Mehr als drei Jahrzehnte regierte er Norwegen, heute wird König Harald V. in Oslo beigesetzt. Zehntausende Norweger geben ihm das letzte Geleit – zusammen mit Staatsgästen aus aller Welt.
Die letzten Absperrgitter werden noch aufgestellt, damit bis zum Mittag alles bereit ist. Normalerweise spazieren jeden Tag Tausende Menschen über die Karl-Johann-Straße in der Osloer Innenstadt. Heute laufen hier Könige, Königinnen und andere Staatsoberhäupter aus aller Welt entlang, angeführt von den norwegischen Royals und dem Sarg des verstorbenen Königs Harald. Der Trauermarsch wird an den Straßenseiten wohl von Zehntausenden Menschen begleitet.
„Wir erwarten so viele Menschen im Stadtzentrum, dass die Gefahr besteht, dass die Leute sich gegenseitig zu Fall bringen und verletzen oder von Fahrrädern angefahren werden könnten“, sagt Tomm Berger, Einsatzleiter der Osloer Polizei.
Fahrräder und E-Roller sind deshalb im Zentrum von Oslo heute verboten, Autos und Busse dürfen ebenfalls nicht durch. Ein Land steht quasi still, um an einen König zu erinnern, der bei den Norwegern unfassbar beliebt war.
„Ein König, der die Menschen zusammengeführt hat“
„Er hat den Menschen sehr viel bedeutet. Das lag vor allem an seiner Persönlichkeit und seinem Charakter, mehr noch an seiner formellen Rolle als
König“, sagt Sigrid Hvidsten, Königshausexpertin der Zeitung „Dagbladet“. „Seine Reden haben die Norweger mitten ins Herz getroffen.“
Mehr als 30 Jahre lang stand er an der Spitze des Landes. Vielbeachtet waren etwa König Haralds Reden nach den Anschlägen von Oslo und Utöya 2011, als er mit seinem Volk zusammen weinte, oder als er sich für die Rechte von eingewanderten und queeren Norwegern aussprach. Viele sind deshalb in den vergangenen Tagen vor das Osloer Schloss gekommen und haben Blumen für ihn niedergelegt
„Er teilte die Menschen nicht in Norweger und Zugewanderte ein. Für ihn gehörten alle dazu. Das war einer der Gründe, warum ich ihn so sehr mochte“, sagt ein Passant. „Er hat viel für Norwegen getan und war ein König, der die Menschen zusammengeführt hat. Deshalb wollten wir ihm die letzte Ehre erweisen“, sagt ein anderer Passant.
Drei Jahrzehnte lange Regentschaft endet
Am Mittag wird der Sarg aus der königlichen Schlosskapelle gebracht. Von dort zieht der Trauerzug zum Osloer Dom, wo es einen Gottesdienst geben wird. Gleichzeitig wird im ganzen Land eine Schweigeminute abgehalten – drei Glockenschläge markieren den Beginn und das Ende.
Für die Königsfamilie wird es ein besonders schwerer Moment, sagt Königshausexpertin Hvidsten. „Man ist ein trauernder Mensch und muss sich gleichzeitig der ganzen Welt zeigen. Dabei ist man sehr verletzlich. Ich glaube, dass es ein harter Tag wird. Aber ich glaube auch, dass es eine sehr schöne Trauerfeier in der Kathedrale geben wird.“
Nach dem Gottesdienst wird der Sarg in einer nahegelegenen Festung beigesetzt. Für Norwegen endet damit die mehr als drei Jahrzehnte lange Regentschaft von König Harald. Und für viele Menschen in Oslo ist es heute vor allem ein persönlicher Abschied von einem König, der für sie weniger das Staatsoberhaupt war, sondern vielmehr der Großvater der Nation.

