Die OECD hat ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr deutlich heraufgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt werde um 1,1 Prozent wachsen. Für 2027 steht ebenfalls eine positive Prognose.
Die Industriestaatenorganisation OECD geht von einem stärkeren Wirtschaftsaufschwung in Deutschland in diesem Jahr aus. Dem jüngsten Wirtschaftsausblick zufolge wird das Wachstum auf 1,1 Prozent prognostiziert. Im Juni war lediglich ein Plus von 0,7 Prozent erwartet worden. Für 2027 wurde die Vorhersage bei ebenfalls 1,1 Prozent belassen.
„Im ersten Halbjahr 2026 sind die Exporte überraschend stark gestiegen, was unter anderem an der steigenden Nachfrage nach elektronischen Produkten und Ausrüstungen im Zuge des KI-Booms liegt“, sagte OECD-Experte Robert Grundke der Nachrichtenagentur Reuters zu dem optimistischeren Ausblick. Diese dürfte weiterhin hoch bleiben.
„Auch die steigenden öffentlichen Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur haben zur konjunkturellen Erholung beigetragen“, fügte Grundke hinzu. Die OECD verwies zudem auf Reformen im Bereich der öffentlichen Vergabe und der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte. Damit stünden die Chancen für einen schnelleren Ausbau der Infrastruktur und eine stärkere Unterstützung des Wachstums gut.
Viele Aufgaben bleiben
Trotzdem bleibe weiter viel zu tun: „Auch wenn sich die Konjunkturaussichten verbessert haben, ist es wichtig, die notwendigen Strukturreformen voranzubringen, um das langfristige Wachstumspotential der deutschen Volkswirtschaft zu verbessern“, betonte Grundke. So sollten etwa bestehende Regulierungen und Verwaltungsverfahren überprüft, vereinfacht und harmonisiert werden.
Auch rät die OECD, Anreize im Steuer- und Transfersystem zu verbessern. Dazu gehörten eine Reform des Ehegattensplittings, eine Beschränkung der Minijobs auf Studenten und Schüler sowie die Umsetzung der geplanten Sozialstaatsreform. „Eine Senkung der Steuer- und Abgabenbelastung für Arbeitseinkommen wäre aus Sicht der OECD eine weitere wichtige Maßnahme, um das Arbeitsangebot zu erhöhen und den Fachkräftemangel zu lindern“, so Grundke. Dies könne über eine Streichung von Steuervergünstigungen und -ausnahmen finanziert werden.
Iran-Krieg bleibt Belastung
Nicht nur für Deutschland, auch für den Euroraum und die Weltwirtschaft hat die OECD ihre Prognosen für dieses Jahr leicht angehoben. Sie geht von 1,0 Prozent beziehungsweise 2,9 Prozent Zuwachs aus. Für das kommende Jahr ist ihr Ausblick mit 1,0 Prozent und 3,0 Prozent allerdings etwas pessimistischer als noch im Juni.
Immerhin blieb das Wachstum trotz der negativen Folgen durch den Konflikt im Mittleren Osten in der ersten Jahreshälfte der OECD zufolge in vielen Ländern robust. Große Ölvorräte, Lieferungen von außerhalb der Golfstaaten und staatliche Unterstützungsmaßnahmen federten die Folgen demnach ab.
Der Ausblick hänge dennoch stark davon ab, ob eine dauerhafte Lösung gefunden werde. OECD-Expertin Isabell Koske warnte: „Eine längere Dauer oder eine weitere Eskalation des Konflikts im Nahen Osten würde zu höheren Energiepreisen und einem stärkeren Preisauftrieb sowie Vertrauensverlusten führen, was den privaten Konsum und Investitionen belasten würde“, betonte sie. „Dies gilt umso mehr, als die Gasspeicherstände in Deutschland und Europa unter dem Durchschnitt der letzten beiden Jahre liegen.“
Unsicherheiten durch Wetter und KI-Zukunft
Zölle und Ausfuhrbegrenzungen seien zusätzliche Unwägbarkeiten, so die OECD. Entsprechend stellte die Organisation klar, dass der Wirtschaftsausblick mit großer Unsicherheit behaftet sei.
So gebe es – neben den Unsicherheiten durch den andauernden Iran-Krieg – wetterbedingte Risiken wie einen starken El Niño, die mit Lieferengpässen und hohen Lebensmittelkosten einhergehen könnten. Zudem könnte das Wachstum gebremst werden, sollten sich Investitionen in Künstliche Intelligenz nicht wie erwartet auszahlen.
