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Startseite»Nachrichten»Kontrollturm statt Controller: Trumps Verkehrsminister jubelt über Gamer als neue Fluglotsen
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Kontrollturm statt Controller: Trumps Verkehrsminister jubelt über Gamer als neue Fluglotsen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 12, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Kontrollturm statt ControllerTrumps Verkehrsminister jubelt über Gamer als neue Fluglotsen

12.08.2026, 10:44 Uhr

Von Roland Peters
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Kontrollturm des Flughafens Newark in New Jersey, im Hintergrund New York City (Foto: AP)

Seit mindestens zehn Jahren fehlen Fluglotsen in den USA. Nach Trumps zweiten Amtsantritt entlässt die US-Regierung weitere 1000 Mitarbeiter, nahe New York bricht Flugverkehrschaos aus. Verkehrsminister Duffy verkündet nun eine erfolgreiche Kehrtwende. Bis die wirkt, könnten Jahre vergehen.

Als Elon Musk im Februar 2025 mit der Kettensäge durch die US-Regierung wütet, feuert sein „Department of Governement Efficiency“, kurz DOGE, auch rund 400 Mitarbeiter der US-Luftfahrtbehörde FAA. Die Federal Aviation Administration ist für den Flugverkehr in den Vereinigten Staaten unerlässlich, ohne ihre Mitarbeiter, darunter auch die Fluglotsen in den Kontrolltürmen, wäre ein geordneter Verkehr in der Luft nahezu unmöglich. Nun jubelt US-Verkehrsminister Sean Duffy auf X: Nach einer auf Gamer abzielenden Anwerbe-Kampagne seien neue Mitarbeiter hinzugekommen, weitere Tausende stünden auf der Warteliste.

Mehr als 2000 Fluglotsen sind demnach eingestellt worden. Ein paar davon freuen sich in einem Werbevideo der Regierung über ihre neue Aufgabe. Die Personalkürzungen wurden also nicht nur aufgefangen, sondern die Flugsicherheit durch die Fähigkeiten der Zocker, wie schnelle Entscheidungsfindung innerhalb weniger Sekunden, verbessert. Sind die seit Jahrzehnten bekannten Probleme der Flugsicherung in den USA also gelöst?

Ganz so einfach ist es nicht. Im Jahrzehnt vor Donald Trumps zweiter Präsidentschaft war die Anzahl der Flüge in den USA um zehn Prozent gestiegen, die Zahl der Lotsen in den 527 Kontrolltürmen auf fast 20.000 Flughäfen des Landes jedoch um 6 Prozent gesunken. Fehlen Fluglotsen, verspäten sich Flüge oder müssen sogar annulliert werden. Seit vielen Jahren leidet der Flugverkehr in den USA bereits an zu wenig Personal. Dazu kommen veraltete Technik und Software sowie bröckelnde Gebäude.

Zielmarke abgesenkt

Laut dem Weißen Haus hatte Musks Behörde Anfang 2025 zwar keine Fluglotsen gefeuert, aber Probearbeiter in anderen Bereichen der FAA. Der Schritt löste große Kritik aus, da wenige Wochen zuvor am Flughafen der Hauptstadt Washington 67 Menschen bei der Kollision eines Passagierflugzeugs mit einem Armeehubschrauber in der Luft ums Leben gekommen und der Kontrollturm währenddessen unterbesetzt waren. In den Folgemonaten verlor das Verkehrsministerium, zu dem auch die FAA gehört, rund sieben Prozent seiner Mitarbeiter, weil Musk sie dazu aufgefordert hatte, zu gehen.

