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Startseite»Politik»Internationaler Klimabericht: Aus der Luft muss mehr CO2 entnommen werden
Politik

Internationaler Klimabericht: Aus der Luft muss mehr CO2 entnommen werden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 2, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 02.06.2026 • 16:38 Uhr

Die Treibhausgas-Emissionen steigen weiter, viele lassen sich kaum vermeiden. Deshalb wird es immer wichtiger, CO2 wieder aus der Atmosphäre zu entfernen. Ein neuer Bericht zeigt, wie stark die Kapazitäten dafür wachsen müssten.

Was jetzt nach aktuellem Stand der Klimaforschung nötig ist, könnte man als „Negativ-Emissionen“ beschreiben. Denn obwohl seit Jahrzehnten bekannt ist, dass die Treibhausgas-Emissionen sinken müssen, steigen sie immer weiter – 2025 war ein neues Rekordjahr. Und es gibt Emissionen, die sich nicht vermeiden lassen, aus Ackerböden etwa oder bei der Zementherstellung.

Daher muss CO2 wieder aus der Atmosphäre zurückgeholt und sicher gespeichert werden, damit es das Klima nicht weiter aufheizt. Deutlich unter zwei Grad, möglichst 1,5 Grad globale Erwärmung in diesem Jahrhundert – das ist das Ziel des Pariser Klima-Abkommens. Die Folgen einer solchen Erwärmung gelten als noch einigermaßen beherrschbar, wobei das 1,5-Grad-Ziel schon jetzt nicht mehr erreichbar ist.

Vor allem Wälder holen CO2 aus der Luft

Das Gute ist: Jede Pflanze braucht CO2 für ihr Wachstum. Bäume holen am meisten davon aus der Luft. Und wenn das Holz dann in Häusern verbaut oder andere langlebige Produkte wie Möbel daraus hergestellt werden, ist das Treibhausgas langfristig gespeichert. Fast die gesamten 2,2 Milliarden Tonnen CO2, die zuletzt pro Jahr aus der Atmosphäre zurückgeholt wurden, landen in Bäumen; nur zwei Millionen Tonnen werden mit anderen Methoden eingefangen.

Zu diesem Ergebnis kommt die dritte Ausgabe des Berichts „The State of Carbon Dioxide Removal“, der die globale CO2-Entnahme bilanziert und die sich abzeichnenden Entwicklungen analysiert.

Aber: 2,2 Milliarden Tonnen sind nicht einmal sechs Prozent der globalen CO2-Emissionen in Höhe von 38,1 Milliarden Tonnen in 2025, einem neuen Rekordjahr.

Eine deutliche Steigerung ist nötig

Der Bericht befasst sich vor allem mit Entnahme-Methoden, die bisher noch kaum eine Rolle spielen: zum Beispiel mit der Herstellung von Pflanzenkohle mithilfe regenerativer Energien. Sie kann zur Bodenverbesserung genutzt werden. Oder mit Geräten, die CO2 der Luft entziehen, um es sicher im Untergrund einzulagern. Oder mit der Idee, das Meerwasser durch Kalkzugabe basischer zu machen, damit es mehr CO2 aufnimmt als ohnehin schon.

Wälder leiden zwar unter dem zunehmenden Klimawandel, wachsen langsamer, das Risiko für Waldbrände steigt – aber sie sind schon lange ein fester Bestandteil des globalen Klimaschutzes. Den Modellen liege zwar die Annahme zugrunde, dass der Beitrag aus Aufforstung und Wiederaufforstung weiter leicht steigt, erklärt Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik, einer der Autoren des neuen Berichts. Aber der Fokus liege auf neuartigen Methoden.

Weil die CO2-Entnahme durch neue Technologien bis Mitte des Jahrhunderts ein ähnliches Niveau wie die durch Aufforstung erreichen müsse, brauche es jetzt schon eine deutliche Steigerung. „Also man müsste eigentlich bei 70 bis 100 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 landen.“

… aber auch schnell genug möglich?

Eigentlich müsste dem Bericht zufolge der Ausbau neuer CDR-Technologien (Carbon Dioxide Removal, also die CO2-Entnahme) in ähnlicher Weise zunehmen wie etwa die Nutzung von Elektroautos oder Solarzellen für Photovoltaik. Aber es gebe einen entscheidenden Unterschied bei der CO2-Entnahme, sagt Oliver Geden: „Es gibt nicht den Markt für ein neues Produkt. Sondern es geht darum, CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen, und deshalb wird sehr viel mehr öffentliches Geld involviert sein müssen.“

Eine gewaltige Anstrengung. Und derzeit sehe es nicht so aus, als werde CDR eine solche Karriere machen, sagt Co-Autorin Elina Brutschin vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse in Laxenburg bei Wien: „Wir stellen fest, dass bis jetzt kein Land ein klares, CDR-spezifisches und verbindliches Ziel hat, und nur rund ein Drittel erwähnt neuartige CDR in Langfriststrategien“, so die Forscherin. „Das Nettoentnahme-Ziel der EU ist wirklich das einzige rechtsverbindliche quantitative Ziel im Landsektor. Aber da lesen wir auch, dass es bis 2030 voraussichtlich verfehlt wird.“

Dasselbe gilt in vielen Ländern bei den Zielen zur Eindämmung der Treibhausgas-Emissionen. Auch da wäre eine deutliche Steigerung nötig. Denn CO2-Entnahme kann im besten Fall den Teil der Treibhausgas-Emissionen ausgleichen, der sich selbst bei allergrößter Anstrengung nicht vermeiden lässt, wie die schon erwähnten Emissionen aus Ackerböden oder bei der Zementherstellung.

Neue Technologien – hohe Kosten

Bei den neuartigen Entnahme-Methoden liegen die Kosten teils weit über den 70 bis 80 Euro, die eine Tonne CO2 im EU-Emissionshandel kostet. Am teuersten ist es, das Treibhausgas mit technischen Geräten aus der Luft zu holen und im Untergrund einzulagern: mehrere Hundert Euro pro Tonne CO2.

Aber, sagt Sabine Fuss vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Die Kosten können natürlich auch nur runterkommen, wenn man in diese Technologien investiert, das heißt: Da wird es auch kurzfristig nötig sein, Anschubfinanzierungen zu leisten.“

Kurzfristig – weil zuletzt Zeit versäumt wurde, um die Treibhausgas-Emissionen zu senken. Vor allem deshalb ist aus Sicht von Forschenden jetzt mehr CO2-Entnahme nötig, als Wälder allein leisten können.

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