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Startseite»Politik»„Goldener Spatz“ – ein Medienfestival, das Kindern mehr Teilhabe verschafft
Politik

„Goldener Spatz“ – ein Medienfestival, das Kindern mehr Teilhabe verschafft

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 9, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 09.06.2026 • 06:23 Uhr

Seit fast 50 Jahren widmet sich das Festival „Goldener Spatz“ deutschsprachigen Medien für Kinder. Im Fokus steht die Teilhabe an der Gesellschaft. Das zeigt sich im Programm und bei der Jury.

Eine wichtigere Plattform für deutschsprachige Kindermedien gibt es kaum: Das Kinder Medien Festival „Goldener Spatz“ ist eine Institution. 1979 noch in der DDR gegründet, fand es anfangs noch alle zwei Jahre in Gera statt. Nach der Wende konnte es damit punkten, dass es sich sowohl an das junge Publikum, als auch an Fachbesucher richtete – was es mit diversen Branchenangeboten bis heute tut. Ein solches Format fehlte in der gesamtdeutschen Festivallandschaft. So überlebte der „Goldene Spatz“ und zieht heute jährlich Tausende Besucher nach Gera und Erfurt.

Zur 34. Ausgabe stehen rund 100 Veranstaltungen auf dem Programm. Junge Filmfans können sich auf lange und kurze Spielfilme, Animations- und Dokumentarfilme freuen. Eine Besonderheit des Festivals: Die Goldenen Spatzen, die Preise in den verschiedenen Wettbewerbskategorien, werden nicht von einer Fachjury, sondern von einer Kinderjury vergeben. Die 28 Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 13 Jahren stammen aus ganz Deutschland und angrenzenden Ländern und haben sich für diese Tätigkeit extra beworben. Damit verbindet sich ein medienpädagogischer Anspruch des Film- und Medienfests, der sich durchaus auch im Programm wiederfindet.

Teilhabe an der Gesellschaft im Fokus

„Wie können wir Kinder befähigen, an der Gesellschaft teilzuhaben?“ Das ist für Festivalleiterin Elisabeth Wenk eine der Leitfragen bei der Programmgestaltung. Viele aktuelle Filme ermutigten Kinder, sich auszutauschen, „um die Welt vielleicht ein bisschen besser, ein bisschen fairer für Kinder zu machen“, so Wenk im Gespräch mit MDR KULTUR: „Und natürlich ist immer auch der Fokus da, positive Vorbilder zu entwickeln, an denen sich Kinder entlanghangeln können.“

Szene aus dem Eröffnungsfilm „Plitsch Platsch Forever!“ von Natascha Beller.

Ein gutes Beispiel ist der Eröffnungsfilm „Plitsch Platsch Forever!“. Darin wird die Hauptfigur mit einem für viele Kinder und Jugendliche realen Problem konfrontiert: Das örtliche Schwimmbad soll aus Kostengründen schließen – was die 11-jährige Filmprotagonistin nicht einfach so hinnehmen will. Der Film der Schweizerin Natascha Beller feiert im Rahmen des Festivals seine Premiere, ebenso wie „Koschka“ von Bernd Sahling. Der Regisseur und Medienpädagoge erzählt von der Freundschaft zwischen einem Jungen und einer Katze – und von der Verantwortung, die damit einhergeht.

Als weitere Programmhöhepunkte gelten auch das Animationsabenteuer „Alles voller Monster“ von Steve Hudson und die Coming-of-Age Geschichte „Heute heißen alle Sorry“ der belgischen Filmemacherin Frederike Migom. Der Film hatte seine Weltpremiere auf der Berlinale in der für Kinder konzipierten Reihe „Generation Kplus“.

Gilt als Highlight des diesjährigen Festival-Programms: Animationsabenteuer „Alles voller Monster“ von Steve Hudson

Neuer Rekord und neue Erzählformen

Mit 250 Einreichungen konnte das Festival diesmal schon im Vorfeld einen neuen Rekord verzeichnen. Daraus wurden 37 Beiträge für den Wettbewerb „Film & Serie“ ausgewählt – aufgefächert in sechs Einzelkategorien – sowie sechs Beiträge für den Wettbewerb „Interaktives & Digitales Storytelling“. Diese kleinere Sektion gehört neben der Kinderjury ebenfalls zu den Besonderheiten beim Goldenen Spatz. Sie orientiere sich an der realen Mediennutzung der Kinder, erklärt Festivalleiterin Wenk. Diesen Alltagsaspekt habe das Festival schon immer im Blick gehabt und deswegen auch Fernsehformate integriert.

Heute habe sich die Mediennutzung noch einmal erweitert und sei transmedial geworden, so Wenk. „Das Kind von heute bewegt sich zwischen den medialen Welten.“ Neben klassischen Kinofilmen und Fernsehsendungen schaue man deshalb auch auf Webserien und Webformate, die nicht mehr linear rezipiert werden, ebenso wie auf Computerspiele und Augmented oder Virtual Reality: „Wir versuchen mit unserem Festival immer da zu sein, wo auch Medien für Kinder gemacht werden, egal auf welcher Plattform.“

Besondere Wettbewerbskategorie

„Gute Geschichten, digital erzählt“ lautet das Motto des kleinen Wettbewerbs. Mit dabei ist die „Maus“-Themenseite zu künstlicher Intelligenz vom WDR oder auch „Ezra & Alex“, ein Mobile- und Browser-Game vom Landesverband Kinder- und Jugendfilm Berlin e.V. Doch auch das Kino sei nach wie vor gefragt, betont die Festivalleiterin. Kinder- und Jugendfilme hätten einen hohen Anteil am Gesamtmarkt.

Zum Kinoerlebnis gehört beim Festival auch das Gespräch mit den Macherinnen und Machern nach dem Film. Einer der bekanntesten Gäste in diesem Jahr ist der Schauspieler Frederick Lau. Er präsentiert in der Retrospektive den Film „Wer küsst schon einen Leguan?“ aus dem Jahr 2004, der ihm vor über 20 Jahren seinen ersten Goldenen Spatz einbrachte.

Bei der Preisverleihung am Freitag, 12. Juni in Erfurt werden insgesamt zwölf Preise vergeben, darunter neun Goldene Spatzen durch die Kinderjury.

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Dr. Heinrich Krämer
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