Mindestens seit 2019 hatte es bei den ausgebildeten Fluglotsen eine landesweite Personallücke von etwa 3000 unter den rund 14.600 Planstellen gegeben. Im Mai senkte die FAA die Zielmarke auf rund 12.600, weil angeblich weniger Fluglotsen nötig sein sollen, als deren Gewerkschaft anhand ihres Dienstplansystems ausrechnet. Duffys Jubelnachricht bezieht sich auf 2026, für das die FAA ein Einstellungsziel von 2200 Lotsen ausgegeben hat. Im kommenden Jahr sollen es 2300 werden und 2028 schließlich 2400. Die Lücke ist damit nicht sicher geschlossen, da angestelltes Personal üblicherweise erst zwei bis drei Jahre lang trainiert wird, bevor es ihr Zertifikat erhält. Im April waren etwa 4000 Lotsen in der Ausbildungsphase. Zudem muss sich erst herausstellen, ob die niedriger angesetzte Zahl im laufenden Betrieb ausreicht.

Laut Regierungsberichten hatten die USA bereits vor Trumps Amtsantritt viele Milliarden Dollar aufgewendet, um das Flugverkehrskontrollsystem zu modernisieren. Die FAA habe jedoch Mühe gehabt, dies flächendeckend durchzuführen, schrieb die „Washington Post“ im Mai vergangenen Jahres über die Anstrengungen: Die Behörde „begnügte sich mit Papierstreifen, Disketten und Kupfer-Telefonleitungen, die ein weitläufiges Netz aus veralteten Radargeräten, Funkgeräten und Computersystemen zusammenhielten“. Die Fluglotsen arbeiteten demnach in teilweise mehr als 60 Jahre alten Gebäuden mit undichten Dächern und unzuverlässigen Heizungs- und Sanitäranlagen.

Im Mai 2025 verspäteten sich am Flughafen Newark bei New York über mehrere Tage tausende Flüge und rund 100 wurden annulliert, weil die Software im Tower mehrfach ausfiel und Lotsen nicht mehr mit den Flugkapitänen kommunizieren konnten. Der Ausfall wirbelte den Flugverkehr im halben Land durcheinander. Daraufhin meldeten sich 20 Prozent der Belegschaft im Kontrollturm wegen traumatischem Stress krank; es waren Fluglotsen, deren Ausfall von der dünnen Personaldecke nicht ausreichend überbrückt werden konnten. Dazu kam eine gesperrte Landebahn.

Washington beeinträchtigt Flugverkehr

Duffy kündigte im Zuge dieser Ereignisse an, innerhalb von drei Jahren, also bis zum Ende von Trumps Amtszeit, neben der Personallücke auch die Technik auf aktuellen Stand zu bringen. „Wenn wir die Aufgabe, die wir heute verkünden, nicht tatsächlich erfüllen, wird es nicht nur in Newark solche Fälle geben, sondern auch in anderen Teilen des Landes“, sagte der Verkehrsminister. Das erklärte Ziel von Präsident Donald Trump ist „ein vollständiger Umbau und eine Modernisierung des amerikanischen Flugsicherungssystems“. Das bewerten US-Medien als äußerst optimistisch.

Sowohl während der Covid-Pandemie als auch den Regierungs-Shutdowns, als sich der US-Kongress nicht auf die Finanzierung des Staatshaushalts einigen konnte, wurden Anwerbung und Ausbildung unterbrochen und danach zeitweise eingeschränkt fortgeführt. Es ist auch nicht sicher, ob alle Lotsen in Ausbildung diese auch abschließen. Verantwortlich für Verspätungen und Flugausfälle ist also auch die Tagespolitik in Washington. Der Shutdown von 1. Oktober bis zum 12. November 2025 etwa war der längste der US-Geschichte; Trumps Regierung und die Republikaner ließen Krankenversicherungszuschüsse für Millionen US-Amerikaner auslaufen, was die Demokraten durch eine Blockade verhindern wollten.

Neben Personaldecke und Technik hat die Regierung auch direkten Einfluss auf den Zustand der Flughäfen. Kleinere unter ihnen hätten unter Trump durch verringerte Fördermittel etwa die Hälfte ihrer Finanzierung verloren, schreibt DWU Consulting in einer Analyse. Bei großen Flug-Drehkreuzen seien es knapp unter ein Viertel weniger gewesen. Dagegen helfen auch nicht die von Duffy verkündeten „historischen Ergebnisse“ bei der Anwerbung von Gamern.

Quelle: ntv.de

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