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Startseite»Politik»FC Como: Wie viel Glitzer verträgt die Fankurve?
Politik

FC Como: Wie viel Glitzer verträgt die Fankurve?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 23, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 23.05.2026 • 08:39 Uhr

Von der vierten in die erste Liga: Der italienische Fußballclub FC Como hat dank ausländischer Investoren einen rasanten Aufstieg hinter sich – und zieht plötzlich Stars und Superreiche an. Das gefällt nicht allen.

Anna Giordano

Lauter Jubel in der Fankurve beim Tor des FC Como gegen Parma am vergangenen Wochenende. Es ist und bleibt das einzig gültige Tor in diesem Spiel – und es eröffnet der Mannschaft erneut eine Chance auf die Champions-League-Teilnahme.

Die Fans kommen aus dem Staunen nicht heraus – zum Beispiel Carlo, der schon als Kind für die Spiele seiner Mannschaft ins Stadion gegangen ist. „Wir leben hier gerade einen Traum“, sagt er. „Wir sind auf einem unvorstellbaren Niveau. Wenn mir das jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, hätte ich es nicht geglaubt.“

Bis 2019 spielte der FC Como in der vierten Liga des italienischen Fußballs. Die Mannschaft der Stadt am See war etwas für Liebhaber – auch Riccardo erinnert sich an diese Zeit: „Ich habe alle Spiele mitverfolgt, auch als wir nur 50 Leute im Stadion waren“, erzählt er. „Jetzt macht es natürlich viel mehr Spaß. Aber meine Treue bleibt für immer.“

Investoren sorgten für die Wende

Die Wende kam mit ausländischen Investoren. Die milliardenschweren Hartono-Brüder aus Indonesien kauften den Verein, bauten ihn mit einem klaren Businesskonzept aus: Sie wechselten Spieler und Trainer, modernisierten das Trainingszentrum, investierten in eine Jugendakademie und eine neue Frauenmannschaft. Der Fußballclub begann, einen Erfolg nach dem anderen zu feiern, kämpfte sich von der vierten in die erste Liga hoch.

„Natürlich haben sie Geld“, sagt der Journalist Giulio Saetta von der Mailänder Sportzeitung Gazzetta dello Sport. „Aber sie haben Spieler gekauft, die beinahe Unbekannte waren. Nico Paz zum Beispiel, der jetzt der Star des FC Como ist, spielte in der zweiten Mannschaft von Real Madrid. Niemand kannte ihn – außer absolute Fußballexperten. Und nun ist er einer der Spieler.“

Auch bei der Wahl des Trainers, Cesc Fàbregas, der den jetzigen Erfolg herbeigeführt habe, hätten die Eigentümer ein gutes Gespür gehabt und seine Qualitäten frühzeitig erkannt. Das sei nicht selbstverständlich, betont Saetta.

Einer der Erfolgsgaranten: Trainer Cesc Fabregas, ehemaliger spanischer Fußball-Nationalspieler.

„Und plötzlich reden alle über Como“

Die Einwohner Comos sehen den Erfolg des Vereins trotzdem nicht nur positiv. Neue Investoren, ausländische Spieler – das Zugehörigkeitsgefühl sei bei ihr nicht mehr so wie früher, sagt zum Beispiel Daniela: „Sagen wir mal, dass hier ein Business aufgebaut wurde und dass sie gut spielen. Ich arbeite im Zentrum, es gibt nicht einen Touristen, der nicht mit einer Tüte aus dem Fanshop herumläuft. Das ist das Business, aber es ist schon okay.“

Und das Business besteht aus noch mehr als Sport und Fanshop: Die Lage des Stadions am See trägt zur Vermarktung bei, für die Fußballkleidung werden Partnerschaften, etwa mit dem Luxus-Herrenausstatter Brioni eingegangen.

So nobel war es nicht von Anfang an. „Como war eigentlich immer ein bisschen eine Vorstadt von Mailand: Hübsch, aber klein. Und jetzt reden plötzlich alle über Como“, sagt etwa Alex Mitchumm. Er ist Chef einer Modemarke aus der Stadt und führte im Jahr 2020 auch eine Kooperation mit dem Verein durch. „Wir sind fast so etwas wie das Saint Tropez Italiens geworden. Man redet von Dolce Vita, von schönen Villen, tollen Yachten, von Schauspielern und Stars aus aller Welt.“

Idyllische Lage zwischen Bergen und See: Das Stadio Giuseppe Sinigaglia des FC Como

Verstopfte Straßen und Parkplatzmangel

Die Eigentümer des FC Como laden Stars und Schauspieler gezielt ein, so wurden etwa Hugh Grant, Kate Beckinsale oder Billie Eilish im Stadion gesichtet. Erst kürzlich hat ein Elite-Club in der Nähe des Stadions eröffnet, in dem die Superreichen nach den Spielen zusammenkommen.

„Und jeder VIP bringt dann einen Mikro-VIP mit sich, der dann wieder ein Haus hier kauft“, so Mitchumm. „Damit nimmt sicher die Allüre, der Charme der Stadt zu. Aber ich weiß nicht, inwiefern die Einwohner Comos auf den Ansturm vorbereitet sind.“ Schon jetzt seien rund um die Spiele die Straßen Comos verstopft, Einheimische fänden keine Parkplätze, die Warteschlangen vor den Fähren am See seien ewig lang.

Es ist eine zweischneidige Entwicklung, die die idyllische Stadt am See gerade durchmacht. Eine Fankurve, die immer voller wird, aber auch eine Aufwärtskurve bei den Preisen: Die Mieten steigen. Und vom Mittagessen im Restaurant, sagt Mitchumm, müsse man gar nicht erst reden. Das könne sich jetzt schon kein Einheimischer mehr leisten.

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