Es geht um Bilanzen
NFL-Spitzenteam bestreitet restliche Saison freiwillig in Unterzahl
Die Philadelphia Eagles begehen den Rest der NFL-Saison mit einem Mann weniger im Kader. Grund dafür ist ein plötzlicher Rücktritt und ihr generelles Kadermanagement.
Die Philadelphia Eagles lassen nach dem Rücktritt von Teamikone Lane Johnson seinen Kaderplatz in der NFL überraschend frei. Die Eagles haben ihn für das Spiel in Woche 5 in London gegen die Jacksonville Jaguars (17:19) sogar nicht mal als inaktiv in ihrer Pressemitteilung und auf Social Media vermeldet – laut NFL-Daten war er aber dennoch offiziell inaktiv. Normalerweise werden Spieler, die aus der NFL zurücktreten, auf die sogenannte Reserve/Retired List gesetzt. Sie stehen dann nicht mehr im 53er-Kader und streichen auch kein Gehalt mehr ein.
Im Fall von Johnson jedoch bleibt der Spieler Teil des 53er-Kaders. Dass Johnson im Kader für die Saison verbleibt und damit einen der kostbaren Kaderplätze für einen anderen Spieler blockiert, hat jedoch einen speziellen Grund: Es geht um die Salary Cap des Teams und die Art und Weise, wie Verträge in der NFL aufgebaut und für die Salary-Cap-Berechnung betrachtet werden.
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Eagles-Verträge weichen von der Norm ab
Die Eagles haben viele ihrer Verträge so gestaltet, dass die sogenannten Cap-Hits, also die Beträge, die in die Bilanz für die jeweils laufende Saison gehen, so niedrig wie möglich bleiben. Das erreichen sie damit, dass sie ihren Stars niedrige Grundgehälter in die Verträge schreiben und den Rest als Option-Bonus – teilweise schon Jahre zuvor garantiert – auszahlen. Der Vorteil: Während das reine Gehalt in voller Höhe zählt, wird ein Option-Bonus auf bis zu fünf zukünftige Jahre aufgesplittet. Ähnlich tauchen Ablösesummen in den Bilanzen von Fußballvereinen auf. Im Fall von Johnson heißt das, dass sein Cap Hit für die laufende Saison bei knapp über 20 Millionen US-Dollar liegt, obwohl er 23 Millionen Dollar (21,7 Millionen als Bonus) kassiert hat.
Der Nachteil solcher Verträge ist aber, dass diese bilanziell in die Zukunft gestreckten Bonus-Zahlungen schneller fällig werden, wenn man einen Vertrag vorzeitig beendet. Hätten die Eagles Johnson also schon jetzt als im Ruhestand deklariert, hätten sie einen Minus-Betrag von rund 42 Millionen Dollar in ihrer Salary-Cap-Berechnung für die kommende Saison stehen gehabt – im Gegensatz zu nur 21 Millionen, hätte er weitergespielt.
Die 42 Millionen Dollar gehen nun aber nicht verloren. Die Eagles werden Johnson für den Rest der Saison im 53er-Kader halten, damit also nur 52 Spieler maximal zur Verfügung haben, um ihn dann im kommenden Jahr nach Start des Liga-Jahres im März offiziell auf die Retired-Liste zu setzen, offiziell aber sogar erst nach dem 1. Juni, weil das weitere bilanzielle Vorteile bringt. Dann nämlich beträgt das „Dead Money“ für 2027 nur noch rund 16 Millionen Dollar, 2028 dann rund 26 Millionen. In Wahrheit wird man die Beträge sogar noch weiter drücken können, da Johnson dem Vernehmen nach einen Teil des diesjährigen Bonus ans Team zurückzahlen wird, da er eben nur drei Spiele gemacht hat.
All das zeigt perfekt, dass man die Beschränkungen der Gehaltsobergrenze in der NFL zwar manipulieren und von Jahr zu Jahr umgehen kann. Am Ende wird jedoch immer irgendwann die Rechnung kommen, die dann bezahlt werden muss.
Verwendete Quellen: ntv.de, mbl
