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Startseite»Nachrichten»Idylle zwischen Weinbergen: In Sommerloch kennen sie schon alle Witze
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Idylle zwischen Weinbergen: In Sommerloch kennen sie schon alle Witze

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 19, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Idylle zwischen WeinbergenIn Sommerloch kennen sie schon alle Witze

In Sommerloch in Rheinland-Pfalz leben rund 420 Menschen. (Foto: picture alliance/dpa)

Es ist ein Ortsname, der bundesweit für Schmunzeln sorgt. Aber Vorsicht: Die meisten Witze darüber kennen die Einwohner und Einwohnerinnen bereits. Ein Besuch.

Sagen wir es offen: Das Sommerloch hat keinen guten Ruf. Jedes Jahr, wenn die Parlamente in Deutschland Ferien machen und die Nachrichtenlage dünner wird, ist es da. Dann schaffen Krokodile im Baggersee, riesige Kürbisse oder politische Hinterbänkler den Sprung in die Schlagzeilen. Das eigentliche Sommerloch aber liegt ziemlich idyllisch zwischen Weinbergen. Und dort fragt man sich, worüber der Rest des Landes eigentlich redet.

Willkommen in Sommerloch in Rheinland-Pfalz, rund 420 Einwohner, Postleitzahl 55595. „Gibt’s das wirklich? Sommerloch?“ Andrea Kolling kennt diesen Satz in allen Tonlagen – erstaunt, belustigt, ungläubig. Die ehemalige Naheweinkönigin steht regelmäßig mit dem Wein ihres Familienguts auf Festen zwischen Rheinland und Westfalen. Der Ortsname erledigt die Kontaktaufnahme zuverlässig.

Sommerloch: Kaum gelesen, schon steht jemand am Stand. Aus einem Wort wird ein Gespräch und nicht selten ein Glas Wein. Marketingberater würden dafür wohl viel Geld verlangen. Sommerloch bekommt den Effekt frei Haus.

Andrea-Kolling-Besitzerin-des-Weinguts-Keber-Kolling-steht-in-einem-Weinberg-der-Ortschaft
Der Name Sommerloch bringt Menschen ins Gespräch, berichtet Andrea Kolling, Besitzerin eines Weinguts und ehemalige Naheweinkönigin. (Foto: picture alliance/dpa)

Dass man den Namen im Dorf mit Humor nimmt, zeigt sich auch im Kleinen. Im Wohnzimmer der Familie Kolling gibt es über dem Sofa eine winzige Macke in der Wand. „Meine Enkelin Theresa steckte neulich ihren Finger hinein und verkündete ernsthaft: ‚Das ist das Sommerloch'“, erzählt Kolling und lacht.

Besser lässt sich der Unterschied zwischen Redewendung und Realität vielleicht kaum illustrieren. Denn das eigentliche Kuriosum ist nicht der Name. Kurios ist vielmehr, wie wenig er zum Ort passt.

„Bei uns ist eigentlich immer etwas los“

Wer das Wort Sommerloch hört, denkt an Leerlauf. An heruntergelassene Rollläden, gähnende Marktplätze und einen Veranstaltungskalender, auf dem mehr Weißraum als Termine zu finden ist. Hingegen scheint sich Sommerloch alle Mühe zu geben, dieses Vorurteil zu widerlegen. Und wer einen Witz über den Namen auf den Lippen trägt, erfährt schnell: Den kennen sie hier längst.

„Bei uns ist eigentlich immer etwas los“, sagt Laura Tullius, ebenfalls ehemalige Naheweinkönigin. Hoffeste, Weinwanderungen, Kerb (Kirmes), Weinfeste – der Jahreskalender des Dorfs im Landkreis Bad Kreuznach wirkt wie der einer Kleinstadt. Wenn Kerb ist, öffnen Höfe, Kinder laufen herum, an der Schießbude knallen Luftgewehre, in den Gläsern schimmert Riesling.

Dazwischen passiert das, was in vielen Dörfern oft nicht mehr selbstverständlich scheint: Nachbarn kennen einander. Man hilft sich. Man trifft sich. Tullius nennt Sommerloch „den schönsten Ort der Welt“. In Großstädten würde man diesen Satz für blanke Übertreibung halten. In Sommerloch klingt er wie eine Tatsachenbeschreibung.

Auch Maria Barth erlebt regelmäßig den Aha-Moment ihrer Gäste. Wer erzähle, er mache Urlaub in Sommerloch, ernte irritierte Blicke. Danach folge fast immer dieselbe Frage: „Wo ist das denn?“ Die Antwort führt in einen Weinort, der früher auch für seine vielen Kirschbäume bekannt war und heute besonders von seinen Vereinen lebt. Feuerwehr, Fastnacht, Sportclub – es gibt Orte mit größerer Einwohnerzahl und deutlich weniger Gemeinsamkeit.

Saure-Gurken-Zeit? Nicht hier

Selbst der Ortsbürgermeister muss regelmäßig erklären, dass der Name nichts mit sauren Gurken zu tun hat. Bernhard Boos verweist lieber auf die mittelalterliche Herkunft. Der Legende nach entwickelte sich der Name Sommerloch aus Sumerlachen, einer feuchten Mulde südlicher Lage, in der Mönche günstige Bedingungen für Acker- und Weinbau fanden.

Boos zählt gerne auf, was im Dorf los ist: Neujahrsempfang, Fastnacht, Feuerwehrfest, Hoffeste, Patronatsfest, Martinszug, Weihnachtskonzert. Dazwischen laden Winzer immer wieder zu Weinabenden. Und von Landflucht ist keine Spur: „Wir sind gerade dabei, ein neues Gebiet mit 16 Bauplätzen zu erschließen“, schildert der parteilose Ortsbürgermeister.

Vielleicht liegt darin die Pointe. Während andernorts über das Sommerloch geklagt wird, profitiert Sommerloch ganz entspannt davon. Der Name macht neugierig, bringt Menschen ins Gespräch und lockt Besucher und Besucherinnen an. Und falls doch jemand nach dem Sommerloch sucht: Im Putz über einem Sofa wird er fündig.

Quelle: ntv.de, Wolfgang Jung, dpa

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