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Neue Spielregeln in Verträgen: KI läutet das Ende der goldenen Zeiten von Indiens IT-Riesen ein

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 23, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Neue Spielregeln in VerträgenKI läutet das Ende der goldenen Zeiten von Indiens IT-Riesen ein

Für einfache Programmieraufgaben wurden früher gerne junge Hochschulabsolventen eingestellt, die zu tausenden jedes Jahr die Universitäten in Indien verlassen. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Die IT-Branche in Indien steht vor einer fundamentalen Neuausrichtung: Etliche Unternehmen verlieren ihre Aufträge, denn einfache Programmieraufgaben übernimmt immer öfter künstliche Intelligenz. Das hat auch Konsequenzen für Hochschulabsolventen.

Für Indiens IT-Dienstleistungs-Giganten wie Tata Consultancy Services (TCS) oder Infosys waren es goldene Zeiten. Das Geschäftsmodell war einfach und lukrativ: Je mehr Mitarbeiter an einem Projekt für den Kunden arbeiteten und je mehr Stunden sie abrechnen konnten, desto höher war der Umsatz. Für einfache Programmieraufgaben wurden gerne junge Hochschulabsolventen eingestellt, die zu tausenden jedes Jahr die Universitäten in Indien verlassen. Doch diese Ära neigt sich dem Ende zu. Die künstliche Intelligenz (KI) stellt die 315 Milliarden Dollar schwere Branche auf den Kopf. Kunden fordern nicht mehr nur Arbeitskraft, sondern messbare Ergebnisse – und das zu drastisch niedrigeren Preisen.

Branchenvertreter berichten zudem, dass die IT-Beratungsunternehmen Aufträge gänzlich verlören, weil die Kunden KI nutzen, um Aufgaben intern zu erledigen; gleichzeitig führten die mit der neuen Technologie verbundenen Unsicherheiten zu kürzeren Vertragslaufzeiten. „Für die Dienstleister ist die Marktlage verzweifelt. Die Vorteile liegen eindeutig aufseiten der Kunden“, sagt Jimit Arora vom Beratungsunternehmen Everest Group.

Die neuen Spielregeln werden direkt in den Verträgen festgeschrieben. Statt der Abrechnung nach Stunden setzen sich erfolgsabhängige Modelle durch. TCF-Chef K. Krithivasan erklärte, dass mittlerweile rund 80 Prozent der Verträge des Unternehmens im Bereich Finanz-, Personal- und sonstige Geschäftsdienstleistungen auf ergebnisbasierten Leistungskennzahlen beruhten. Dieser Anteil habe sich verdoppelt, seit KI Ende 2023 den Durchbruch im Massenmarkt schaffte, sagte ein Insider.

Der deutsche Energiekonzern E.ON soll den Dienstleister HCLTech im ersten Jahr gar nicht bezahlen, wie aus einem Vertrag über Cloud-Management hervorgeht. Zahlungen flössen erst ab dem zweiten Jahr und seien an Effizienzsteigerungen geknüpft. Kunden verlangen für die gleiche Arbeit teils 25 bis 30 Prozent weniger Geld, wie der Chef des mittelständischen IT-Anbieters Persistent Systems erklärt.

Zu weiteren Beispielen aus der Branche zählt ein im Februar geschlossener Vertrag über KI und Automatisierung zwischen Cognizant und dem Stuttgarter Lkw-Bauer Daimler Truck. Wie mit den Bedingungen vertraute Personen berichten, sah dieser vor, dass die durch KI erzielten Kosteneinsparungen zwischen Anbieter und Kunde aufgeteilt werden. „Durch KI verändern sich die grundlegenden Rahmenbedingungen“, erklärt Cognizant in einer Stellungnahme. „Kunden erwarten heute mehr Mehrwert und messbare Ergebnisse, und wir richten unser Geschäftsmodell auf diese neue Realität aus.“

Dieser Wandel ebnet kleineren, agileren IT-Dienstleistungsfirmen den Weg. Früher war die schiere Masse an Mitarbeitern der große Vorteil der Branchenriesen. Heute, wo KI viele Aufgaben automatisiert, ist das kein entscheidendes Kriterium mehr. Während die Umsätze der Giganten wie TCS oder Infosys stagnieren, verzeichnen mittelgroße Konkurrenten wie Persistent oder Coforge seit Quartalen zweistelliges Wachstum. Sie gelten als hungriger und flexibler.

Die vielleicht tiefgreifendste Folge dieses Umbruchs ist das Ende des sogenannten Pyramidenmodells. Bislang stellten die IT-Konzerne jedes Jahr Heerscharen von Hochschulabsolventen für einfache Programmieraufgaben ein. „Dieses Modell ist tot“, sagt V. Balakrishnan, ein ehemaliger Finanzvorstand von Infosys. „Mit KI-Agenten brauchen wir die einfache Programmierarbeit nicht mehr.“ Die Branche, die einst als riesige Jobmaschine für Indiens junge Bevölkerung galt, steht damit vor einer fundamentalen Neuausrichtung.

Quelle: ntv.de, jki/rts

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