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Startseite»Nachrichten»„Ich bin feminin“: Good-bye, Dolly, we will always love you!
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„Ich bin feminin“: Good-bye, Dolly, we will always love you!

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 26, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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„Ich bin feminin“Good-bye, Dolly, we will always love you!

26.08.2026, 14:27 Uhr Ein Nachruf von Sabine Oelmann
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Am 29. Mai 2026: Dolly Parton, die „Book-Lady“, bei einer Feier ihres Bücher-Projekts für Kinder in den USA. (Foto: IMAGO/Newscom World)

Wer heute Morgen aufwachte und überrascht war, dass Dolly Parton gestorben ist, ist nicht allein. Man wusste, dass der Tod ihres Ehemannes 2025 sie stark mitgenommen hatte. Aber dass eine wie Dolly Parton nicht mehr da ist, ist eigentlich kaum vorstellbar.

Was soll man über eine Naturgewalt wie Dolly Parton sagen? Ist nicht alles schon gesagt? Kann sein. Am wichtigsten ist doch aber das, was sie selbst über die Jahre gesagt – und gesungen – hat. Dolly Parton hat nie ein Blatt vor den Mund genommen. Sie hat sich eingesetzt, für Kolleginnen und Kollegen, für die Schwächeren, Kinder, Kranke, für „die anderen“, vor allem die, die nicht so begünstigt waren. Man glaubt, alles über sie zu wissen, das mag sein, aber wissen wir wirklich, welch immensen Einfluss Dolly Parton hatte?

Mit ihrer grellen Erscheinung wirkte sie früher auf unbestimmte Art immer etwas älter als sie eigentlich war, bis es sich dann wendete: Ihr ikonischer „Immer ein bisschen too much von allem“-Look konservierte sie, bis sie eine Frau in den Sechzigern und Siebzigern war, die sich sämtlichen Gesetzen der Schwerkraft, des Alters, des Geschmacks und allem, was üblich war, widersetzte. Sie hatte diese ihr eigene, charmante, zugleich freche Art, mit der sie diejenigen entwaffnete, die ihr – noch – kritisch gegenüberstanden, und diejenigen noch mehr begeisterte, die ihr eh schon verfallen waren.

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Ein Jahr vor ihrem Tod: Dolly Parton strahlt bei einem Event im Nashville Fisher Center for the Performing Arts in Tennessee. (Foto: IMAGO/AFF-USA)

Sie strahlte. Betrat sie einen Raum oder eine Bühne, dann wurde es heller. Sie sang – nicht nur – Countrysongs mit diesem unverkennbaren, leicht micky-mousigen, ikonischen Zitter-Timbre, sie leuchtete so stark, dass ihre Duett-Partner und -Partnerinnen ebenfalls im Licht standen, und sie war so viel mehr als eine Sängerin. Sie war die Ermöglicherin zahlreicher anderer Karrieren. Gleichzeitig sagte sie von sich, dass es ihr nicht zustehe, über andere zu urteilen, das wolle sie sich nicht anmaßen. Einmal ein Mädchen aus Tennessee, immer ein Mädchen aus Tennessee.

Sie wollte geliebt werden, akzeptiert, und respektiert – und deshalb liebte, akzeptierte und respektierte sie andere Menschen. „Wenn alle gleich wären – wie langweilig wäre das?“, fragte sie einmal in einem Gespräch mit Drew Barrymore. Sie war überhaupt nicht „gleich“ – niemand war oder ist oder wird wie sie sein. Ihr bisweilen krasses Äußeres täuschte manchmal einfach nur über ihre Zartheit, Klarheit und Stärke hinweg.

So war Dolly

Sie sagte so kluge Dinge wie: „Wir können nicht einfach hoffen, dass es besser wird, wir müssen etwas dafür tun, dass es besser wird. Wenn die Liebe verschwindet, dann müssen wir sie suchen, finden, ausgraben, damit wir sie wieder teilen können, mit unserer Familie, unseren Freunden, unseren Nachbarn.“ So war Dolly – selbst, wenn es ihr nicht gut ging, hatte sie ein Ohr für andere, einen Rat. Ihre Weisheiten berühren, nun, wo sie – für so viele überraschend nach kurzer Krebserkrankung – gestorben ist, um so mehr. Ihr Einsatz für die Schwächsten, die Benachteiligten, und ihre Musik, sind ihr Vermächtnis. Dolly Parton wird nie verschwinden, und ihre Worte wirken nach. Wir werden weiterhin „Jolene“ singen, „Islands in the Stream“, „9 to 5“, und wir werden ihre 1974er-Version von „I will always love you“ endlich noch mehr zu schätzen wissen.

