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Startseite»Politik»Flugticket-Preise: Was bringt die Senkung der Luftverkehrssteuer?
Politik

Flugticket-Preise: Was bringt die Senkung der Luftverkehrssteuer?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 21, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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faq

Stand: 21.05.2026 • 14:21 Uhr

Der Bundestag stimmt heute darüber ab, ob die Luftverkehrssteuer sinken soll – trotz des ökologischen Schadens. Was bedeutet das für Ticketpreise? Und ist Fliegen in Deutschland wirklich teuer als im europäischen Vergleich?

Die Luftverkehrsteuer wurde in Deutschland 2011 eingeführt und wird auf jeden Abflug eines Passagierflugzeugs von einem deutschen Flughafen erhoben. Im Jahr 2025 wurden rund 84 Millionen Tickets besteuert – das brachte dem Staat Einnahmen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro ein. Heute stimmt der Bundestag über eine Senkung ab.

Um was geht es?

Nach Ansicht der Luftverkehrsbranche bremsen die Steuer sowie höhere Gebühren für Kontrollen und Flugsicherung die Erholung des Luftverkehrs nach der Corona-Flaute in Deutschland stärker als im übrigen Europa.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag eine Absenkung vereinbart, die nun zum 1. Juli umgesetzt werden soll. Den Bund kostet das voraussichtlich rund 350 Millionen Euro im Jahr.

Werden Tickets dadurch günstiger?

Airlines geben Steuern und Gebühren in der Regel unverändert an ihre Kunden weiter. Die geplante Steuersenkung ist jedoch marginal, eine Verpflichtung die Senkung weiterzugeben besteht zudem nicht. Für Flüge im Inland, in Europa sowie auf anderen Kurzstrecken sollen künftig statt 15,53 Euro noch 13,03 Euro Steuer anfallen – also 2,50 Euro weniger. Rund 80 Prozent der besteuerten Tickets fielen 2025 in diese Kategorie.

Auf Mittelstrecken, also bei Zielen zwischen 2.500 und 6.000 Kilometer Entfernung, werden künftig 33,01 Euro fällig, rund sechs Euro weniger. Bei Langstreckenflügen zahlen Fluggäste künftig mit 59,43 Euro knapp 11,40 Euro weniger.

Die Ersparnis kann durch andere Preisbestandteile jedoch schnell wieder zunichtegemacht werden. So haben in der Folge des Iran-Kriegs die Airlines ihre Zuschläge und Gebühren etwa für Treibstoff, Extra-Services oder Umbuchungen stark erhöht.

Wie regeln andere Länder das?

Eine Luftverkehrsteuer wird in vielen europäischen Staaten erhoben. Deutschland und Frankreich liegen in der Spitzengruppe, noch teurer sind Starts aus den Niederlanden. Schweden hat die Abgabe 2025 vollständig abgeschafft und zunächst einen Anstieg beim Flugverkehr verzeichnet.

Was soll mit der Steuer grundsätzlich erreicht werden?

Bei der Einführung hatte die Koalition aus CDU und FDP 2011 vor allem höhere Einnahmen im Blick – eine Zweckbindung für umweltfreundlicheren Luftverkehr gab es nie. Höhere Ticketpreise können die Nachfrage dämpfen. Umweltverbände werten das als ökologische Lenkungswirkung, die zudem andere Privilegien der Luftfahrt etwa beim unbesteuerten Kerosin zumindest abschwächt.

Welche weiteren Wirkungen hat die Steuer?

Die Luftverkehrsteuer verteuert Abflüge aus Deutschland und hat damit auch Einfluss auf das Angebot. Lockangebote für 9,99 oder 19,99 Euro sind für Direktfluganbieter wie Ryanair unattraktiv – durch die Steuer würden sie draufzahlen.

In der Folge verlagern sie ihr Angebot in Länder mit niedrigeren Einstiegskosten wie Polen oder Italien. Laut dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) boten Billigflieger in Deutschland 2025 lediglich 82 Prozent ihres Vor-Corona-Angebots an. Im übrigen Europa waren es 131 Prozent.

Profitieren deutsche Airlines wie die Lufthansa jetzt?

Netzwerkgesellschaften wie die Lufthansa Gruppe haben durch die Abgaben Kostennachteile an ihren deutschen Drehkreuzen. So sind beim Abflug eines A320-Mittelstreckenjets in Frankfurt aktuell 4.800 Euro Steuern und Gebühren fällig. Mit der geplanten Senkung würden diese nach Lufthansa-Berechnungen zwar auf 4.300 Euro fallen, lägen aber immer noch deutlich über Zürich (2.900 Euro) oder Madrid (690 Euro).

Auch die Lufthansa verlagert daher Umsteigerverkehr auf ihre Drehkreuze im Ausland und dünnt den Inlandsflugplan weiter aus. Die Zahl der Inlandsflüge liegt weiter nur etwa halb so hoch wie 2019.

Was sagt die Branche?

Die Luftverkehrsbranche fordert weitere Entlastungen. Eine Absenkung der Ticketsteuer sei „ein notwendiger erster Schritt“, reiche aber nicht aus, um Nachteile im europäischen Wettbewerb auszugleichen, schreibt der BDL. Die Maßnahme entfalte nicht die notwendige Signalwirkung für eine nachhaltige Trendwende, meint auch der Flughafenverband ADV.

Quelle: Nachrichtenagentur dpa

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