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Startseite»Politik»Kolumbianische Kämpfer ziehen für die Ukraine in den Krieg
Politik

Kolumbianische Kämpfer ziehen für die Ukraine in den Krieg

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 19, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 19.05.2026 • 07:22 Uhr

Neben ukrainischen Flaggen fallen an der Gedenkstätte für getötete Soldaten in Kiew auch kolumbianische Fahnen auf. Sie erinnern an junge Männer, die fern ihrer Heimat im Kampf gegen die russische Invasion gefallen sind.

Auf einem improvisierten Militärübungsplatz im Nordosten der Ukraine rennen ein paar Soldaten über das Gras und schießen auf in den Boden gesteckte Zielscheiben – es ist eine Übung. Doch das Besondere hier: Die Kommandos sind in spanischer Sprache. Und das mitten in der Ukraine.

Soldat Chris Fucker steht hier in Kampfmontur mit Helm und einem grünen zerfledderten Umhang, der den Anfang 30-Jährigen eins werden lässt mit der Natur. Er ist Infanterist und war früher beim kolumbianischen Heer. Dann bewarb er sich bei der Fremdenlegion der Ukraine. Gerade ist er von der ukrainisch-russischen Front zurückgekommen.

„Man sieht dort den Tod vor sich“, erklärt der Kolumbianer. „Den Tod, Angriffe von Drohnen, Artillerie, Infanterie, tote Russen. Es ist hart. Und einen Menschen zu töten, der für seine Ideale kämpft, ist ebenfalls hart. Vier Russen habe ich getötet.“

Finanzielle Anreize für ausländische Kämpfer

Fucker ist einer von etwa 7.000 Kämpfern aus Lateinamerika bei der ukrainischen Armee. Die Ukraine wirbt gezielt ausländische Kämpfer als Fußsoldaten an, da sie zu wenige Soldaten hat.

Chris sagt, er kämpfe aus Überzeugung. Das Geld spielt aber auch eine Rolle. Etwa 2.600 Euro pro Monat bekommen Soldaten im Fronteinsatz. Zu Hause in Kolumbien hat er Familie. Chris sagt, er wolle, dass seine Töchter stolz auf ihn sind. Seine Familie habe Angst um ihn, „aber solange es mir gut geht, sind sie beruhigt“.

Die Männer, die aus Kolumbien in der Ukraine kämpfen, sind meist zwischen 20 und 30 Jahre alt. Viele überleben nur wenige Wochen.

Hunderte Kolumbianer bereits tot

Doch er weiß auch: Der Tod ist nah und kann jederzeit zuschlagen. 600 Soldaten aus Kolumbien sollen in der Ukraine schon gestorben sein. An einer Gedenkstätte für getötete Soldaten auf dem Maidan in Kiew fällt das auf.

Hier stehen hunderte kolumbianische Flaggen. Dazu Porträts von meist sehr jungen Männern. Mitte 20 bis Anfang 30. Manche waren nur wenige Wochen an der Front, bevor sie gefallen sind.

Todesnachricht per WhatsApp

Arnedo Nieto, eine ältere Frau aus Kolumbien, blickt auf das Portrait ihres Sohnes. Mit 25 ist er gestorben. Sie erinnert sich noch an seinen letzten Anruf. Er habe ihr noch gesagt, ruhig zu bleiben, er sei sicher und sie würden sich bald wiedersehen. „Aber das war nicht so. Am 11. April kam die Nachricht, dass er vermisst wird“, erklärt sie.

Die Nachricht kam unpersönlich, per WhatsApp. Nur die Familie habe ihr Halt gegeben. Jetzt, ein Jahr später, ist sie mit ihrer Tochter nach Kiew gereist, um Abschied zu nehmen von ihrem Sohn. Aber auch, um für Geld zu kämpfen. Weil der Sohn noch vermisst wird, bekommt sie keine Kompensationszahlungen.

„Ein Traum den sie nicht mehr leben können“

Ums Geld geht es auch vielen Kolumbianern, wenn sie in die Ukraine kommen. In TikTok-Videos werben in Soldatenuniform gekleidete Männer andere Lateinamerikaner an. „Ich lade alle spanischsprachigen Leute aus der ganzen Welt ein, sich unserer Truppe anzuschließen“, heißt es da.

In der ukrainischen Armee bekommen sie etwa sechs Mal so viel wie den Mindestlohn in Kolumbien. Es ist der Traum vom schnellen Geld, erzählt Luz Marina Cendales Nieto, die ihren Bruder hier verloren hat.

„Ein 18-jähriger schaut diese Videos und denkt, das Leben ist leicht, dass man einfach hierher kommen kann. Viele der jungen Leute, die in die Ukraine gegangen sind, sind unter 25.“ Deshalb, meint Cendales Nieto, solle man die TikTok-Videos zensieren. Sie blickt auf die Porträts der gefallenen Landsleute und fügt an: „All diese Kolumbianer sind wegen eines Traums gekommen. Ein Traum, den sie jetzt nicht mehr leben können.“

Kolumbianer Chris ist sich der Gefahr für sein Leben bewusst. Er hofft, dass seine Töchter in der Heimat stolz auf ihn sind.

Rückkehr mehr als ungewiss

Chris Fucker, der kolumbianische Kämpfer in der ukrainischen Armee, ist sich der Todesgefahr bewusst. Wann er wieder an der Front sein wird? „Wenn der Kommandant sagt, dass wir los müssen. Dann gehen wir los“, antwortet er.

Ob er jemals lebend zurück in seine Heimat kommt – dafür gibt es in diesem Krieg keine Garantie.

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