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Politik

Kretas Sorge vor Migration aus Libyen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 12, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 12.06.2026 • 06:32 Uhr

Die Migrationsrouten nach Griechenland haben sich verlagert. Die meisten Geflüchteten kommen nicht mehr auf den ägäischen Inseln an, sondern versuchen die gefährliche Überfahrt von Libyen direkt Richtung Kreta.

Moritz Pompl

An der Nordküste Kretas kommen derzeit die Gäste an, die gern gesehen sind: Zehntausende von Touristen, die in den Genuss von Gastfreundschaft und kretischer Küche kommen. Rund sechs Millionen Urlauber besuchen Kreta im Jahr.

Im Süden und auf der vorgelagerten Insel Gavdos landen dagegen diejenigen an, die Griechenlands Regierung am liebsten gar nicht hier sehen würde: Flüchtlinge, die von Libyen aus das Mittelmeer Richtung Europa überqueren. Die letzten Vorfälle liegen wenige Tage zurück.

„Sehr harte Maßnahmen ergreifen“

Dieses Jahr sind bislang rund 6.000 Migranten angekommen. Grund genug für Griechenlands Migrationsminister Thanos Plevris, einmal mehr Alarm zu schlagen: „Wenn es nötig sein sollte und das, was in den vergangenen Tagen passiert ist, zur Regel wird, werden wir sehr harte Maßnahmen ergreifen -. Maßnahmen, die weitaus strenger sind als die bloße Aussetzung des Asylrechts, wie es in der vergangenen Zeit der Fall war.“

Tatsächlich hatte Griechenland vergangenen Sommer beschlossen, dass Neuankömmlinge drei Monate lang kein Asyl beantragen konnten. Es war eine Reaktion darauf, dass rund die Hälfte der Geflüchteten Richtung Griechenland plötzlich auf Kreta ankam.

Die Regelung galt auch für Menschen, die aus Kriegsgebieten geflüchtet waren – laut Rechtsexpertinnen und -experten ein Verstoß gegen internationale Konventionen und die griechische Verfassung. Später nahm die konservative Regierung in Athen die pauschale Regelung eher stillschweigend zurück.

Zusammenarbeit mit Libyen schwierig

Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahres rund 11.000 Migranten nach Griechenland gekommen. Das ist ein niedriges Niveau.

Doch Migrationsminister Plevris verweist auf Libyen, wo derzeit mehr als eine halbe Million Menschen auf ihre Überfahrt nach Europa warten würden. Die Vereinten Nationen bestätigen solche Zahlen nicht.

„Wir bemühen uns um eine bessere Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache; wir sind auch präsent. Aber Ostlibyens Regierung ist von der EU nicht anerkannt, das macht es viel schwieriger, das Ganze zu bewältigen“, so Plevris. „Wir werden nicht zulassen, dass sich 2015 und 16 wiederholen, als eine Million Menschen durchgereist sind. Die hier nur an der Sonne lagen und dann verschwunden sind. Unser Land hat Grenzen, und die werden wir bewachen.“

„Großes Problem für den Tourismus“

Vor der Südküste Kretas sind die griechische Küstenwache und die EU-Grenzschutzagentur Frontex aktiv, unter anderem mit Schiffen und Aufklärungsdrohnen. Immer wieder retten sie Menschen vor dem Ertrinken. In der Regel bringen sie die Migranten noch an der Südküste an Land.

Etwa in dem Hafenort Agia Galini – die Ankömmlinge werden hier direkt in Busse gesetzt und weitergefahren. Dass Touristen und Flüchtlinge dabei nah beieinander sind, sorgt bei Gemeindevorstand Michalis Kassotakis für wenig Begeisterung. „Hier auf Kreta ist das ein großes Problem für den Tourismus. Wir wissen ja, was etwa auf Lesbos oder Rhodos passiert ist. Wir hoffen also, dass der Zustrom aus Libyen irgendwann aufhört.“

Mehrere Lager geplant

Feste Lager auf Kreta, wie sie die Regierung nahe der beiden Städte Chania und Heraklion plant, stoßen vielerorts auf Ablehnung. Auch bei Eleni Zervoudaki, sie sich in Chania um die sozialen Belange kümmert und ein improvisiertes Lager in einer alten Messehalle organisiert – eines von dreien auf der Insel.

„Im Rest Griechenlands gibt es bereits Lager, die leer stehen. Warum sollte also hier auf Kreta ein neues Lager gebaut werden, wenn es bereits andere gibt, die über entsprechende Räumlichkeiten verfügen?“, fragt Zervoudaki.

Die improvisierten Lager auf Kreta sind immer wieder an ihre Grenzen gekommen. Die Mitarbeitenden, etwa der griechischen Küstenwache, die an der Halle die Eingänge bewachen, fühlen sich regelmäßig von Athen im Stich gelassen.

Athen baut auf das neue EU-Asylsystem

Die Bewohner duschen sich in Zelten mitten in der Halle, schlafen auf dem Boden und dürfen das Gebäude nicht verlassen. Unter den Geflüchteten sind viele, die aus wirtschaftlichen Gründen geflohen sind, etwa aus Ägypten oder Bangladesch.

Und es sind Menschen wie Sam dabei, geflohen vor dem Bürgerkrieg im Sudan. „Menschen wie ich – wir haben entschieden, nicht sterben zu wollen. Wenn sie uns hier nicht akzeptieren, dann werden wir irgendetwas akzeptieren, was sie uns anbieten“, sagt Sam. „Wir suchen nach einem sicheren Ort für uns.“

Griechenlands Regierung setzt auf das gemeinsame europäische Asylsystem, das am 12. Juni in Kraft tritt. Es sieht unter anderem vor, dass die europäischen Außengrenzen besser geschützt werden, dass Asylverfahren schneller an den Außengrenzen abgeschlossen werden. Und dass Länder wie Griechenland, die besonders betroffen sind, besser unterstützt werden.

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Dr. Heinrich Krämer
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