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Startseite»Politik»Marktbericht: Ölpreis steigt erstmals seit Juli über 100 Dollar
Politik

Marktbericht: Ölpreis steigt erstmals seit Juli über 100 Dollar

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 9, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 09.09.2026 • 13:08 Uhr

Der Ölpreis ist am Morgen wegen der weiteren militärischen Eskalation am Persischen Golf auf mehr als 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Grund ist die Sorge vor Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten.

Der Preis für Rohöl ist zuletzt wieder deutlich gestiegen und hat am Morgen sogar die Marke von 100 Dollar pro Fass übersprungen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich zwischenzeitlich um 2,2 Prozent auf 100,07 Dollar, anschließend fiel der Preis wieder leicht unter 100 Dollar. Die US-Sorte WTI legte um 1,8 Prozent auf 94,73 Dollar zu.

Der erneute Sprung der Ölpreise über die 100-Dollar-Marke deutete sich bereits seit Beginn der Woche an, denn die Angriffe zwischen den USA und Iran haben zuletzt wieder zugenommen. Nun sind sie in der Nacht weiter eskaliert: Das US-Militär zerstörte nach eigenen Angaben als Vergeltung für Teherans Angriffe auf ein US-Kriegsschiff fünf iranische Rohöltanker und versenkte einen davon.

Irans Revolutionsgarden reagierten darauf nach eigener Darstellung umgehend mit „schweren Raketenangriffen“ auf das mit den USA verbündete Königreich Jordanien. Laut der staatlichen jordanischen Nachrichtenagentur Petra fing die Armee 20 ballistische Raketen ab. Zudem griffen die Revolutionsgarden nach eigenen Angaben erneut mehrere Schiffe in der Region der Straße von Hormus an.

Hoffnung auf Ende des Krieges schwindet

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es immer wieder gegenseitige Angriffe auf Öltanker gegeben. Anfang der Woche hatten Angriffe der mit Iran verbündeten Huthi-Miliz sogar Energieanlagen in Saudi-Arabien getroffen. Damit schwindet die Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung des seit sechs Monaten andauernden Krieges zwischen den USA und dem Iran weiter.

Anleger befürchten angesichts der eskalierenden Angriffe nun weitere Störungen der Öllieferungen aus der Region. Denn die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman – mittlerweile bekannt als Schauplatz des aktuellen Kriegsgeschehens – ist eigentlich eine wichtige Lebensader der Weltwirtschaft. Sie ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren und vor allem für Energietransporte bedeutsam.

Die am Golf von Persien liegenden Ölförderländer – neben Iran sind das Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate – exportierten vor dem Krieg nahezu ihre gesamten Öllieferungen durch die Meerenge. Damit passierten rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte täglich die Wasserstraße.

Ölnachfrage weltweit steigt

Es gibt zwar seit Kriegsbeginn immer wieder Maßnahmen, Öllieferungen um die Straße von Hormus herumzuleiten – etwa über Pipelines und Lkw-Transporte. Doch das reicht Analysten zufolge nicht, um die Exporte zu den Weltmärkten aufrechtzuerhalten.

Zumal offenbar auch China seine Nachfrage nach Öl aus dem Nahen Osten wieder deutlich erhöht habe, wie die Financial Times berichtet. Zu Beginn des Krieges, als die Preise stark anstiegen, reduzierten chinesische Käufer ihre Einkäufe um ein Drittel und schöpften stattdessen ihre Reserven, sagte June Goh, Analystin bei Sparta Commodities der Zeitung. Da der Bedarf aber nicht nur aus russischem und iranischem Öl gedeckt werden könne, kaufe China nun wieder verstärkt saudisches Öl.

Preise zu 120 Dollar pro Fass möglich

All das spiegelt sich an den Ölpreisen wieder: „Die Preise werden weiter steigen“, sagte ein Manager eines großen Ölhandelsunternehmens der FT: „Die Frage ist, ob es ein langsamer oder ein schneller Zug ist.“ Auch mehrere Banken, darunter Goldman Sachs, die Bank of America und HSBC, haben in den letzten Tagen ihre Ölpreisprognosen bereits angehoben.

„In einem Aufwärtsszenario, in dem sich die Angriffe auf Schiffe ausweiten und intensivieren, sehen wir Brent potenziell bei 120 Dollar“, sagte Daan Struyven, Co-Leiter der globalen Rohstoffforschung bei der US-Investmentbank Goldman Sachs, in einem Interview mit Bloomberg TV. Zuletzt war der Brent-Preis Mitte Juli kurzzeitig über 100 Dollar gestiegen, das derzeitige Jahreshoch von rund 126 Dollar erreichte der Brent-Preis Ende April.

Inflationsängste sind zurück

Höhere Ölpreise schüren an den Finanzmärkten Inflationsängste, da viele Volkswirtschaften stark von Energieimporten abhängig sind. „Ein Preis von 100 Dollar für Brent sollte nicht nur als psychologischer Meilenstein betrachtet werden. Dies ist ein Warnsignal für die gesamte Wirtschaft“, sagte Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei Phillip Nova. Denn ein hoher Ölpreis beeinflusst auch die Preisentwicklung insgesamt, weil der Rohstoff ein wichtiger Kostenfaktor für die gesamte Wirtschaft ist.

„Die potenziellen Folgeeffekte steigender Energiepreise erhöhen einerseits die Risiken für die Konjunktur in Europa und den USA direkt und andererseits den Druck auf die Notenbanken, die Inflationsgefahren mit geldpolitischen Straffungen in Schach zu halten“, sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets.

DAX deutlich gefallen

Darum blicken die Anleger nun erst recht mit Spannung auf die anstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. An den Finanzmärkten gilt eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt auf 2,50 Prozent mittlerweile als ausgemacht. Im Fokus der Investoren stehen deshalb vor allem Aussagen zur weiteren Zinspolitik sowie zur Inflationsbekämpfung.

Die hohen Energiepreise und die anhaltenden Inflationssorgen haben auch den deutschen Aktienmarkt fest im Griff. Der deutsche Leitindex verlor bis zum Mittag 1,1 Prozent auf 25.733 Punkte. Damit rutschte er zur Wochenmitte deutlich unter die wichtige Marke von 26.000 Punkten.

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