöfe aufgeführt würden, bei denen sich die Gewerkschaft nach bisherigen Erkenntnissen sicher sei, dass es zu erheblichen Auswirkungen kommen würde. Die tatsächlichen Folgen dürften weitreichender sein.

Italo will ab 2028 in Deutschland fahren

Die Bahn mit ihren ICE- und IC-Zügen hat derzeit im Fernverkehr einen Marktanteil von etwa 95 Prozent – einziger nennenswerter Mitbewerber ist bislang Flixtrain. Italo will ab 2028 in Deutschland Fernverkehrsfahrten anbieten. Das Unternehmen will dafür umfangreich in Züge investieren – aber auch eine gewisse Sicherheit haben, dass es lukrative Trassen bedienen darf. Diese Trassen vergibt die Bahn-Tochter InfraGo unter Aufsicht der Bundesnetzagentur.

Die Bahn betont seit Wochen, dass sie nichts gegen Wettbewerb habe. Sie warnt aber vor einer Überlastung wichtiger Knotenpunkte – und vor einem Wegfall von Fahrten auf weniger gut ausgelasteten Strecken, wenn lukrative Trassen an Konkurrenten gehen. „Wir als Deutsche Bahn tragen Verantwortung für die Mobilität in Deutschland. Nicht nur auf den stark nachgefragten Verbindungen, sondern eben für ein funktionierendes Gesamtsystem“, so formulierte es Bahn-Chefin Evelyn Palla.

Gewerkschaftschef warnt vor „Rosinenpickerei“

Das italienische Unternehmen will zunächst die Strecken München-Frankfurt/Main-Köln-Dortmund und München-Berlin-Hamburg befahren – zwei Verbindungen, auf denen auch die ICE-Züge der Bahn gut ausgelastet sind. EVG-Chef Martin Burkert warnt: „Wenn Italo hier Rosinenpickerei betreiben darf und die Bahn von den Hauptstrecken verdrängt wird, zerlegt das unseren Fernverkehr.“ Die Deutsche Bahn könne dann Fernzugverbindungen in der Provinz weniger quersubventionieren, sagte er – und argumentiert damit ähnlich wie die Bahn selbst.

Laut EVG-Analyse würde ein Italo-Markteintritt an den Bahnhöfen Aachen, Bamberg, Chemnitz, Cottbus, Freiburg, Ingolstadt, Jena, Magdeburg, Norddeich Mole, Osnabrück, Rostock, Saarbrücken, Schwerin und Singen massive Auswirkungen auf den Fernverkehr haben. Auch Augsburg und Münster wären betroffen, die mit gut 300.000 Einwohnern zu den 25 größten Städten Deutschlands zählen. In Trier würde demnach eine geplante IC-Anbindung wegfallen.

Wer auf den Hauptstrecken ordentlich Kasse machen will, darf sich nicht zu fein sein, um Städte wie Schwerin, Augsburg oder Jena anzufahren.

Der EVG-Vorsitzende Burkert

Bahn-Chefin fordert bessere Rahmenbedingungen

Der Gewerkschaftsvorsitzende fordert Paketlösungen bei der Streckenzuteilung, mit denen Italo verpflichtet wird, auch Zuglinien in der Provinz zu bedienen. Ähnlich argumentiert der bundeseigene Bahn-Konzern. Bahnchefin Palla rief die Politik jüngst auf, bessere politische Rahmenbedingungen zu schaffen. „Sonst droht ein ungesteuerter Wettbewerb, dessen Folgen sich am Ende womöglich für die Mehrheit negativ auswirken“, sagte sie.

Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, zeigte sich ebenfalls besorgt. „Dem Fernverkehr muss auferlegt werden, dass die Regionen in der Fläche angebunden sind“, sagte der CSU-Politiker. Dafür setze sich nicht nur Bayern ein, dafür stünden alle Länder.

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