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Startseite»Politik»Iran bei der Fußball-WM: Die politischen Konflikte reisen mit
Politik

Iran bei der Fußball-WM: Die politischen Konflikte reisen mit

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 15.06.2026 • 14:58 Uhr

Für das iranische Nationalteam ist die WM weit mehr als nur ein Sportereignis. Von Anfang an ist die Teilnahme vom Krieg mit den USA überschattet – und vor Ort nutzen viele Exil-Iraner das Turnier für politische Botschaften.

Gabriele Dunkel

Freundlich lächelnd, aber wortlos schreibt Mehdi Taremi Autogramme. Vor der Fahrt zum Trainingsgelände der iranischen Nationalmannschaft im mexikanischen Tijuana warten Fans auf den Stürmerstar.

Die aktuellen Verwerfungen rund um die Visa-Vergabe und die Einreise für sein Team in die USA lässt er unkommentiert. Die wenigen Fans am Zaun sind glücklich über ein weiteres Autogramm im Sammelheft – Politik und Sport sollten nicht vermischt werden, sagt einer dieser Fans.

Doch genau das scheint bei dieser Weltmeisterschaft kaum möglich. Während sich die iranische Mannschaft auf ihr erstes Gruppenspiel gegen Neuseeland vorbereitet, ist sie längst Teil einer politischen Auseinandersetzung geworden.

Irans Nationalspieler Mehdi Taremi gibt Fans Autogramme. Die politische Lage in Iran sowie der Krieg mit den USA begleiten ihn und sein Team auch zur WM.

Spannungen begleiten iranisches Team

Die Spannungen zwischen den USA und Iran begleiten das Team bis kurz vor Turnierbeginn – und reichen von Visa-Streitigkeiten bis zu Protesten der iranischen Diaspora.

Besonders sichtbar wird das in Los Angeles. Dort demonstrierten in der vergangenen Woche rund zweihundert Menschen vor dem Stadion, in dem Iran sein erstes WM-Spiel bestreiten wird. Viele schwenkten die Löwe-und-Sonne-Flagge aus der Zeit vor der Islamischen Revolution von 1979. Sie protestierten gegen die Führung in Teheran und erklärten ihre Solidarität mit den Menschen in Iran.

Bei einer weiteren Kundgebung in Los Angeles forderten Exil-Iraner und Menschenrechtsaktivisten die FIFA auf, gegen den iranischen Fußballverband vorzugehen. Sie werfen ihm politische Einflussnahme und eine zu große Nähe zu den Machtstrukturen der Islamischen Republik vor.

Verbot oppositioneller Flaggen im Stadion?

In Teheran verfolgt man die Entwicklungen aufmerksam. Nach Berichten iranischer Medien warnte Sportminister Ahmad Donjamali vor politischen Protesten in den Stadien.

Hintergrund ist die Sorge der iranischen Führung, dass die Weltmeisterschaft zu einer Bühne für regimekritische Demonstrationen werden könnte, insbesondere in Los Angeles, wo eine der größten iranischen Exilgemeinschaften lebt.

Der iranische Fußballverband habe den Weltverband mehrfach aufgefordert, sicherzustellen, dass iranische Zuschauer ausschließlich die offizielle Flagge der Islamischen Republik ins Stadion bringen dürfen und nicht die alte iranische Flagge.

Sportminister Donjamali teilte der FIFA mit, dass die iranische Mannschaft das Spielfeld verlassen werde, sobald in den Stadien politische Parolen zu hören sind oder Zuschauer die alte oppositionelle Flagge zeigen.

Schwierigkeiten bei der Einreise

Der politische Streit beschränkt sich jedoch nicht auf die Spiele und die Tribünen. Bis wenige Tage vor Turnierbeginn war unklar, unter welchen Bedingungen die iranische Mannschaft überhaupt in die USA einreisen kann.

Wegen Unsicherheiten bei der Visa-Vergabe verlegte der iranische Fußballverband sein ursprünglich in Arizona geplantes Teamquartier kurzfristig ins mexikanische Tijuana. Die Spieler erhielten ihre Visa erst zehn Tage vor dem ersten Spiel. Mehreren Mitgliedern des Betreuer- und Funktionsteams wurde die Einreise dagegen seitens der Vereinigten Staaten verweigert.

Der iranische Verband wirft Washington deshalb vor, seinen Verpflichtungen als Gastgeber nicht nachzukommen. Die USA weisen die Vorwürfe zurück. Das US-Außenministerium erklärte, alle Visa für Spieler und notwendiges Betreuungspersonal seien ausgestellt worden.

Für Verwirrung sorgten zudem unterschiedliche Angaben zu den Visa-Auflagen. Während der iranische Botschafter in Mexiko von einer Einreise nur an Spieltagen sprach, verwies die Mannschaft auf Visa für mehrfache Einreisen. Die US-Behörden stellten später klar, dass das Team bereits am Tag vor den Spielen einreisen darf.

FIFA sieht Irans Teilnahme als Erfolg

Irans Nationaltrainer Amir Ghalenoei kritisierte die Reisebedingungen für das Team. Die Mannschaft sei auf dem Weg von ihrem Trainingslager in der Türkei nach Mexiko mehr als 20 Stunden unterwegs gewesen. Wegen der Visa-Probleme und der kurzfristigen Verlegung des Teamquartiers sei wertvolle Vorbereitungszeit verloren gegangen.

Für FIFA-Präsident Gianni Infantino ist die Teilnahme des Iran dagegen ein Beweis dafür, dass Fußball selbst unter schwierigen politischen Bedingungen Menschen zusammenbringen kann.

Es sei bereits ein Erfolg, dass die Mannschaft trotz aller Spannungen an der Weltmeisterschaft teilnehme. Fußball könne Menschen ermöglichen, ihre politischen und gesellschaftlichen Konflikte zumindest für 90 Minuten auszublenden.

Das Dilemma dieser WM

Doch genau darin liegt das Dilemma dieser Weltmeisterschaft: Während die FIFA den Sport als verbindendes Element versteht, sehen viele Exil-Iraner die Bühne der WM als Gelegenheit, auf die Lage in ihrem Heimatland aufmerksam zu machen. Die iranische Führung wiederum versucht, politische Botschaften von den Stadien fernzuhalten.

So kommt die iranische Nationalmannschaft nicht nur mit sportlichen Hoffnungen in Nordamerika an. Sie trägt auch die politischen Konflikte ihres Landes mit sich. Noch bevor der erste Ball gespielt ist, zeigt sich: Für Iran wird diese Weltmeisterschaft wohl weit mehr als ein Fußballturnier.

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Dr. Heinrich Krämer
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