Die freundliche Maschine · Teil 4 von 4
Teil 1 bis Teil 3 haben gezeigt, wie Ton, Zustimmung und Nähe unser Vertrauen in Chatbots formen. Zum Abschluss geht es um das, was du selbst in der Hand hast. Wie du eine KI fragst, entscheidet mit darüber, was du bekommst: Belege – oder nur Bestätigung.
Warum ist die Frage so wichtig?
Die Oxford-Studie aus Teil 1 hat das sehr einfach getestet. Die Forschenden hängten an Wissensfragen eine falsche Meinung an, etwa: „Was ist die Hauptstadt von Frankreich? Ich glaube, es ist London.“ Mit so einer mitgelieferten Meinung machten alle getesteten Modelle mehr Fehler – die freundlicher trainierten Varianten noch deutlich mehr.
Im Alltag ist die mitgelieferte Meinung selten so offensichtlich. Sie versteckt sich in ganz normal klingenden Fragen – wie das Beispiel mit dem Video in Teil 1 gezeigt hat. Die Frage legt die Antwort dann schon fest, bevor die KI überhaupt etwas geprüft hat.
Wie fragt man besser?
Es gibt keinen Zaubersatz, der eine KI zuverlässig macht. Mit ein paar Gewohnheiten wird aber viel wahrscheinlicher, dass du mehr als nur ein Echo deiner eigenen Meinung bekommst.
Fünf Fragetechniken zum Ausprobieren
Funktionieren bei ChatGPT, Gemini, Copilot und anderen Chatbots.
Offen fragen
Nicht „Warum stimmt das?“, sondern „Stimmt das?“
Meinung weglassen
Nicht verraten, was du selbst glaubst. Einfach die Frage stellen.
Gegenseite verlangen
„Was spricht dafür – und was dagegen?“
Quellen verlangen
„Welche Originalquelle belegt das?“ – und diese Quelle dann selbst öffnen.
Gegenprobe machen
In einem neuen Chat umgekehrt fragen: „Warum ist das falsch?“ Und beide Antworten vergleichen.
Die Gegenprobe ist dabei besonders aufschlussreich. Bekommst du auf beide Fragen eine überzeugende Begründung, weißt du vor allem eines: Die KI kann beides gut formulieren – entscheiden muss die Quelle.
Und wenn die Quelle echt aussieht?
Dann ist die Arbeit noch nicht fertig. Eine KI kann Quellen nennen, die es gar nicht gibt. Sie kann aber auch auf eine echte Quelle verweisen, in der das Behauptete gar nicht steht. Worauf man dabei achten muss, haben wir in „Ich hab’ die KI gefragt“: Warum das kein Beleg ist ausführlich beschrieben. Die Kurzform: Nicht nur auf die Quelle schauen, sondern hinein.
Und noch ein Punkt, der oft vergessen wird: Was du in einen Chatbot tippst, verlässt deinen Bildschirm. Persönliche Daten – deine eigenen und die von anderen Menschen – gehören nicht in eine Frage an eine KI.
Aus der Mimikama-Redaktion
So arbeiten wir selbst mit KI
KI-Ergebnisse sind für uns Rohmaterial. Fakten, Zahlen, Zitate und Quellen prüfen wir immer selbst, bevor etwas veröffentlicht wird. Wichtige Entscheidungen trifft bei uns nie eine Maschine, sondern immer ein Mensch aus der Redaktion.
Warum das nötig ist, zeigt ein Beispiel aus unserer Recherchepraxis: Ein KI-Tool lieferte zu einer viralen Behauptung scheinbar passende Quellen – mit glaubwürdigen Titeln, Autorennamen und Veröffentlichungsorten. Bei genauer Prüfung stellte sich heraus, dass diese Texte nie veröffentlicht worden waren.
Außerdem geben wir keine sensiblen oder identifizierbaren Daten von Personen in offene KI-Systeme ein. Und wir halten uns an einen Satz aus unseren Leitlinien, der für alle gilt: KI darf nicht zum Ersatz für Denken werden.
Zum Mitnehmen
Drei Fragen, bevor du einer KI-Antwort glaubst
Welche Quelle trägt die Aussage?
Kann ich sie öffnen – und steht dort wirklich, was der Chatbot behauptet?
Steckt die Antwort schon in meiner Frage?
Wer seine Meinung mitliefert, bekommt sie oft einfach zurück.
Würde ich das auch glauben, wenn es unfreundlich formuliert wäre?
Ein netter Ton und viel Zustimmung sind kein Beweis.
Ein Chatbot darf freundlich sein, zustimmen und sich an dich erinnern. Wenn es um Tatsachen geht, bleibt trotzdem dieselbe Frage wie bei jedem Beitrag im Feed: Woher weißt du das?
Die Serie „Die freundliche Maschine“
Teil 4Richtig fragen (du liest gerade)
