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Startseite»Politik»Kriegsgefangene aus Afrika in der Ukraine: Russlands vergessene Kämpfer
Politik

Kriegsgefangene aus Afrika in der Ukraine: Russlands vergessene Kämpfer

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 12, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 12.08.2026 • 15:22 Uhr

Russland setzt im Krieg gegen die Ukraine auch ausländische Soldaten ein. Manche werden mit falschen Versprechen gelockt. Geraten sie in Kriegsgefangenschaft, müssen sie realisieren: Russland kümmert sich nicht mehr um sie.

Von Thilko Gläßgen, ARD Kiew

Auf bis zu 4.000 schätzt die Internationale Liga für Menschenrechte die Zahl der Söldner aus afrikanischen Ländern in den Reihen der russischen Armee. Einer von ihnen war Hassan (Name geändert), der aus Ägypten stammt. In einem Gefängnis für Kriegsgefangene in der Ukraine ist er einer von vielen Nicht-Russen, die die Ukraine im Krieg gefangen genommen hat.

Überprüfen lassen sich Hassans Aussagen nicht, als Kriegsgefangener dürfen Journalisten nur mit Hassan sprechen, wenn ukrainisches Sicherheitspersonal dabei ist. Hassan berichtet, er habe schon vor Kriegsbeginn in Russland gelebt: „Ich habe in Russland Wirtschaftswissenschaften studiert, mein Bruder ist auch dort, und meine Frau ist Russin.“

Andere Männer aus afrikanischen Ländern kommen vor allem aus westafrikanischen Ländern wie Nigeria, Ghana, Sierra Leone oder Kamerun, aber auch Gefangene aus anderen Teilen Afrikas sind hier. Die Internationale Liga für Menschenrechte schätzt, dass die Anzahl ausländischer Kämpfer zwischen September 2025 und Februar 2026 in den Reihen Russlands um ein Drittel gestiegen ist.

Auch in diesem Gefängnis zeigt sich das: Von den etwa 200 Gefangenen, die die Reporter bei ihrem Besuch im Gefängnis sehen, sind etwa die Hälfte aus dem Ausland.

„Du wirst nicht an der Front arbeiten“

Hassan sagt, er habe sich nicht als Soldat gemeldet: „Sie sagten mir, mach dir keine Sorgen, du wirst in der Sicherheitsbranche arbeiten, aber nicht an der Front.“ Wenig später geht es dann doch dorthin: „Auf einmal war ich im Camp und habe trainiert: Da habe ich verstanden, dass ich kämpfen soll und es nicht mehr in meiner Hand liegt – ich muss kämpfen, weil der Kommandant es sagt.“

Viele der Afrikaner hier bestätigen Hassans Darstellung, sagen, sie seien mit falschen Versprechungen nach Russland gelockt worden. Auch die Internationale Liga für Menschenrechte stellt das fest: „Viele potenzielle Kämpfer wurden durch irreführende Stellenbeschreibungen angelockt, beispielsweise durch Versprechungen einer zivilen Anstellung in Russland, militärischer Aufgaben fernab der Front oder eines erleichterten Zugangs nach Europa.“

Für Russland ein vorteilhaftes Modell

Der Vorteil für Russland liegt auf der Hand: Werden gezielt Ausländer rekrutiert statt Russen, bekommt das in Russland kaum Aufmerksamkeit. Außerdem kosten Ausländer die russische Armee viel weniger als russische Männer. Formal gelten die ausländischen Kämpfer für die Ukraine als Russen, auch wenn sie ägyptische Staatsbürger wie Hassan sind.

Eine Formalität, die für Hassan und die anderen Ausländer im Gefängnis zu einem Problem führt, denn: „Ich sehe viel Austausch hier, viele meiner Freunde sind gegangen, getauscht worden, russische Leute – aber die internationalen, wie ich, aus Ägypten, aus Sri Lanka, Nepal, Indien oder die anderen Araber, da sehe ich keinen Austausch.“

Hassan sagt, er sei seit mehr als zwei Jahren im Gefängnis. Vor einem halben Jahr habe er mit seiner Frau in Russland zuletzt telefoniert, an seine Familie schreibe er Briefe.

Für die Ukrainer spielt die Herkunft der Soldaten keine Rolle – sie werden alle gemeinsam in entsprechenden Lagern untergebracht.

Vor allem an ranghohen Soldaten interessiert

Dass die Ukrainer nur Russen tauschen, liegt an Russland selbst: In der Ukraine ist ein Koordinierungsstab für den Austausch von Kriegsgefangenen mit Russland verantwortlich. Auch sie sagen: Russland interessiere sich kaum für Russen in Kriegsgefangenschaft und noch weniger für Ausländer wie Hassan. Russland wolle einzig die ranghöchsten Soldaten freibekommen.

Dass Hassan von dem Land, für das er sein Leben riskiert hat, im Stich gelassen wird, will er nicht wahr haben. Er sagt, dass er geduldig bleibe, dass er auch gewiss irgendwann zurück zu seiner Frau dürfe: „Es liegt nicht in meiner Hand, ich kann nichts tun. Ich glaube an Gott, dass er mich eines Tages zurück nach Russland bringt, sodass ich meine Frau wiedersehe. Dafür bete ich jeden Tag.“

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