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Startseite»Nachrichten»Infektiosität von Amyloid-Beta: Kann eine Bluttransfusion zu Alzheimer führen?
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Infektiosität von Amyloid-Beta: Kann eine Bluttransfusion zu Alzheimer führen?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 26, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Infektiosität von Amyloid-BetaKann eine Bluttransfusion zu Alzheimer führen?

Blutkonserven im Labor: Weil es noch keinen wissenschaftlichen Befund gibt, wird bisher nicht nach Alzheimer-Biomarkern geschaut. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Viele Menschen fürchten sich, im Alter an Alzheimer zu erkranken. Umso wichtiger ist es, die Auslöser für die neurodegenerative Erkrankung zu kennen. Eine Befürchtung ist, dass diese auch in Blut und Blutpräparaten stecken könnten. Ein Forschungsteam geht deshalb dieser Frage nach.

Forschende können aktuell nicht ausschließen, dass durch Bluttransfusionen schädliche Proteine übertragen werden können, die zur Alzheimer-Krankheit führen. Dabei spielen sogenannte Amyloid-Beta-Proteine eine wesentliche Rolle. Diese Proteine stehen im Zusammenhang mit Alzheimer, einer Form der Demenz und der sogenannten zerebralen Amyloidangiopathie, kurz CAA, die Hirnblutungen und dadurch Schlaganfälle verursacht. Eine Übertragung der Amyloid-Beta-Pathologie durch Blut und Blutprodukte sei eine berechtigte Sorge, schreibt das Team um John Collinge vom University College London in der Fachzeitschrift „The Lancet“ dazu.

„Bluttransfusionen sind wichtig und retten viele Leben. Um jedoch sicherzustellen, dass sie so sicher wie möglich sind, ist es wichtig, dass wir alle potenziellen Risiken gründlich untersuchen“, so Collinge. Für die aktuelle Übersichtsarbeit wurden eine Reihe vorheriger Studienergebnisse einbezogen. Darunter auch eine große skandinavische Studie, deren Ergebnisse 2023 veröffentlicht wurden. Diese Untersuchung lieferte Hinweise darauf, dass Empfänger von Blut von Spendern, die später multiple Hirnblutungen, die als ein Marker für CAA gelten, entwickelten, selbst ein erhöhtes Risiko für Hirnblutungen aufwiesen.

Zudem zeigte der Untersuchungsbericht von 2024 deutlich, wie wichtig es sei, Lehren aus früher gemachten Fehlern zu ziehen. Mithilfe des Berichts sollte der Skandal um die Verabreichung von infiziertem Blut in Großbritannien aufgearbeitet werden. Ihm zufolge wurden möglicherweise rund 30.000 Patienten und Patientinnen über Blutprodukte mit HI-Viren, Hepatitis B und C infiziert. Mehr als 3000 Menschen starben an den Spätfolgen der Infektionen. Der größte Behandlungsskandal des britischen Gesundheitsdienstes ging als ‚“Infect Blood Scandal“ in die Medizingeschichte ein.

Fälle von früher Demenz beschrieben

„Die Untersuchung zum Fall des infizierten Blutes liefert ein warnendes Beispiel dafür, dass man nicht auf absolute Gewissheit warten sollte, bevor man Entscheidungen zur Patientensicherheit trifft“, betonte Collinge laut einer Mitteilung der Uni. In Untersuchung, an der Collinge und Kollegen beteiligt war und deren Ergebnisse 2024 veröffentlicht wurden, ging es um fünf Fallbeispiele von Alzheimer-Betroffenen, die sich im frühen Kindesalter einer Behandlung mit menschlichen Wachstumshormonen unterzogen hatten.

Dabei handelte es sich um Empfänger sogenannter Spender-Dura-mater-Transplantaten. Das bedeutet: Die Wachstumshormone mussten noch sehr aufwendig aus den Hirnanhangdrüsen von menschlichen Leichen gewonnen werden. Das Problem dabei: Über diese Präparate wurden wahrscheinlich sogenannte Prionen übertragen, die in den beschriebenen Fällen zu den früh einsetzenden Demenzsymptomen geführt haben können.

Prionen sind winzige, fehlerhaft gefaltete Proteine. Im Gegensatz zu Viren oder Bakterien besitzen sie keine DNA oder RNA. Dennoch können sie sich im Körper ausbreiten, gesunde Proteine anstecken und zerstören, was schließlich zu tödlichen Gehirnerkrankungen führt. Dazu zählen die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die zerebrale Amyloidangiopathie, die zu Hirnblutungen und Schlaganfällen führt, und die Alzheimer-Krankheit. Aus Sicherheitsgründen wurde die Gabe von Wachstumshormonen, die aus menschlichen Leichen gewonnen worden waren, weltweit im April 1985 zur Behandlung von Wachstumsschwierigkeiten eingestellt. Seitdem kommen im Labor hergestellte Hormone zur Therapie von Wachstumsstörungen zum Einsatz.

Auch wenn die aktuellen Ergebnisse der Übersicht keine kausalen Zusammenhänge zwischen der Gabe von Bluttransfusionen und -Blutprodukten und dem Entstehen von Alzheimer liefern kann, sind die Ergebnisse doch ein weiterer Hinweis auf diese Möglichkeit. Die Forschenden „halten es für wichtig, offen und transparent über mögliche Risiken der Amyloid-Beta-Übertragung zu sprechen, damit potenzielle Risiken für Patienten proaktiv minimiert werden können.“ Auch wenn die Risiken derzeit als gering eingeschätzt werden, sei eine gezielte Forschung nötig: einerseits um die Infektiosität von Amyloid-Beta-Proteinen eindeutig zu klären und andererseits um das Vertrauen der Öffentlichkeit in Bluttransfusionen aufrechtzuerhalten.

Quelle: ntv.de, jaz

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