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Startseite»Politik»Homeoffice: Was neue Orte, Bewegung und Kontakte für die Psyche bewirken
Politik

Homeoffice: Was neue Orte, Bewegung und Kontakte für die Psyche bewirken

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 5, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 05.06.2026 • 17:15 Uhr

Wer täglich neue Orte aufsucht, fühlt sich besser. Das zeigen Studien. Auch Bewegung, Umgebung und soziale Kontakte sind wichtig für die mentale Gesundheit. Was heißt das für den Alltag im Homeoffice?

Die Pandemie hat das Arbeiten von zu Hause normal gemacht. Etwa jeder Vierte arbeitet in Deutschland 2025 zumindest teilweise im Homeoffice. Einige Menschen sagen, sie seien produktiver und glücklicher im Homeoffice. Andere meinen, es sei schlecht für die Arbeitsmoral und fördere Isolation.

Ob und wie Remote-Arbeit der Gesundheit schadet, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Forschung zeigt aber, dass Wohlbefinden stark davon abhängt, wie viel Abwechslung der Alltag bietet – durch neue Orte, soziale Kontakte oder Bewegung.

Dass das Thema an Dringlichkeit gewonnen hat, zeigt eine aktuelle Studie im Fachjournal Science. Sie analysierte Daten von über einer halben Million Menschen in den USA zwischen 2011 und 2024. Die Untersuchung ergab, dass Beschäftige in Berufen, die im Homeoffice arbeiten könnten, häufiger unter psychischen Belastungen litten. Besonders betroffen waren Alleinlebende.

Nico Dragano, Direktor des Instituts für Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, betont im Interview mit ARD Gesund: „Das Homeoffice an sich ist nicht das Problem, sondern die Art und Weise, wie es gestaltet wird.“

Neue Orte heben die Stimmung

Beim mobilen Arbeiten ist die räumliche Mobilität oft automatisch reduziert. Doch wer im Alltag verschiedene Orte besucht, fühlt sich besser. Das hat ein US-Forschungsteam herausgefunden. Dazu hatten die Wissenschaftler mehrere Monate den Alltag von mehr als 100 Personen mithilfe von GPS-Daten getrackt, sie regelmäßig per SMS gefragt, wie sie sich fühlten und bei einigen Probanden außerdem die Gehirnaktivität im Ruhezustand untersucht.

Dabei spielte es keine Rolle, wie viel Zeit man an einem neuen Ort verbringt. Die Neuheit an sich löst demnach positive Gefühle aus. Auch Umgebungsvielfalt kann positive Auswirkungen haben. Im Gehirn zeigt sich dabei eine enge Verbindung zwischen dem Hippocampus und dem Nucleus accumbens – also zwischen Gedächtnis- und Belohnungssystem.

Körperliche Aktivität steigert Energie

Ein weiterer Faktor, der beim Homeoffice häufig zu kurz kommt, aber einen starken Einfluss auf unsere Stimmung hat, ist Bewegung. Markus Reichert, Koordinator einer der bislang größten Studien zu Bewegung und Wohlbefinden im Alltag, betont: „Körperliche Alltagsaktivität macht energiegeladener, zuverlässig, egal in welchem Kontext.“

Der Effekt auf positive Stimmung ist ebenfalls nachweisbar, aber weniger einheitlich. Besonders ins Gewicht fällt der Befund für psychisch vulnerable Personen. Denn wer neurobiologisch anfälliger für psychische Erkrankungen ist, profitiert überdurchschnittlich von Bewegung, trägt aber auch ein größeres Risiko bei Inaktivität.

Soziale Kontakte verbinden Wohlbefinden und Bewegung

Eine dritte Dimension, um das eigene Wohlbefinden zu steigern, ist die soziale Aktivität. Unterstützende Kontakte – mit Freunden, Partnern oder engen Bekannten – verbessern nicht nur das Wohlbefinden direkt, sondern wirken auch als Brücke zwischen Stimmung und körperlicher Aktivität. Wer sich sozial eingebunden fühlt, bewegt sich auch mehr, zeigt die Forschung.

Irina Timm spricht im Interview mit ARD Gesund von sozialen Kontakten als Mediator zwischen affektivem Wohlbefinden und Bewegungsverhalten. Sie forscht am Karlsruher Institut für Technologie zu Bewegung und Wohlbefinden im Alltag und hat neben Reichert auch an der Studie mitgewirkt.

Außerdem zeigten ihre Ergebnisse, dass Bewegung und soziale Interaktion sich zum Teil kompensieren können. Wer allein ist, aber zuvor körperlich aktiv war, kann die stimmungssenkenden Effekte von Alleinsein zumindest teilweise abfedern.

Was das für den Alltag bedeutet

Die psychischen Risiken des Homeoffice lassen sich nicht allein durch eine Rückkehr ins Büro lösen. Entscheidend ist, ob der Alltag Raum für Ortsvielfalt, Bewegung und soziale Begegnung lässt – unabhängig vom Arbeitsort. Wer bewusst andere Wege wählt, Ausflüge in andere Stadtteile plant oder Aktivitäten mit anderen verbindet, kann diese Faktoren auch im Homeoffice integrieren.

Irina Timm nimmt auch die Städte in die Verantwortung: „Gute Stadtplanung ist auch Gesundheitsplanung.“ Grünflächen, gute Fußwege und abwechslungsreiche Quartiere sind demnach nicht nur ästhetische, sondern gesundheitspolitische Entscheidungen.

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