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Ölpreise bleiben auf Krisenniveau | tagesschau.de

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 15.06.2026 • 14:28 Uhr

An den Märkten wird das angekündigte Abkommen zwischen Iran und den USA gefeiert. Die Ölpreise fallen, die Aktienkurse steigen. Bis sich das weltweite Ölangebot normalisiert, wird es auf jeden Fall aber noch Monate dauern.

Detlev Landmesser

Über drei Monate lang haben die Finanz- und Energiemärkte mit der Sperrung der Straße von Hormus gehadert. Nun hegen Investoren die Hoffnung, dass die Hängepartie für die Märkte bald enden könnte.

Am kommenden Freitag soll das Regime in Teheran die Bedrohung der Schiffahrt durch die Meerenge mit der Unterzeichnung des Abkommens zwischen Iran und den USA beenden. „Schiffe der Welt, startet eure Motoren. Lasst das Öl fließen!“, schrieb US-Präsident Donald Trump in der Nacht auf seiner Social-Media-Plattform.

Dies verfehlte seine Wirkung an den Märkten nicht. Die Preise für Nordseeöl der Sorte Brent und US-Leichtöl WTI fielen am Morgen jeweils mehr als fünf Prozent auf rund 80 Dollar je Barrel (159 Liter). Brent notiert damit wieder rund 30 Prozent unter seinem Höchststand aus dem März.

Insgesamt liegen die Notierungen aber noch immer rund zehn Dollar über ihrem Niveau vor dem Krieg. Dieser an den Märkten „Risikoprämie“ genannte Aufschlag hat handfeste Gründe.

Wird es künftig doch eine Maut geben?

Zum einen ist das Abkommen noch nicht unterzeichnet, und insbesondere die Lage im Libanon könnte den Abschluss noch gefährden. Zudem bleiben viele Details unklar. Gibt Iran tatsächlich seine Ambitionen auf, Gebühren von den passierenden Tankern zu verlangen? Und wie groß bleibt die Bedrohung durch Seeminen?

Nach Aussagen von US-Präsident Trump werde die Eröffnung „zollfrei“ sein und die Straße sei nur deshalb noch nicht offen, weil die Arbeiten zur Minenräumung noch bis Freitag dauerten.

An den Märkten werden solche Detail- und Zeitangaben allerdings skeptisch betrachtet – erst recht nach den Erfahrungen der vergangenen Monate. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Fars meldete denn auch gegen Mittag, dass in das ausgearbeitete Abkommen im letzten Moment eine Klausel über Gebühren für die Durchfahrt hinzugefügt worden sei. Die Vereinigten Staaten hätten eine solche Maut akzeptiert.

Zudem bleiben längerfristige Risiken, da ein solches Rahmenabkommen noch lange kein finaler Friedensvertrag wäre. „Der Teufel steckt im Detail: Um endlich ein Abkommen zu erreichen, wurden diverse zentrale Punkte ausgespart und auf einen späteren Zeitpunkt vertagt“, schrieben die Analysten der LBBW.

Reeder reagieren zurückhaltend

Von den Reedereien kommen ebenfalls noch vorsichtige Töne. Ob die für Freitag angekündigte Vereinbarung zu einer dauerhaft sicheren und verlässlichen Passage durch die Straße von Hormus führe, müsse sich erst noch beweisen, teilte der Verband Deutscher Reeder mit. „Wir sind aber vorsichtig optimistisch.“

Die Reeder hatten stets betont, für eine Rückkehr in die Straße von Hormus müsse die Sicherheit ihrer Crews gewährleistet sein. Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd hatte vergangene Woche erklärt, selbst nach einer Wiedereröffnung der Meerenge werde eine Rückkehr zur Normalität mindestens drei Monate dauern. Zuletzt hatten noch vier der über 300 Schiffe von Hapag-Lloyd im Persischen Golf festgesessen.

Preisdruck bleibt noch erhalten

Die langsame Wiederaufnahme der Transporte dürfte 2026 insgesamt zu einem Angebotsdefizit am Ölmarkt führen, sagte Analyst Tamas Varga vom Ölmakler PVM. Dazu trägt auch bei, dass viele Förder- und Verarbeitungsanlagen in der Region durch den Krieg beschädigt wurden. Experten sind sich weitgehend einig, dass die Ölmenge, die durch die Straße von Hormus fließt, nur langsam das Vorkriegsniveau von 20 Millionen Barrel pro Tag erreichen dürfte.

Auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel warnte, es werde Monate dauern, bis sich das Ölangebot normalisiert. Der Geldpolitiker dämpfte damit die Hoffnung, dass der inflationäre Druck rasch abnehmen wird. Der Preisdruck in der Wirtschaft könne zudem nochmals steigen, wenn fiskalpolitische Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise ausliefen, so Nagel. In Deutschland endet Ende Juni der Tankrabatt, der die Inflation gedämpft hatte.

DAX kurz über 25.000 Punkten

Auf jeden Fall würden bei einer tatsächlichen Einigung aber die Weichen für einen günstigeres Marktumfeld gestellt. Auf längere Sicht würden sinkende Energiepreise die Inflation deutlich dämpfen und Druck von den Notenbanken nehmen, ihre Zinsen zu erhöhen.

Diese Hoffnung hatte den DAX zunächst um 1,8 Prozent auf über 25.000 Punkte nach oben getrieben. Bis zum frühen Nachmittag hat die Euphorie aber etwas nachgelassen. Der Leitindex notiert noch 1,3 Prozent höher bei 24.959 Punkten.

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