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Startseite»Politik»Marktbericht: Zwischen Nahost-Eskalation und Zinssorgen
Politik

Marktbericht: Zwischen Nahost-Eskalation und Zinssorgen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 11.06.2026 • 07:41 Uhr

Die Zuspitzung des Konflikts zwischen den USA und Iran belastet die Finanzmärkte. Der DAX dürfte mit Verlusten starten. Marktteilnehmer befürchten vor allem weiter steigende Rohstoffpreise.

Nach neuen US-Angriffen auf iranische Ziele und der anschließenden Sperrung der Straße von Hormus durch Teheran suchten Anleger weltweit das Weite. Die Aktienmärkte in Asien gerieten zu Handelsbeginn unter Druck. Der MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien außerhalb Japans verlor 0,9 Prozent. Besonders stark fielen die Kursverluste in Südkorea aus, wo der Kospi um drei Prozent nachgab.

Auch der DAX dürfte angesichts dieser Unruhen mit Verlusten in den Tag starten, nachdem er bereits am Mittwoch mit einem Prozent Minus aus dem Handel gegangen war. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex vorab rund 0,3 Prozent tiefer auf 24.145 Punkte.

Im Mittelpunkt der Sorgen steht die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Transportrouten für den globalen Ölhandel. Das iranische Militär erklärte, die Meerenge als Reaktion auf die jüngsten US-Angriffe vollständig geschlossen zu haben. Jedes Schiff, das die Passage nutzen wolle, werde angegriffen, hieß es in einer über den staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung.

Das US-Militär hatte in der Nacht neue Angriffe auf Ziele im Iran geflogen, nachdem US-Präsident Donald Trump mit weiteren Schlägen gedroht hatte, sollte kein Friedensabkommen erzielt werden. „Wir werden sie angreifen – und zwar sehr hart“, sagte er im Weißen Haus. „Wir standen kurz vor einem Abkommen, aber sie halten uns hin, sie halten uns weiterhin zum Narren.“

Am Rohstoffmarkt reagierten die Preise mit deutlichen Aufschlägen. Die Nordsee-Ölsorte Brent verteuerte sich um 1,6 Prozent auf 94,60 Dollar je Barrel. US-Leichtöl der Sorte WTI gewann 1,9 Prozent auf 91,77 Dollar. Händler verwiesen insbesondere auf die Gefahr von Lieferengpässen, sollte die Schließung der Straße von Hormus länger andauern.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird angesichts der Auswirkungen des Iran-Kriegs ihren Leitzins wohl anheben. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Volkswirte gehen fast einhellig von einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte aus. Der Einlagensatz würde dann auf 2,25 Prozent steigen.

Mehrere EZB-Vertreter hatten bereits eine Zinserhöhung signalisiert. Angesichts der großen Unsicherheit erwarten die Finanzmärkte zudem gespannt auf Signale für das weitere Vorgehen der Währungshüter.

Höhere Energiepreise infolge des Iran-Kriegs sorgen für steigende Inflationserwartungen, was die Notenbank unter Handlungsdruck setzt. Zuletzt war die Inflationsrate im gemeinsamen Währungsraum im Mai auf 3,2 Prozent gestiegen. Im Februar hatte die Rate bei 1,9 Prozent gelegen. Seitdem zog sie sukzessive an.

Noch ist unklar, wie stark sich der Ölpreisschub auch auf andere Bereiche auswirken wird. Die EZB strebt auf mittlere Sicht eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Die Notenbank wird heute auch ihre Inflations- und Wachstumsprognosen veröffentlichen.

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte zuletzt bereits eine Anhebung der Inflationsprognose signalisiert. „Wir werden voraussichtlich im Juni eine weitere Aufwärtskorrektur vornehmen“, sagte Lane. Seiner Einschätzung nach ist davon auszugehen, dass die Ölpreise im Vergleich zu den Annahmen der Notenbank vom März voraussichtlich über einen längeren Zeitraum auf erhöhtem Niveau verharren werden.

Es gibt jedoch auch Ökonomen die angesichts der schwächelnden Wirtschaftsentwicklung vor Leitzinsanhebungen warnen. So war die Wirtschaft in der Eurozone im ersten Quartal um 0,2 Prozent zum Vorquartal geschrumpft. Frühindikatoren signalisieren eine anhaltende Wirtschaftsschwäche. Schließlich treiben die hohen Öl- und Gaspreise nicht nur die Inflation an, sondern belasten auch das Wirtschaftswachstum.

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