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Neue Sorte vor Marktstart in UK: Braune Stellen? Diese genveränderte Banane soll das Problem lösen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Neue Sorte vor Marktstart in UKBraune Stellen? Diese genveränderte Banane soll das Problem lösen

29.09.2026, 18:34 Uhr

Von Hedviga Nyarsik
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Das Enzym Polyphenoloxidase ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass angeschnittenes oder gequetschtes Obst an der Luft braun wird. (Foto: picture alliance / Noah Wedel)

Sie sieht aus wie eine normale Banane, schmeckt laut Hersteller auch so – wird aber deutlich langsamer braun. Eine genveränderte Sorte hat in England jetzt eine wichtige Zulassungshürde genommen. Die Entwickler hoffen, damit Lebensmittelabfälle deutlich zu verringern.

Bananen gehören zu den beliebtesten Früchten – und landen zugleich schnell im Müll, sobald sie nach dem Schälen ein wenig braun oder angeschlagen aussehen. Ein britisches Biotechnologie-Unternehmen will das nun ändern. Die Firma Tropic aus Norwich hat deshalb eine Banane entwickelt, deren Fruchtfleisch nach dem Anschneiden deutlich länger gelb bleibt. In England hat sie jetzt eine wichtige Hürde auf dem Weg in den Supermarkt genommen.

Doch wie ist eine immer gelbe Banane überhaupt möglich? Das Unternehmen veränderte mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 alle drei Kopien eines bestimmten Bananengens. Dadurch bildet die Frucht weniger Polyphenoloxidase. Dieses Enzym ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass angeschnittenes oder gequetschtes Obst an der Luft braun wird. Ein ähnlicher Vorgang lässt sich etwa bei Äpfeln oder Pilzen beobachten.

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Eine normale und eine von Tropic geneditierte Banane im Vergleich. (Foto: Tropic)

Nach Angaben von Tropic bleibt das Fruchtfleisch nach dem Schälen oder Anschneiden etwa ein bis zwei Tage länger ansehnlich, gekühlt sogar noch länger. Geschmack und Konsistenz sollen sich nicht von gewöhnlichen Bananen unterscheiden, verspricht der Hersteller. Tropic bewirbt die Sorte vor allem für abgepackte Obstsalate und andere Produkte, in denen frische Bananen wegen ihrer schnellen Braunfärbung bisher nur selten eingesetzt werden.

Noch fehlt die letzte entscheidende Genehmigung

Anders als bei klassischer Gentechnik wurde der Banane dabei kein Gen einer fremden Art eingesetzt. Die vorhandene DNA wurde gezielt verändert. Nach britischem Recht kann eine Pflanze deshalb als „precision bred“, also präzisionsgezüchtet, gelten, wenn die entstandenen Veränderungen grundsätzlich auch auf natürlichem Weg oder durch herkömmliche Züchtung entstehen könnten. Genau diesen Status hat das britische Umweltministerium der neuen Banane inzwischen bestätigt. Um aber tatsächlich im Supermarktregal zu landen, muss die genveränderte Frucht noch eine Hürde nehmen: Die Genehmigung durch die britische Lebensmittelbehörde FSA steht noch aus. Dort wird unter anderem geprüft, ob das Produkt sicher ist.

In anderen Ländern ist die nicht bräunende Banane bereits zugelassen. So erteilten etwa Japan und Brasilien entsprechende Freigaben. In Brasilien darf sie nach Unternehmensangaben auch angebaut werden. „Diese Genehmigungen sind ein wichtiger Schritt, um innovative, abfallreduzierende Produkte zu Verbrauchern weltweit zu bringen“, erklärte Tropic-Chef Gilad Gershon im Frühjahr.

Das Unternehmen hat vor allem die Hoffnung, weniger Früchte wegwerfen zu müssen. Tropic schätzt, dass seine Sorte Lebensmittelabfälle und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen entlang der Lieferkette um mehr als 25 Prozent verringern könnte. Für den weltweiten Exportmarkt rechnet das Unternehmen mit einem möglichen Einsparpotenzial von mehr als neun Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr.

Auch in Deutschland ist Lebensmittelverschwendung ein großes Problem. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums fielen 2022 insgesamt rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Etwa 58 Prozent davon entstanden in privaten Haushalten – im Schnitt rund 74,5 Kilogramm pro Kopf. Darin stecken allerdings auch nicht essbare Bestandteile wie Schalen, Knochen oder Kaffeesatz. Wie viele ganze Bananen in Deutschland jährlich im Müll landen, lässt sich zwar nicht beziffern. Repräsentative Untersuchungen im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums zeigen aber, dass „frisches Obst und Gemüse mit rund 35 Prozent den größten Anteil der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten ausmachen“.

Braun heißt noch lange nicht verdorben

Dabei landet eine braune Banane oft völlig unnötig im Müll. Die Initiative „Zu gut für die Tonne“ des Bundes weist ausdrücklich darauf hin, dass braune Flecken oder weicheres Fruchtfleisch noch kein Zeichen für Verderb sind. Reife Bananen sind meist weiterhin essbar und eignen sich beispielsweise für Smoothies, Kuchen oder Bananenbrot. Erst bei Schimmel oder fauligem Geruch sollte die Frucht entsorgt werden.

Könnte die neue Banane also irgendwann auch in Deutschland verkauft werden? Grundsätzlich ja. Sie müsste aber vorher ein entsprechendes EU-Zulassungsverfahren durchlaufen. Die Regeln dafür hat die EU erst kürzlich grundlegend geändert. Eine neue Verordnung zu sogenannten neuen genomischen Techniken trat im Juli 2026 in Kraft, angewendet wird sie allerdings erst ab Juli 2028: Pflanzen mit vergleichsweise kleinen genetischen Veränderungen, die auch durch herkömmliche Züchtung entstehen könnten, sollen dann nach einer Prüfung weitgehend wie konventionell gezüchtete Pflanzen behandelt werden. Bei stärker veränderten Pflanzen bleiben umfangreichere Sicherheitsprüfungen und Zulassungsverfahren nötig.

Ob die Tropic-Banane in der EU in die einfachere Kategorie fallen würde, müsste in einem eigenen Verfahren geprüft werden. Bis eine Banane, die nach dem Anschneiden länger gelb bleibt, tatsächlich in deutschen Supermärkten auftaucht, dürfte es deshalb noch dauern.

Quelle: ntv.de

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