„Du bist genug! Jeder, der dir etwas anderes sagt, ist deine Zeit nicht wert“ sagte die 1,52 Meter kleine Musikerin, Schauspielerin, Songwriterin und Unternehmerin erst in jüngster Vergangenheit in einer Doku: Immer dann, wenn andere nicht an sie glaubten, glaubte sie an sich. Es machte ihr vor allem einen diebischen Spaß, Menschen, die sie unterschätzen, eines Besseren zu belehren: „Während der Typ in der Bank sich noch Gedanken über mein Outfit, meine Haare und meine Brüste machte und sich fragte, ob an mir alles echt ist, hatte ich den Kredit schon in der Tasche und war raus.“

Und in einer Zeit, in der es nicht allen Kindern möglich war – und ist – Bücher zu lesen, brachte sie, die keine eigenen Kinder hatte, mit ihrer „Imagination Library“ über 200 Millionen Bücher in Schulen und Kindergärten. Die Liste von Lehrern und Eltern, die Dolly Parton danken, ist unendlich – denn auf ihrem Weg aus einfachen Verhältnissen mit einem analphabetischen Vater nach ganz oben hat sie nie die vergessen, die am Wegesrand standen.

„I’m a very professional Dolly Parton“

Hat man jemals etwas Schlechtes über Dolly Parton gehört? Warum auch? Es gibt nichts. Ihr Trick war, nicht nur zu singen, nicht nur Charity „zu machen“, sondern all das mit Leben zu füllen. Nicht nur zu sagen, wenn ihr euch anstrengt, dann schafft ihr das auch, nein, Dolly Parton hat die Menschen gesehen. Und diesen Mutterwitz praktiziert, den man sich nicht antrainieren kann: Wenn sie jemandem also einen Rat gegeben hatte, endete sie meist mit: „Verstanden? Okay? Durch die Tür musst du dann aber allein gehen.“ Kurze Pause: „Pass aber auf, dass sie dir nicht vor der Nase zuknallt!“

Auf die Frage eines jungen Fans in einem Videoausschnitt – den Klamotten nach zu urteilen müssen es die Achtziger gewesen sein – ob sie sich je gewünscht hätte, als Mann geboren worden zu sein, antwortete sie: „Gott bewahre, ich war immer eine Sissy! Aber wenn ich als Mann geboren worden wäre, dann wäre ich eine Dragqueen.“

Ob sie eine Feministin sei, wurde sie 2023 im BBC-Frühstücksfernsehen gefragt: „Ich bin feminin“, lachte sie, „und ich habe all diese Songs geschrieben für Frauen, da muss ich nicht mehr auf die Straße gehen und protestieren. Ich kann dir aber sagen, wie du in einem Meeting mit Männern am besten deine Positionen durchsetzt.“

Ihr Motto war: „Ich sehe aus wie eine Frau, aber ich denke wie ein Mann“, ihre Überzeugung: „Egal, ob du alt, jung, arm oder reich, weiß, schwarz, grün oder grau wie ein Alien bist – du solltest mit Respekt und demselben Stundensatz wie ein Mann bezahlt werden.“ „I’m a very professional Dolly Parton“, sagte sie noch.

Vor Verlusten hatte die Patentante von Miley Cyrus keine Angst, vor Fehlern schon gar nicht. „Ich war so arm, dass ich nichts zu verlieren hatte, nur zu gewinnen.“ Sie arbeitete gerne, auch hart – für sich, an ihrer Karriere, an ihrem Glück, und sie gab gern ab. Fehler brachten sie weiter: „Ich fühle mich nie wie ein Loser, denn ich habe ja an Erfahrung gewonnen.“

Oh Dolly, wir werden weiter hart arbeiten, from 9 to 5, dich immer lieben und als unsere Insel im Strom betrachten. Achtzig ist ein stolzes Alter, aber irgendwie dachten und hofften wir, von dir noch viel mehr zu hören. 80 ist wirklich viel zu jung!

Quelle: ntv.de

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